Vom Plündern, Rauben und Erobern

von Redaktion

Immer nur im Schatten eines anderen stehen oder selbst sein Talent in die Sonne rücken? Diese Frage wird sich Richard Arthur Allan „Dik“ Browne wohl lange gestellt haben. Beantwortet hat er sie dann mit seinem Cartoon-Wikinger Hägar – einem international gefeierten Erfolg.

Aber von vorne: Dik
Browne war bereits vielfach preisgekrönt als Zeichner des von Mort Walker 1954 erfundenen Erfolgs-Zeitungsstrips „Hi and Lois“. Zur Weihnachtszeit 1972 soll er dann intensiv darüber nachgedacht haben, einen eigenen Cartoon-Klassiker zu erschaffen. Sogar ein Familienrat soll einberufen worden sein.

Lange gedauert hat es dann nicht, bis Browne den ersten „Hagar the Horrible Strip“ auf den Markt brachte: Am 5. Februar 1973 erschien er bereits und war schon damals ein voller Erfolg. 136 Zeitungen veröffentlichten den Comic. Doch warum wird Hägar weltweit so geliebt?

Diese Frage lässt sich wohl vor allem mit einem Blick nach Amerika beantworten. Schon bei „Hi and Lois“ war die US-amerikanische Vorstadtfamilie Vorbild: scharf beobachtet und scharfzüngig kommentiert. Browne macht nichts anderes, als genau diese Familie in seinen Wikinger-Pointen zu transzendieren.

Nöte und Ängste sind die Gleichen

Ist Erobern, Rauben und Plündern bei den Wikingern im Mittelalter nichts anderes als in heutiger Zeit ein Job wie der eines Finanzbeamten oder Börsenmaklers? Sind die Ängste der Väter nicht die Gleichen? Früher war der erste Liebhaber der Tochter vielleicht ein flinkfingriger Troubadour, heute ist es eben vielleicht ein flapsiger Punkrocker.

Eins haben alle Familien aber gemeinsam: Sie suchen die Balance zwischen Erziehung und Nachsicht. Half die Frau im neunten Jahrhundert ihrem Mann noch ins Bärenfell, damit er rechtzeitig das Boot erreicht, ist es heute der adrette Smoking, den sie glatt streicht, bevor der Mann in seinen Mietwagen steigt, um zum Flughafen zu fahren. Damals wie heute: Konflikte, gut gemeinte Ratschläge, liebe Gesten – manchmal gelingt das Familienleben, manchmal eben nicht.

Und oft ist es auch wie in der heutigen Realität: Hägar ist zwar nach außen hin ein furchterregender Wikinger, der im Alltag eben ein ganz Schrecklicher ist. Doch hinter seinem Schwert und seinem Schild zeigt er dann doch sein wahres Ich: ein liebevoller Ehemann, ein fürsorglicher Vater und ein Steuerzahler wider Willen. Eben ganz so wie heutige Geschäftsmänner.

Künstlerisch hat sich Browne bei Hägar im Vergleich zu „Hi und Lois“ definitiv verändert. Seine feine Strichführung hat sich in eine rohe, dynamische Essenz gewandelt. re/bullspress

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