von Redaktion

Bad Endorf – Es sind Zeiten des Umbruchs im Katharinenheim: Innerhalb der letzten neun Monate ist aus dem ehemaligen Verwaltungstrakt des Katharinenheim Endorf e.V. eine großzügige, helle Wohnlandschaft entstanden. 23 Senioren werden in zwei Wohngruppen leben, die sich sowohl räumlich als auch konzeptionell durch modernste Gesichtspunkte auszeichnen. Am Wochenende vom 18. und 19. November wird die Neueröffnung gefeiert, jeweils von 12 bis 17 Uhr mit einem Basar im Innenhof des Hauses Katharina.

Zu den Höhepunkten zählen am Samstag, 18. November, um 14 Uhr die Segnung durch Vertreter der katholischen und evangelischen Kirchengemeinden und am Sonntag die Gelegenheit zum Gespräch mit dem international renommierten Künstler Ludwig Frank. Seit Jahren stellt er dem Katharinenheim e.V. ausgewählte Werke als Leihgaben zur Verfügung, etwa die „Seelenhäuser“ im Sinnesgarten in Bad Endorf oder die „Demonstration der Tiere“ rund um das Haus St. Anna in Thansau.

Musikalische Darbietungen des Kindergartens Katharinenheim und von Martina Partsch auf dem Flügel runden das Programm ab.

Haus Franziskus

wird geschlossen

Fast zeitgleich mit der Neueröffnung im Haus Katharina vollzieht sich der Auszug der Bewohner aus dem Haus Franziskus. Der 2001 eröffnete Wohnbereich schließt zum Ende des Jahres auf Grund der mittlerweile durch neue Brandschutzauflagen strukturell eingeschränkten und nicht mehr zeitgemäßen Gegebenheiten des Gebäudes.

Heimat-Bewusstsein – mit Liebe zum Detail

Ab Mitte November ziehen teilweise auch Senioren aus dem Haus Franziskus um in die neuen Wohngemeinschaften. Insgesamt stehen dort 17 Einzel- und drei Doppelzimmer zur Verfügung. Das alltägliche Miteinander zwischen Zimmer- und Tischnachbarn, Pflege-, Hauswirtschafts-, Beschäftigungs- und Fachdienstmitarbeitern erweckt die Wohngruppen „Chiemsee“ und „Kampenwand“ zu Leben.

Die Namen sind bewusst gewählt. Sie sind der Region entliehen, einem Lebensraum, der seinen Bewohnern Geborgenheit, Sicherheit und Erholung bietet. Achtsamkeit und mitunter die Liebe zum Detail, der Blick für die Eigenheit beim Einzelnen, sind der Garant für eine neue, gelungene Lebenswelt, in der die Normalität das Besondere sein wird.

Große Fenster,

viel Licht

Durchdacht ist die Lage der Zimmer. Die Wohnküchen sind lichtdurchflutet auf der Südseite, im Erdgeschoss mit Zugang zum Garten. Alle Zimmer wirken durch ihre Raum- und Farbgestaltung, etwa durch erdige Terracotta- und Rottöne warm und behaglich. Zugleich strahlen sie durch ihre Formensprache, etwa durch die großen Fenster, Klarheit und Transparenz aus.

Ausschlaggebend in der Pflege ist die Perspektive: Wird der bedürftige Mensch von außen betrachtet, mit allerbester Hingabe umkreist und – oft akkordmäßig – unentwegt versorgt? Oder stellt sich die Pflegekraft in die Lebenswelt mit hinein, als lebendiger Teil, bewusst, mit eigenen Stärken und Schwächen.

Gemeinsam, achtsam, auch mit den Kollegen, immer wieder stehen bleiben. Und immer wieder neu weitergehen: die Mitarbeiter im Katharinenheim handelten bisher in diesem Sinne, so gut es die stationären Bedingungen in Einrichtungen ermöglichten. Ambulantisierte Versorgung mit verzahnten Einzel-Arbeitsplänen gewährleistet in Heimen jedem einzelnen Bewohner einen noch feiner zugeschnittenen Service. Dieser besteht jedoch nicht weiter in „Warten Sie, ich übernehme das für Sie!“, sondern häufiger im „Wie kann ich Sie dabei unterstützen?“.

Gewohntes so lang wie möglich erhalten

Hinter diesem Umdenken, das Alltagsnormalität ins Heim bringt, steht eine einfache Wahrheit: Gewohntes so lange wie möglich beizubehalten schafft Sicherheit, Geborgenheit und Vitalität. Ziel ist, die von zu Hause gewohnte Lebensqualität möglichst lange zu erhalten, auch für mehr Selbst-Bestimmung, Selbst-Wirksamkeit und Selbst-Wert. Die Infrastruktur der sanierten Räume bietet den äußeren Rahmen für die neue Denkweise. Dabei gilt: Jeder kann, aber keiner muss Gurken schälen, Kuchen backen oder zusammen mit dem Hausmeister einen Nagel in die Wand schlagen.

Konzept wird überall umgesetzt

Das Konzept zieht zeitgleich in die anderen Wohnbereiche im Haus Katharina und im Haus St. Anna in Thansau ein. Grundstrukturen dafür, wie etwa Wohnküchen und die Anbindung an Mitarbeiter aus allen Arbeitsbereichen, sind überall gegeben. Das Personal wurde und wird auch weiterhin in Fortbildungen dafür geschult: von der Pflege über die Hauswirtschaft und die Küche bis hin zur Verwaltung.

Strapazen gut gemeistert

Umbau und neue Abläufe der Zusammenarbeit waren und sind große Herausforderungen. Für viele waren die Baumaßnahmen mit Strapazen verbunden. Alle Mitarbeiter bemühten sich, die Belastungen so gering wie möglich zu halten. Besondere Leistungen erbrachte die Tagespflege, die sich teilweise behelfsmäßig im Foyer aufhielt und manchmal große Mühe hatte, Gäste zu den Gemeinschaftsräumen zu bringen. Da waren Katharinenheim-Verwaltungs-Mitarbeiter, die im Ausnahmefall schon einmal spontan Schutt weg schaufelten. Verwaltungskräfte, die immer wieder Lärm ausgesetzt waren, was besonders das Telefonieren spannend machte.

Großes leisteten alle, die an der Planung und Umsetzung der Sanierungsarbeiten beteiligt waren und nicht zuletzt die Nachbarn in der Katharinenheimstraße, die mit Lärm, Staub und zusätzlichem Verkehrsaufkommen leben mussten.

Eine Herausforderung erwartet nun noch die Bewohner und Mitarbeiter aus dem Haus Franziskus. Für alle geht bis Ende des Jahres eine Ära zu Ende. Es verändert sich der Arbeits- und Lebensraum, für einige nach 16 Jahren in der Bahnhofstraße. Und doch: Fast ausnahmslos alle sehen gelassen und zuversichtlich in die Zukunft, die große Veränderungen bereithält. Barbara Ober

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