Die Gütegemeinschaft Buskomfort (gbk) ist ein Verband mit Sitz in Böblingen, dem bundesweit rund 500 qualitätsbewusste Busreiseveranstalter angehören. Seit mehr als 40 Jahren klassifiziert die gbk hochwertige Reisebusse auf der Grundlage von Kriterien, deren Einhaltung regelmäßig durch unabhängige Prüfer überwacht werden, mit dem Gütezeichen RAL Buskomfort. Hermann Meyering ist seit 2011 Vorsitzender der gbk.
Gerade bei längeren Fahrten spielt Komfort eine große Rolle. Wie erkenne ich seriöse Anbieter? Mit welchen Annehmlichkeiten darf ich rechnen?
Das Gütezeichen RAL Buskomfort garantiert Mindeststandards, deren Einhaltung regelmäßig von unabhängigen Prüforganisationen wie TÜV oder DEKRA kontrolliert werden. An diesen Sternen erkennt der Verbraucher moderne Qualitätsbusse, die neben einer großzügigen Beinfreiheit und verstellbaren Rückenlehnen einen hohen Reisekomfort mit Klimaanlage, Leselampe und Waschraum bieten. Rund zwei Drittel aller Reisebusse, die von der Gütegemeinschaft Buskomfort (gbk) klassifiziert werden, tragen vier Sterne. In diesen Fahrzeugen sorgen auch Fußstützen für entspannte Reiseerlebnisse. Im Fünf-Sterne-Bus sind diese Stützen in Höhe und Tiefe verstellbar. Und die Tische bleiben in dieser Luxus-Klasse unabhängig von der Neigung der Rückenlehne in waagerechter Position. Alle Informationen finden Reisegäste auch nochmals kompakt auf der gbk-Homepage www.buskomfort.de.
Was kann ich tun, um meine Verpflegung sicherzustellen? Kann ich mit einer Bordküche rechnen und gibt es regelmäßige Stopps? Oder sollte ich selbst Getränke und Snacks einpacken?
Komfortable Busse sind neben einem Kühlschrank und einer Kaffeemaschine auch mit einem Raum für die Bordverpflegung ausgestattet. Dort ist entweder ein Würstchensieder, ein Heißluftofen oder ein Mikrowellenherd eingebaut. Ein Bordfrühstück zu Beginn der Reise ist bei renommierten Busunternehmern längst Standard. Manche Busreiseveranstalter verwöhnen ihre Gäste an Bord mit ansprechenden Menüs, die sie aus einer vielseitigen Speisekarte auswählen können und die ihnen von charmanten Reiseleiterinnen serviert werden. Im Fernlinienbus können sich die Gäste meist am Automaten mit Snacks sowie mit heißen und kalten Getränken versorgen. Zudem legen die Busse regelmäßig einen Stopp an einer Autobahnraststätte oder anderen gastronomischen Einrichtungen ein. Nach einer Fahrzeit von viereinhalb Stunden ist eine Pause von mindestens 45 Minuten gesetzlich vorgeschrieben. In der Regel machen die Chauffeure jedoch alle zwei Stunden eine Pause. Die Kataloge der Veranstalter informieren auch über das kulinarische Angebot während der Busreise. Wer sich vegetarisch oder vegan ernähren will oder auf bestimmte Lebensmittel allergisch reagiert, sollte sich auf jeden Fall vor Beginn der Reise erkundigen, welche Speisen an Bord angeboten werden.
Lenkzeiten sind ja ein großes Thema. Wie kann ich sichergehen, einen geschulten Chauffeur am Lenker zu haben?
Die Unfallzahlen des Statistischen Bundesamtes belegen, dass der Bus zu den sichersten Verkehrsmitteln gehört. Neben der modernen Technik in den Fahrzeugen resultiert dieser hohe Sicherheitsstandard vor allem auch aus dem hohen Qualifikationsniveau der Chauffeure. Denn zusätzlich zu einer umfassenden Grundausbildung fordert der Gesetzgeber den regelmäßigen Besuch von theoretischen Seminaren und praktischen Sicherheitstrainings. Die Chauffeure üben dabei Brems- und Ausweichmanöver auf nassen oder vereisten Fahrbahnen und werden so für brenzlige Situationen im Straßenverkehr fit gemacht.
Im Rahmen von Polizeikontrollen wird die Einhaltung der Lenk- und Ruhezeiten regelmäßig kontrolliert. Dabei analysieren die Beamten die Daten des digitalen Fahrtenschreibers. Der Chauffeur darf täglich maximal neun Stunden am Steuer sitzen, zweimal in der Woche eine Stunde länger. Deshalb muss bei langen Reisen auf jeden Fall ein zweiter Fahrer eingesetzt werden.
Wenn die Zeit knapp ist, ist ein Bus-Flugticket eine schöne Alternative. Wie sieht es mit Komfort und Sicherheit bei Kooperationen mit ausländischen Unternehmen aus?
Bus-Flug-Kombinationen sind im Trend. Die Busunternehmer, die solche Reisen anbieten, sind im Ausland oft mit ihren eigenen oder vergleichbaren Fahrzeugen unterwegs. Wer dieses Angebot bucht, kann also im Ausland den gleichen Komfort- und Sicherheitsstandard erwarten wie in Deutschland.
Ich plane eine Fahrradtour und möchte mit dem Bus ans Ziel. Worauf soll ich achten?
