von Redaktion

Es ist schon etwas ganz besonderes mit diesem Markt in Aschau: Im heiligen römischen Reich deutscher Nation trat Kaiser Karl V., „in dessen Reich die Sonne nie unterging“ von seinem Amt zurück, der Augsburger Religionsfriede brachte das Ende der Glaubenskriege der Reformationszeit, Amerika war gerade einmal 63 Jahre entdeckt und der große Martin Luther erst neun Jahre verstorben, da feierten die Aschauer schon das erste Mal ihren Markt am Kirchenberg. Am 1. August 1555 gab Herzog Albrecht von Bayern in München mit seinem Brief und Siegel dem damaligen Hohenaschauer Herrschaftsinhaber Pankraz von Freyberg die Erlaubnis, künftig alljährlich in Aschau einen Markt abzuhalten. So feiern die Aschauer in diesem Jahr das 462. Jubiläum und deutlich größer ist sie auch geworden, die kleine Stadt aus Holz und Tuch rund um den Kirchenberg. Rund 150 Fieranten aller Sparten werden auch in diesem Jahr ihre Waren anpreisen und versuchen, die Besucher von der Qualität ihrer Waren zu überzeugen, rund 100 Absagen muss die Gemeindeverwaltung Aschau jedes Jahr an weitere Interessenten versenden.

In den kommenden Tagen bis zum Bieranstich werden im Bankerldorf Aschau noch ein paar Bankerl zusätzlich aufgestellt – dutzendweise stehen die soliden Biertischgarnituren im Festzelt des Aschauer Marktes an der Schützenstraße schon bereit, warten auf die Marktbesucher und verstärken kurzfristig für ein paar Tage die 200 Aschauer Themenbankerl. Hier finden alle Besucher des 462. Aschauer Marktes für ein paar Stunden ihr Lieblingsbankerl, auf dem sie das lebhafte Treiben rundherum im Bierzelt und auf der Marktstraße betrachten können. Dazu gibt es auf diesen Bankerln eine Brotzeit, etwas zu Trinken und ein reichhaltiges Programm oder auch nur einen anständigen Ratsch – einem jeden nach seinem Geschmack und Gusto, keinem wird etwas vorgeschrieben auf dem Aschauer Markt.

Ein Besuchermagnet

in der Region

Die Bevölkerung des Chiemgaus, dazu die Veranstalter, Händler, Kaufleute, Marktschreier und Verkäufer freuen sich Jahr für Jahr auf diesen besonderen Markt, der für die Einheimischen aus der weiten Umgebung das Ende des Sommers und so etwas Ähnliches wie den Herbstanfang in der Region symbolisiert. Auch für die zahlreichen Touristen im Chiemgau stellt der Markt einen Anziehungspunkt dar, schließlich gibt es doch auf dem Markt fast nichts, was es nicht gibt. Ein sonntäglicher Bummel mit der ganzen Familie durch die fast einen Kilometer langen, von Verkaufsständen gesäumten Marktstraßen, mit ihrem schier unerschöpflichen Warenangebot, die Brotzeit- und Spielestandl und natürlich der Besuch des bereits vom Donnerstag an bewirtschafteten großen Bierzeltes ist deshalb bei vielen am ersten Septembersonntag fest eingeplant. In diesem Jahr hat Festzeltbetreiber Heinrichsberger noch zwei zusätzliche Tage angehängt und lädt am Dienstag zu einem Kabarettabend mit Stefan Kröll & Chaingang und am Mittwoch zum Aschauer Bauerntag mit Staatsminister Helmut Brunner.

An allen Ecken und Enden treffen die Besucher am Marktsonntag Verwandte, Bekannte oder Freunde auf „einem Haufen“, die förmlich zum „Ratschen“ animieren. So kommen die Besucher nur langsam von Hauseck zu Hauseck voran, aber niemand stört sich am Gedränge, das gehört einfach mit dazu.

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