Ein „Tatort“ zum Geburtstag: Maria Furtwängler wird am Sonntag 60

von Redaktion

Tolles Team: Charlotte Lindholm (Maria Furtwängler) befürchtet, dass die Erinnerungen des Kollegen Matthias Vogel (Andreas Lust) sie in die Irre führen. © Frizzi Kurkhaus/NDR (2)

Dieser „Tatort“ ist ein Geschenk. Nicht nur für alle Krimifans, die 19 Wochen lang auf frische Fälle verzichten mussten, sondern auch für TV-Kommissarin Maria Furtwängler, die mit „König in Gelb“ an diesem Sonntag um 20.15 Uhr ihren 60. Geburtstag feiern darf. „Ich bin sehr glücklich mit diesem Film“, bestätigt die Münchnerin, der zum Auftakt nach der Sommerpause einiges zugemutet wird. Im ARD-Krimi gerät ausgerechnet das ins Wanken, worauf die Ermittlerin dringend angewiesen ist: die Gewissheit, der eigenen Wahrnehmung trauen zu können.

Ihr 33. Fall führt Charlotte Lindholm in ein niedersächsisches Demenzdorf. Ein Ort, der seinen Bewohnern trotz der Krankheit ein selbstbestimmtes Leben ermöglichen will. Dort ist eine ältere Dame tödlich gestürzt. Zunächst scheint alles klar: ein Routinefall, keine Hinweise auf Fremdeinwirkung. Doch dann taucht der beurlaubte Kollege Matthias Vogel (Andreas Lust) auf und behauptet, die Spur eines siebenfachen Serienmörders führe direkt in die Demenzklinik – zum stillen Patienten Gustav König (gespielt von Thomas Thieme). Seine Schilderungen klingen überzeugend – nur leidet Vogel selbst an fortschreitender Demenz.

Charlotte kann seine Hinweise nicht einfach ignorieren. Doch wie ernst nimmt man einen Mann, der sich an ein entscheidendes Foto erinnert, es aber nicht finden kann, und dessen Gedächtnis zunehmend eigene Geschichten erzählt? Zumal Vogel ein unberechenbarer Partner ist: mal scharfsinniger Ermittler, mal herrischer Vorgesetzter, mal gefangen in der eigenen Vergangenheit und Verwirrung.

„Die wichtigste Waffe eines Ermittlers ist der Intellekt, seine Genialität, schlauer und schneller die richtigen Schlüsse zu ziehen als alle anderen“, sagt Maria Furtwängler. Genau diese Waffe wird ihrer Figur dieses Mal genommen. Aus der Kriminalistin, die gewöhnlich den Überblick behält, wird eine Frau, die sich fragen muss: Was ist Wahrheit, was ist fehlgeleitete Fantasie?

Der Film (Buch und Regie: Alexander Adolph) macht daraus mehr als einen raffinierten Krimiplot. Er erzählt von der Angst, dass der eigene Verstand unzuverlässig werden könnte – und davon, wie sich eine Krankheit auf die Menschen auswirkt, die mit ihr leben. Furtwängler, selbst Ärztin, kennt die medizinische Perspektive. Sie weiß, dass es im Umgang mit Demenz nicht darum gehen sollte, ständig auf das zu schauen, was jemand nicht mehr kann, sondern das zu stärken, was geblieben ist. Gerade darin ist Ermittlerin Lindholm zunächst erstaunlich ungeschickt: Sie ist ungeduldig, will Antworten, wo es keine sicheren Antworten mehr gibt.

Dass sie im Laufe der Ermittlungen empathischer wird, gehört zu den stärksten Seiten des Films. Die Demenz wird nicht bloß als dramaturgischer Nebel eingesetzt, sondern als menschliche Erfahrung ernst genommen. Furtwängler hat einen persönlichen Bezug: Ihr Vater Bernhard war an Demenz erkrankt und starb letztlich daran. „Es sind sehr viele Erinnerungen hochgekommen“, sagt sie im Gespräch mit unserer Zeitung. „Mein Kollege Andreas Lust stellt die vielen plötzlichen Stimmungswechsel sehr plausibel und nuanciert dar. Die sind ja für Menschen, die mit Demenz leben, so charakteristisch. Das erinnere ich auch bei meinem Vater sehr gut.“

Mit viel Dankbarkeit und Demut beobachte sie das Älterwerden ihrer eigenen Mutter, der Schauspielerin Katrin Ackermann, sagt Maria Furtwängler. In „König in Gelb“ kehrt sie als Lindholms Mama Annemarie zurück. „Sie steht mit 88 noch regelmäßig auf der Bühne, lernt ellenlange Texte auswendig und ist wirklich fit wie der sprichwörtliche Turnschuh. Da habe ich wohl einiges in die Wiege gelegt bekommen“, freut sich Furtwängler. „Noch ächzt und zwickt nichts, wenn ich auf meine geliebten Berge kraxele, und ich wünsche mir, dass das noch sehr lange so bleibt.“

„König in Gelb“ ist Polizeifilm und Drama zugleich. Vor allem aber gelingt dem sehenswerten Film etwas, das Krimis selten glückt: die Suche nach der Wahrheit mit Hochspannung und zwischenmenschlicher Tiefe zu verknüpfen.ASTRID KISTNER

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