Seit frühester Zeit herausragend

von Redaktion

Das Inntal ist eines der größten und wichtigsten Täler für den Eintritt in die Alpen und die Verbindung nach Süden. Entsprechend kommt dem Inntal seit frühester Zeit eine herausragende Verkehrsfunktion zu.

So nutzten bereits Straßenbauten der Römer die Verkehrsgunst des Inntals. Die Römerstraße über den Brenner traf, östlich des Inns verlaufend, nördlich von Rosenheim auf die Römerstraße Salzburg-Augsburg, die dort den Inn querte. Etwa den gleichen Trassen folgten auch die mittelalterlichen Salzhandelswege. Während der Römerzeit verlief entlang des Inns zwischen Kiefersfelden und Passau, genauer am linken Flussufer, die Grenze der Provinzen Raetia und Noricum.

Das Inntal zwischen Kiefersfelden und Flintsbach bzw. Neubeuern bildet altes Grenzland. Im Spätmittelalter grenzen hier die bayerischen Teilherzogtümer aneinander. Ab 1505 ist es Grenzraum zwischen Bayern und Tirol.

Der bereits im Mittelalter zunehmende Verkehr zwischen Italien und den Handelszentren an der Donau entwickelte sich entlang des Inns zu einer bedeutenden Einnahmequelle. Eine zentrale Stellung hatte dabei der Salzhandel, der die wirtschaftliche Basis für die Entwicklung der Städte am Inn bildete. Die Salzvorkommen befanden sich überwiegend im heutigen Österreich (zum Beispiel Salzkammergut, Hallein) und in Reichenhall.

Der Inn selbst ist ebenfalls schon für die Römerzeit als Schifffahrtsweg belegt. Große Bedeutung entfaltete die Flussschifffahrt auf dem Inn in der Zeit vom 14. bis zum 19. Jahrhundert, in der sie die schnellste Verbindung zwischen Innsbruck und Wien und zugleich von zentraler Bedeutung im wichtigen Handelsstraßendreieck Venedig – Regensburg – Prag war. Bis ins 19. Jahrhundert blieb der Fluss durch einen lebhaften Schiffsverkehr gekennzeichnet . Die Fahrten flussaufwärts wurden getreidelt, die dazu notwendigen Wege entlang des Flusses haben sich zum Teil bis heute erhalten.

Erst die Eisenbahn brachte ab 1860 als konkurrenzstarkes Verkehrsmittel die Schifffahrt auf dem Inn zum Erliegen. Die Flößerei blieb noch bis in die 30er Jahre des 20. Jahrhunderts von Bedeutung.

Neben der Landwirtschaft bildeten Handel und Gewerbe bereits seit früher Zeit einen wesentlichen Wirtschaftsfaktor entlang des Inns.

Für die Entwicklung der Städte am Inn waren der Salzhandel, die Schifffahrt und das Zusammentreffen von Fluss und Straße die entscheidenden Entwicklungsimpulse. Die Entwicklung des charakteristischen Baustils der Innstädte wird insbesondere in enger Verbindung mit der Bedeutung der spätmittelalterlichen Schifffahrt gesehen.

Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts war der Inn ein unberechenbarer Alpenfluss. Um 1900 wurde mit der Innregulierung begonnen und dem Fluss ein eng begrenztes Bett gegeben.

Die Fließgeschwindigkeit nahm dadurch zu, das Flussbett tiefte sich ein, der Grundwasserspiegel sank. Die landwirtschaftliche Nutzung konnte in die nun deutlich trockeneren Flussauen vordringen und verdrängte zum Teil die Auwälder.

Ab den 30er-Jahren des 20. Jahrhunderts wurden als Maßnahme gegen die Eintiefung des Flusses und zur Energiegewinnung mehrere Stauwehre errichtet. In seinem südlichsten Abschnitt zwischen Kiefersfelden und Flintsbach beziehungsweise Neubeuern stellt sich das bayerische Inntal als alpiner Talraum dar.

Die Ortskerne der ältesten Siedlungsplätze, zu denen zum Beispiel Nußdorf, Nieder- und Oberaudorf und Kiefersfelden gehören, liegen auf den hochwassersicheren Schwemmkegeln der Nebenflüsse. Aufgrund seiner Bedeutung als Grenzland wurden in dem Talabschnitt fast alle topografisch geeigneten Stellen für die Ausübung von Herrschaft, zur militärischen Sicherung und zur Zollerhebung genutzt.

Nicht zuletzt wegen der hohen Bedeutung des Inntals für den Transitverkehr über die Alpen, treten heute im Bereich der ebenen Talflächen auch Industrie und Gewerbe prägend in Erscheinung. Landesamt für Umwelt

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