Büro-Trends im Wandel der Zeit

von Redaktion

Die ersten Büros, also Räume, die ausschließlich für Schreibtischarbeit gedacht waren, kamen um 1800 als Kontore für Händler, Beamte oder Handwerker auf. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts waren immer noch nur drei Prozent aller Beschäftigten als Büroangestellte tätig, heute liegt der Anteil bei etwa 50 Prozent. Die Entwicklung der Office-Landschaft wurde von verschiedenen Strömungen beeinflusst und hat sich oftmals an Ideen aus den USA orientiert.

Großraumbüros und der Wunsch nach Effizienz

Wie keine andere Büroform steht das Großraumbüro für Effektivität, Produktivität und Flächeneffizienz. Um das Wirtschaftswachstum nach dem Zweiten Weltkrieg zu meistern, hielten in den USA die offenen Bürostrukturen bereits Mitte des 20. Jahrhunderts Einzug. In Deutschland folgte diese Entwicklung erst einige Jahrzehnte später.

Heute stehen für Organisationen vor allem Fortschritt, Wachstum und Innovation im Fokus. Im Umkehrschluss investieren sie weiterhin in Großraumbüros, da diese kollaboratives und kommunikatives Arbeiten am besten unterstützen sollen. Der Trend zum Großraum hat sich in den USA bis heute wesentlich stärker durchgesetzt als in Deutschland: 50 Prozent der Amerikaner arbeiten in sogenannten „Open Spaces“, jedoch nur 25 Prozent der Deutschen. Ein Grund dafür könnte sein, dass Deutschland im Unterschied zu den USA stark von bestehender Baustruktur geprägt ist: Die klassischen Verwaltungsgebäude mit langen Fluren und Einzelbüros hierzulande können erst nach und nach in Großraumbüros umgewandelt werden.

Repräsentative Chefbüros

Dass mit der Zunahme von Großraumbüros nach und nach alle Einzelbüros – und damit auch das repräsentative Chefbüro – verschwanden, ist ein Irrglaube. Nach wie vor existiert in Unternehmen weltweit das Chefbüro.

Allmählich rückt allerdings eine neue Generation an Vorgesetzten nach, die in der Regel einen sehr modernen Führungsstil pflegt: Status und traditionelle Hierarchien stehen für die Millennials der Generation X und Y eher im Hintergrund, zunehmend wichtiger sind netzwerkbasierte Strukturen und Austausch auf Augenhöhe.

Wohlbefinden im Büro

Nach mehreren Jahrzehnten, in denen (Flächen-)Effizienz als oberstes Maß der Dinge galt, entstand Anfang des 21. Jahrhunderts ein Gegentrend. Vor allem Arbeitnehmer und Unternehmen in Deutschland realisierten, dass Großraumbüros keine Pauschallösung für besseres Arbeiten sind. Sie begannen, ergonomische Gesichtspunkte stärker in den Vordergrund zu rücken. Eine entscheidende Rolle spielte auch der in dieser Zeit aufkommende Kampf um Fachkräfte: Um die besten Talente zu gewinnen und an sich zu binden, gestalteten Unternehmen ihre Räumlichkeiten wesentlich stärker als bisher unter dem Aspekt des Wohlbefindens.

In Amerika kam die Entwicklung aus Europa, den Menschen und dessen Wohlbefinden in den Mittelpunkt zu rücken, erst etwa zehn Jahre später an. Hauptgrund war die Vielzahl an fest installierten Cubicals, die es nicht zuließen, flexibel neue Räume oder Rückzugsmöglichkeiten zu gestalten.

Homeoffice als Folge

der Digitalisierung

Die nächste Trendwelle kam vor etwa zehn Jahren im Zuge der Digitalisierung auf: Als technische Helfer wie Smartphone und Laptops zunehmend mobiles Arbeiten ermöglichten, forderten immer mehr Mitarbeiter diese Freiheit und Flexibilität ein – das Homeoffice entstand.

Trendsetter dieser Entwicklung waren die USA: Uninspirierende und beengte Großraumbüros erschwerten kreatives und innovatives Arbeiten, sodass die Menschen die Chancen der Digitalisierung verstärkt nutzten und ihre Arbeitsplätze regelmäßig nach Hause oder ins Café verlegten.

Deutschland übernahm diese Idee mit der Zeit, hierzulande wird Homeoffice jedoch bis heute eher als Ergänzung gesehen, weniger als komplett neue Arbeitsform wie in den USA.

Wie sieht das Büro

der Zukunft aus?

Im Büro der Zukunft wird der Einsatz von Technologien in den kommenden Jahren noch weit über bisherige Möglichkeiten hinausgehen: Die Vernetzung von Mensch, Arbeitsort und Technologie wird dank Sensoren oder dem Internet of Things noch enger werden, da sind sich die Experten sicher. Irgendwann ist das gesamte Unternehmen – vom Terminkalender über die Möbel, das Raumbuchungssystem, den einzelnen Mitarbeiter bis hin zum Konferenzraum – verknüpft und vernetzt. So wird das smarte Büro Nutzer und Organisationen bestmöglich in ihrem Tun unterstützen.

Aber auch das Verhältnis zwischen Vorgesetzten und Mitarbeitern durchlebt einen Wandel. Die Führungskraft wird mehr zum Coach, weniger zum fachlich inhaltlichen Tonangeber. Die Tendenz dazu ist in Deutschland und den USA gleichermaßen vorhanden. Dieser Wechsel im Führungsstil ist eng verwoben mit dem räumlichen Umfeld: Erst das schwindende hierarchische Chefbüro und die Zunahme von offenen Bereichen, in denen sich Mitarbeiter unkompliziert austauschen und arbeiten können, machen eine netzwerkbasierte Zusammenarbeit mit flachen Hierarchien möglich.

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