Die Sonne strahlt, Stefan Mross versucht’s: der Moderator am Ende der Sendung. © ARD
Ab sofort heißt es im Ersten: Nimmer wieder sonntags. Gestern hat Stefan Mross, der Gaudibursch mit den Tränen, Abschied von seinem Showklassiker „Immer wieder sonntags“ genommen. „Mit meiner Sendung stirbt auch ein Teil von mir“, hatte er schon davor angekündigt. Und so schwankte die Stimmung im Europapark Rust ungefähr zwischen dem WM-Ausscheiden mit Julian Nagelsmann, dem Zapfenstreich für Angela Merkel und der Beerdigung der Queen. „The Boss Mross“ sang sich selbst Mut zu: „Immer wieder geht die Sonne auf.“ Doch gestern ging sie für ihn erst mal unter.
Nach der „Sendung mit der Maus“ lief in der ARD also die „Sendung mit dem Aus“. Vielleicht ein bisschen arg dick aufgetragen für eine Schlagersendung feierte der 50-Jährige sich und seine Show – und das bei strahlendem Sonnenschein mit himmlischem Beistand: „Wir hatten in dieser Saison keinen einzigen Tropfen Regen – weil der Petrus und alle, die dort oben sind, sich gefreut haben, dass es eine Ära war, die in die Musikgeschichte eingeht.“
Da hätte man fast meinen können, die Beatles hätten sich noch mal getrennt. Zu Gast waren dann aber die Jungen Zillertaler, der „absolute Weltstar“ Peggy March, Sigrid und Marina, Andy Borg oder Semino Rossi. Sogar Marianne und Michael kehrten aus dem Ruhestand zurück. Peggy March dichtete „Memories of Heidelberg“ in „Memories of Stefan Mross“ um. Vanessa Mai drohte: „Ich sterb für dich“ (hoffentlich nicht).
Andrea Kiewel grüßte per Schalte aus dem Mainzer „Fernsehgarten“: „Wir sind ja Sonntagsnachbarn.“ Mross, zwischen Rührung und Beleidigtsein, weil ihm die ARD nach 21 Jahren angeblich aus finanziellen Gründen den Stecker zieht: „Du bist jetzt am Sonntagvormittag die Einzige, die noch Leute unterhalten darf.“ Sogar seine Ex Stefanie Hertel war da, um der Sendung „die letzte Ehre zu erweisen“.
Mross wusste nicht recht, wohin mit seinen Gefühlen: „Mir geht es auch jetzt gut.“ Sekunden später dementierte er: „Natürlich geht es mir nicht so gut.“ Spätestens in diesem Moment spürte man: Dagegen war sogar der Abschied von Thomas Gottschalk bei „Wetten, dass..?“ dezent und unaufgeregt. Und: So viel von sich selbst redete beim TV-Aus bisher nur Margarethe Schreinemakers.
Im Gegensatz zur Ex-Talkerin sparte sich Mross am Ende bittere Worte. Er hatte ja angekündigt: „Es wird einen letzten Satz geben, der wird sehr polarisieren.“ Ein giftiger Gruß an die ARD? Den ließ Mross gottlob weg. Er war massiv gerührt und vergaß seinen Vorsatz, nicht zu heulen: „Ich möchte meine Eva an meiner Seite haben. Eigentlich wollte ich in den letzten 30 Sekunden noch etwas sagen. Aber mir fällt nichts mehr ein“ – außer „Danke“.
Da hatte man dann doch etwas Mitleid mit ihm. Die Quoten haben bis zum Schluss gestimmt, das Publikum ist dank neuer Schlagerfans sogar etwas jünger geworden, und die Fans hatten ihren Spaß an der Schunkelshow. Doch die ARD will partout „jünger und digitaler“ werden. Warum ältere Zuschauer, die genauso viel Rundfunkbeitrag bezahlen, solche Sendungen nicht mehr sehen dürfen, hat die Anstalt nicht erklärt. Der analoge Mross hofft auf ein Comeback. Bis dahin gilt sein Abschiedslied an Mentor Karl Moik, droben bei Schlagerfan Petrus im Himmel: „Servus, Pfia Gott und auf Wiedersehen!“JÖRG HEINRICH