Versöhnung und Erlösung

von Redaktion

„Don‘t look back in Anger“: Kino-Dokumentation über das Comeback der Band Oasis

„Sammma wieder guad?“ Die Oasis-Musiker Liam Gallagher (li.) und Noel Gallagher bei der Filmpremiere. © H. Nicholls/AFP

Es sind Bilder, die man von den lange zerstrittenen Oasis-Brüdern nicht gewöhnt ist: Liam und Noel Gallagher lachen, umarmen sich herzlich, halten sich an den Händen. Bei den Filmfestspielen in Venedig entfaltet sich die Geschichte vom Streit und der Versöhnung zweier Brüder nicht nur auf der Leinwand, sondern auch live. Der Film „Oasis: Don’t look back in Anger“ erzählt, wie sich Liam und Noel Gallagher nach 15 Jahren Funkstille angenähert haben. Ohne große Aussprache. So legt es zumindest der Film nahe, und so erzählen es die Filmemacher.

Die Doku von den Regisseuren Dylan Southern und Will Lovelace handelt vor allem davon, was die Band für ihre Fans bedeutet. In vielen Aufnahmen der Konzerte aus dem vergangenen Jahr in Cardiff, São Paulo oder Manchester sehen wir weinende Fans, sich umarmende Fans, singende Fans. Fans, die erklären, wie sie mithilfe von Hits wie „Don’t look back in Anger“ ihre Vergangenheit bewältigt haben oder der Song „Acquiesce“ sie an eine besondere Freundschaft erinnert.

Wer auf viele intime Bandmomente hofft, wird vermutlich enttäuscht. Die wenigen Blicke hinter die Kulissen sind aber spannend. Wir sehen Noel, der darauf wartet, dass sein Bruder endlich zur ersten Probe erscheint. Dann kommt er, und ohne große Gesten oder auch nur eine wirkliche Begrüßung geht’s los. Das Kommunizieren klappt noch nicht so – das Musizieren aber sofort wunderbar.

Wir sehen die Söhne der beiden, die sich backstage bei den Konzerten anfreunden. Wir sehen auch, wie Noel angespannt vor dem ersten Konzert in Cardiff auf Liam wartet. Er kommt erst, kurz bevor es losgeht. Dann nimmt er die Hand seines Bruders, sie gehen auf die Bühne und die Band stimmt den Song „Hello“ an. Die beiden sind sichtbar angespannt. Man hört die Musik aber ohnehin kaum angesichts des Jubels im Stadion.

Warum die beiden so lange keinen Kontakt hatten, bleibt offen. Früher sei Liam jedenfalls unberechenbar gewesen, sagt Noel anfangs. „Er hätte sich sogar mit seinen eigenen Zehennägeln gestritten.“ Im Laufe der Tour werden die Umarmungen zwischen den Brüdern jedenfalls inniger. Doch wirklich emotional sind die Musiker im Film nie. Das überlassen sie ihren Fans. Einer sagt zum Beispiel über das Comeback: „Es ist wie die Wiedergeburt von Jesus.“ Ein anderer sagt: Die Trennung der beiden habe sich angefühlt, als hätte er ein Kind verloren.

„Die Beziehung entwickelt sich, während sie auf Tour sind“, sagt Drehbuchautor Knight. „Wir hatten großes Glück, dass es genau so gekommen ist, denn das hatten wir uns erhofft. Von Anfang an wollten wir einen Film über Versöhnung und Erlösung drehen.“ Jeder, der schon mal auf einem großen Konzert einer geliebten Band war, weiß, dass sich das wie eine religiöse Erfahrung anfühlen kann. Mit dieser Überhöhung spielt die Doku, nicht zuletzt, als ein Pfarrer eingespielt wird, der anhand von Oasis über Versöhnung predigt. LISA FORSTER

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