In den Katalogen der Busunternehmer findet sich ein breites Angebot an Radreisen. Neben sportlichen Strecken für trainierte Radler gibt es auch gemütliche Genusstouren. Bei diesen Programmen ist auch für Übernachtung, Verpflegung und ein kulturelles Begleitprogramm gesorgt. Auch die Pannenhilfe mit Ersatzteilen und einem technisch versierten Reisebegleiter gehört zum Service. Die Fahrräder oder E-Bikes werden entweder vor Ort zur Verfügung gestellt, oder die Gäste können ihre eigenen Räder im Anhänger transportieren.
Haben Sie Tipps für ältere Reisende, die auf eine barrierefreie Umgebung oder auf medizinische Betreuung angewiesen sind?
Senioren sind die wichtigste Zielgruppe der Bustouristik. Rund 60 Prozent der Bustouristen gehören zur Generation 60plus. Deshalb verfügt die Branche über viel Erfahrung im Umgang mit älteren Menschen und ihren Bedürfnissen. Einige Busunternehmer bieten spezielle Seniorenreisen an. Dabei arbeiten sie mit barrierefreien Hotels zusammen. Dauer und Inhalt des Reiseprogramms berücksichtigen die Leistungsfähigkeit betagter Urlauber. Deshalb werden ihnen häufige Wechsel der Unterkünfte erspart. Statt anstrengender Wanderungen werden erholsame Spaziergänge mit zahlreichen Pausen eingeplant. Und geschulte Reiseleiter stehen den Senioren permanent als Ansprechpartner zur Verfügung. Sie können deshalb schnell reagieren, wenn eine medizinische Betreuung erforderlich wird.
Wie sieht es bei Gruppenreisen aus? Zum Beispiel für Kinder?
Klassenfahrten mit dem Bus sind bei Schülern, Eltern und Pädagogen sehr beliebt. Ob für Tagesausflüge in nahe gelegene Museen, längere Reisen in das Schullandheim oder Abschlussfahrten ins Ausland: Für jeden Zweck lässt sich das passende Fahrzeug finden. Busse sind flexibel einsetzbar und eignen sich deshalb besonders gut zur Umsetzung schulischer Ausflugsprogramme.
Wichtig ist, dass die Klassenfahrt rechtzeitig geplant und organisiert wird. Dabei sollte frühzeitig die Frage geklärt werden, welches pädagogische Ziel mit der Klassenfahrt erreicht werden soll. Und bei Schülern im Jugendalter sollten schon vor Beginn der Reise klare Spielregeln für den Umgang mit Alkohol und Tabak festgelegt werden.
Busunternehmer sind Reiseprofis und beraten die Schulen gerne bei der Planung ihrer Ausflüge. Busreiseveranstalter kennen nicht nur pädagogisch wertvolle Ziele. Sie wissen auch, welche versicherungstechnischen Punkte geklärt werden müssen. Und wenn die komplette Klassenfahrt beim Busunternehmer gebucht wird, übernimmt er auch das Veranstaltungsrisiko. Auf www.klassefaehrtklasse.de finden Schüler, Eltern und Lehrer viele Tipps rund um die Klassenfahrt mit dem Bus.
Neben Klassenfahrten bieten Busreiseveranstalter in ihren Katalogen auch Ausflüge zu Erlebnisparks an, die bei Kindern sehr beliebt sind. In der Regel machen Kinder solche Reisen zusammen mit ihren Eltern oder Großeltern. Für die Kinder wird dann meist ein ermäßigter Preis abgerechnet.
Bietet der Busbetreiber WLAN an? Wenn ja, auch im Ausland? Welche Gebühren fallen im Ausland an? Und gibt es im Bus überhaupt genügend Steckdosen?
Die Bustouristik reagiert auf den Trend zur mobilen Kommunikation. Kostenloses WLAN und Lademöglichkeiten für mobile Endgeräte werden vom Kunden inzwischen vorausgesetzt. Die Busbranche hat dafür früh die technische Infrastruktur bereitgestellt und arbeitet kontinuierlich an ihrer Verbesserung. Auch im Ausland kann der Reisegast seine mobilen Endgeräte im Bus kostenlos nutzen. Und Fünf-Sterne-Busse, die neu zugelassen werden, müssen pro Doppelsitzreihe mindestens mit einer Steckdose ausgestattet sein.
Was sollte in den Gepäckraum? Was kann ins Innere des Busses?
Die Koffer werden vom Chauffeur und den Reiseleitern im Gepäckraum verstaut. Das Handgepäck kann im Fahrgastraum in der Ablage über den Sitzen deponiert werden. Was der Gast während der Fahrt benötigt, etwa Medikamente, Kamera, Bargeld, Handy oder Lektüre, gehört deshalb in das Handgepäck. Ein Koffer und eine Reisetasche pro Person können in den Gepäckräumen problemlos verstaut werden. Wer weitere Gegenstände wie ein Surfbrett mitnehmen will, sollte sich vor Beginn der Reise erkundigen, ob das möglich ist – und wenn ja, zu welchen finanziellen Konditionen. In der Regel müssen solche zusätzlichen Gepäckstücke angemeldet werden. Jeder Reisegast ist auch selber dafür verantwortlich, sein Reisegepäck so zu verpacken, das es nicht beschädigt wird.
Sehr geehrter Herr Meyering, wir danken für das Gespräch!