Doch dann passiert das Leben

von Redaktion

„Mein bester Freund, seine Freundin und ich“ ist ein hinreißend erzählter Netflix-Film

Super besetzt: Janina Uhse als Rebecca. © Ennenbach/Netflix

Das Peter-Pan-Syndrom ist, wie schon der Name sagt, ein männliches Phänomen. Natürlich gibt es auch Frauen über dreißig, die sich nicht den Herausforderungen des Daseins stellen wollen, aber in der Literatur und im Film sind es in der Regel Männer, die sich weigern, erwachsen zu werden. Spätestens in der sogenannten Midlife-Crisis bestimmt ohnehin das innere Kind, wo’s langgeht.

Soweit sind Olli und Matze (Kostja Ullmann, David Kross) noch lange nicht, und von Krise kann sowieso keine Rede sein: Die beiden Freunde sind seit Grundschultagen unzertrennlich und wohnen in einer gemeinsamen WG, die der Traum aller freiwilligen Junggesellen ist. Weil man von irgendwas leben muss, arbeiten sie Tisch an Tisch für eine Immobilienmaklerin, aber viel wichtiger ist ihr gemeinsames Ziel: Demnächst werden sie sich ein Sabbatical gönnen und ein Jahr lang auf Weltreise gehen; doch dann passiert die Liebe. In Anlehnung an die Hollywood-Komödie „Meine Braut, ihr Vater und ich“ (2000) macht der Titel „Mein bester Freund, seine Freundin und ich“ klar, wo der Feind steht.

Regisseur Marco Petry hat für Netflix bereits die überaus amüsante Komödie „Spieleabend“ (2024) sowie den turbulenten Hundefilm „Eat Pray Bark“ (2026) gedreht. Ko-Autorin des Drehbuchs war diesmal Gattin Janina Petry, und womöglich ist es ihrem Einfluss zu verdanken, dass der Film die Antagonistin nicht dämonisiert: Die bezaubernde Rebecca (Janina Uhse) ist in der Tat eine Frau zum Verlieben. Dass Olli trotzdem in höchstem Maße alarmiert ist, liegt am warnenden Beispiel eines Freundes: Schmitti (Ferdinand Hofer) war früher der Dritte im Bunde der fröhlichen Kifferrunde, bis er geheiratet, Karriere gemacht und ein Reihenhaus gekauft hat. Seither steht er unter der Fuchtel von Antje (Mira Huber), die ihm alles verbietet, was Männern Spaß macht. Nach einem mittleren Eklat inklusive Polizeieinsatz untersagt sie ihm jeden weiteren Umgang mit den beiden „spätpubertären Vollidioten“. Dieses Schicksal, fürchtet Olli, wird auch Matze drohen. Ein Duett zu dritt, lehrt die Erfahrung, kann nicht funktionieren: Erst ändert sich der Lebenswandel des Freundes, dann sagt er die Weltreise ab.

Auf ihren Kern reduziert, klingt die Geschichte schlicht und klischeehaft, zumal die Handlung einige allerdings sehr witzig umgesetzte Pipi-Kacka-Scherze enthält. Höhepunkt in dieser Hinsicht ist eine WG-Party, in deren Verlauf Schmitti von der Dachterrasse pinkelt; was Jungs eben so machen, wenn sie ohne Aufsicht sind.

Dass „Mein bester Freund, seine Freundin und ich“ der gelegentlichen Deftigkeit zum Trotz nie niveaulos wird, liegt nicht zuletzt an der Kombination aus Übertreibung und Realitätsnähe: Petry hat den Unfug, den Olli und Matze treiben, geradezu lustvoll auf die Spitze getrieben, zumal einige Einfälle (etwa das „Extrem-Flippern“) ziemlich originell sind. Andererseits können Beziehungen nun mal zu einer echten Belastung für eine Freundschaft werden, weil es den Freund oder die Freundin fortan nur noch mit Anhang gibt. Als Olli der Widersacherin den Krieg erklärt, um die gemeinsame Weltreise zu retten, bleibt der Tonfall zwar heiter, aber ernst wird es trotzdem. Zum Glück haben die Petrys darauf verzichtet, Rebecca mit den angeblichen „Waffen einer Frau“ auszustatten: Sie entpuppt sich als Kontrahentin auf Augenhöhe, die mit ihren Sabotageaktionen zielsicher Ollis wunde Punkte trifft.

Großen Spaß macht auch die Sorgfalt im Detail. So legt das Drehbuch schon früh eine clevere Fährte für ein späteres doppeltes Happy End, und die liebevoll gestaltete Illustration des Vorspanns ist mindestens einen zweiten Blick wert, weil sie das bisherige Leben der beiden Freunde, als Achtjährige noch Außenseiter, im Stil eines Fotoromans schildert.

Die jungen Alter Egos sind perfekt ausgesucht, die rockige Musik passt zum Lebensgefühl der beiden Männer. Kostja Ullmann (Jahrgang 1984) ist zwar zehn Jahre zu alt für seine Rolle, aber er und David Kross (Jahrgang 1990) verkörpern Olli und Matze mit derart viel jugendlicher Spielfreude, dass das nicht weiter ins Gewicht fällt.TILMANN P. GANGLOFF

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