Der 23. September 1877 war ein besonderer Tag. Damals hat sich eine „kleine Tischgesellschaft in der Gastwirthschaft am Schlossberg“ getroffen. Professor Dr. Schlemmer hätte glühend für die Ziele des noch unbekannten Alpenvereins geworben. Und tatsächlich: Am 19. Oktober 1877 wurde die „Section Rosenheim“ gegründet. Mit allen Formalien und den bis heute geltenden Statuten. 56 Mitglieder seien gleich beigetreten, ist in den Archiven nachzulesen. Jetzt feiert die Sektion Rosenheim des Deutschen Alpenvereins (DAV) ihr 140-jähriges Bestehen.
Ziel des neugegründeten Vereins war es damals, seinen Mitgliedern die Bergwelt in Wort und Schrift näherzubringen. Aber auch „die Bereisung der Alpen zu erleichtern“ sowie das Anlegen, Markieren und Instandhalten von Wegen standen ganz oben auf dem Programm.
Das Arbeitsgebiet der Sektion Rosenheim erstreckt sich seit den Gründungsjahren von Aschau bis Bayerischzell und nach Süden bis an die Tiroler Landesgrenze. Weit über 100 Kilometer Wege und Steige wurden noch vor der Jahrhundertwende mit Mitteln der Rosenheimer Sektion gebaut. Meist erledigten Bauernburschen die Arbeit. So verdienten sie sich einige Heller hinzu.
Mit der Zeit fanden immer mehr Ausflügler sowohl im Sommer, als auch im Winter den Weg in die nahe Bergwelt. Skifahren wurde „in“, und auch die Damenwelt war zunehmend begeistert. Das sogenannte „schwache Geschlecht“ entdeckte den Bergsport für sich. Bergsteigerstützpunkte wurden nun gebraucht, denn um die Jahrhundertwende wurde die Anreise in die Berge natürlich mit der neumodischen Eisenbahn bewerkstelligt. Hochrieshaus und Brünnsteinhaus entstanden – allerdings in bescheidenem Ausmaß, verglichen mit heute.
Und natürlich lockten große Wände und bekannte Gipfel auch die Rosenheimer Alpinisten.
Namen wie Hans Lobenhoffer (Rupal-Flanke am Nanga Parbat), Werner Käsweber (Hindukusch), Koni Hollerieth (erste Winterbegehung Watzmann Ostwand), Franz-Xaver Kummer, Schorsch Mitterer, Jörg Lehne und Sigi Löw (erste Durchsteigung der Großen Zinne Nordwand; Winterbegehung der Eiger Nordwand), Georg Haider (Eiger Nordwand, Erstbegehungen Wilder Kaiser), Werner Karl (wichtige Erstbesteigungen in den Anden Südamerikas), Peter Keill (Autor zahlreicher Skitourenführer) sowie Anderl Loferer und Karl Horn (Besteigung des 8156 Meter hohen Manaslu) waren echte Asse zu ihrer Zeit und trugen den Namen des DAV-Rosenheim weit in die Welt hinaus.
Im Laufe der Zeit hat sich auch in der Sektion viel getan, die Entwicklungen sind in verschiedene Richtungen weitergegangen: Indoor-Klettern, Speedklettern, Slack-Linen, Eisfallklettern, Schneeschuhwandern: Trendige Bergsportarten für junge und jung gebliebene Bergsportler kamen hinzu. Aber auch das Angebot für ältere Bergwanderer wurde erweitert; manches hat sich ganz aufgehört. So wird von vielen Bergfans nicht mehr jedes niederschwellige Angebot in Berghütten mit Matratzenlager akzeptiert. Der Wunsch nach mehr Komfort und Bequemlichkeit ist beim Hüttengast deutlich gestiegen.
In den Fokus der DAVler ist der Umweltgedanke gerückt. Energiegewinnung durch Solaranlagen, Vermeidung von Müll am Berg: Nur zwei Themen, die inzwischen breiten Raum einnehmen.
Groß wird bei der DAV-Sektion Rosenheim die Förderung der Jugend geschrieben. Viele junge Menschen finden wieder Zugang zum Bergsport – auch dank etlicher Jugendleiter. „Raus aus der Komfortzone“, „im Sport über sich hinauswachsen“, „es ist cool, hier dabei zu sein“. Das sagen diese jungen Leute im Alter von 18 bis 30 Jahren. Sie sind bereit, Verantwortung für Jüngere zu übernehmen und sie an verschiedene Bergsportarten heranzuführen.
Leon ist 18 Jahre jung und auf der Trick-Line zu Hause. Sein Bruder Jan (22) bevorzugt die Long-Line: Ein 25 Millimeter schmales Band, aufgespannt zwischen zwei Enden. Abstand: 150 Meter, mindestens. Und dann barfuß drüber. Die beiden sind richtig gut in ihrer Disziplin, Leon hat schon beim Weltcup in München den Sieg für Amateure eingesackt. Die Mitbewerber, denn „Gegner“ oder „Konkurrenten“ gibt es hier nicht, sind international: Jugendliche aus Israel oder Brasilien kommen beim Sport zusammen.
Rosenheim ist inzwischen zu einem Mekka für Slackliner geworden. Wer Lust hat, es einmal selbst zu probieren, kann sich melden unter slacktreff@dav-rosenheim.de Übrigens: Jan und Leon sind beim Hitzefrei-Festival dabei! Natürlich auf der Slackline!
Und überhaupt: Wer sich für den Rosenheimer Alpenverein und sein riesiges Programm interessiert: Die Geschäftsstelle ist unter Telefon 08031/233452 zu erreichen. Mehr unter www.dav-rosenheim.de. ske