Er ist der populärste Muppet: Kermit der Frosch, der als Conférencier durch die turbulente Sendung führte. © TSIKAS/dpa
Applaus, Applaus, Applaus! Mit diesen Worten ließ Kermit, der berühmteste Frosch der Welt, vor 50 Jahren zum ersten Mal die Puppen tanzen. Am 5. September 1976 hatte die „Muppet Show“, die als freche Parodie auf die damals sehr populären Varietésendungen geplant war, im amerikanischen Fernsehen Premiere. Die Handpuppe Kermit, der grüne Held ganzer Generationen, führte als Conférencier durch die turbulente Sendung, in der Rudolf Nurejew mit der Schweinediva Miss Piggy tanzte, Elton John seinen „Crocodile Rock“ mit einem Chor von Krokodilen spielte und die zwei nörgelnden Greise Waldorf und Statler in ihrer Theaterloge an nichts und niemandem ein gutes Haar ließen. Bis heute ist der TV-Klassiker, der im Gewand einer Kindersendung auch Humor für Erwachsene bot, Kult.
„Jetzt tanzen alle Puppen, macht auf der Bühne Licht. Macht Musik, bis der Schuppen wackelt und zusammenbricht“, lautete das deutsche Titellied der „Muppet Show“, als sie im Dezember 1977 auch im Fernsehen der Bundesrepublik startete und das Programm aufmischte. Ende der 70er-Jahre war es die international erfolgreichste Serie der Welt. Kein Wunder: Jede einzelne der Schaumstofffiguren war eine ausgeprägte Persönlichkeit, und die 25-minütigen Folgen steckten voller anarchischem Humor. Manche Gags ließen bei der Übertragung ins Deutsche aber leider Federn. So garniert der dänische Chaoskoch („Smörrebröd röm pöm pöm pöm“), im Original ein Schwede, in seinem „Mousse-au-chocolat“-Rezept einen Elch mit flüssiger Schokolade.
Dazu muss man wissen, dass „Mousse“ ähnlich klingt wie das englische Wort „Moose“ für Elch. Der amerikanische Künstler Jim Henson (1936 – 1990) war der Vater der irrwitzigen Revue. Er hatte zuvor die Figuren für einen anderen Klassiker geschaffen, die „Sesamstraße“. Nun wollte er eine Puppenshow erschaffen, die sich auch Erwachsene ansehen würden. Doch die TV-Macher in den USA glaubten nicht an die Idee, kein einziger amerikanischer Sender wollte Geld investieren. Dann erklärte sich der britische Filmproduzent Lew Grade bereit, die „Muppet Show“ zu produzieren, weshalb die Sendung in London mit britischem Geld hergestellt wurde.
Am 5. September 1976 hatte sie in den USA Premiere – und wurde ein rauschender Erfolg: Bis zu 235 Millionen Zuschauer weltweit schalteten pro Folge ein, 75 Prozent der Zuseher waren Erwachsene. Kermit gab dabei den Gastgeber der Chaotentruppe. Als Impresario stand er stets am Rande des Nervenzusammenbruchs, weil seine Mitarbeiter so inkompetent waren: Das hässliche Geierwesen Gonzo scheiterte mit seinen Stuntversuchen, der Bär Fozzie setzte jeden Witz in den Sand. Insgesamt gab es fast 400 Figuren. Einspielfilme zeigten, wie hinter den Bühnenkulissen das Chaos seinen Lauf nahm – heute würde man diese pseudodokumentarischen Elemente als Mockumentary bezeichnen.
Im Mittelpunkt der Sendung mit dem Frosch stand jeweils ein Gaststar, der mit den Muppets auftrat: Berühmtheiten wie Peter Ustinov, Harry Belafonte oder Sylvester Stallone, die nicht mit Selbstironie geizten. Zudem gab es herrlich alberne Serien innerhalb der Reihe – die berühmteste ist vielleicht „Schweine im Weltall“, eine Parodie auf „Raumschiff Enterprise“.
Dieses Feuerwerk an Kreativität ließ sich nicht endlos fortsetzen: Nach 120 Folgen und fünf Jahren stellte Jim Henson die Sendung 1981 ein, weil ihm die Ideen ausgingen. Anlässlich des 50. Geburtstags zeigt der Sender Disney+ jetzt ein eng ans Original angelehntes Special. Woher der Begriff Muppet stammt, wurde übrigens nie restlos geklärt. Einer gängigen Version zufolge ist das Wort ein Mix aus Marionette und Puppet.CORNELIA WYSTRICHOWSKI