Spaß und Fitness statt strenger Regeln

von Redaktion

Früher war der Besuch einer Tanzschule fast ein gesellschaftliches Muss. Heutzutage stehen statt strenger Regeln Spaß und Fitness an oberster Stelle. Im Gespräch mit den OVB-Heimatzeitungen erzählt Hermann Gasser von Hermanns’ Tanzpalast, was sich in den vergangenen 20 Jahren verändert hat und was eine Tanzschule heute bieten muss, um erfolgreich zu sein.

Noch vor 20 Jahren war eine Tanzschule auch eine Art Single-Börse. Speziell die Jugend nutzte diese Chance zum Kennenlernen. Ist das immer noch so?

Früher war eine Tanzschule für viele Jugendliche tatsächlich die einzige Möglichkeit, ihrem Elternhaus zu entkommen und Kontakte zum anderen Geschlecht zu knüpfen. Das hat sich mittlerweile grundlegend geändert.

Wer besucht denn heutzutage eine Tanzschule?

90 Prozent meiner Kunden sind mittlerweile Erwachsene, die meisten im Alter zwischen 40 und 60 Jahren.

Die Kinder sind aus dem Haus und sie haben wieder Zeit, etwas für sich selbst zu tun und zusammen mit dem Partner.

Die Frauen genießen es, ihren Mann mal wieder ganz für sich zu haben und den Männern gefällt es, dass sie mal wieder die Führung übernehmen dürfen.

Und die Jugend hat keine Lust mehr zum kultivierten Tanzen?

Hat sie schon, aber sie hat kaum noch Zeit für Hobbys. Die Jugendlichen sind durch Schule, Computer und Smartphone leider völlig überbelastet.

Also erreicht man diese Generation als Tanzschule überhaupt nicht mehr?

Doch, man darf nur nicht darauf warten, dass die Jugendlichen zur Tanzschule kommen. Stattdessen muss man aktiv auf die Jugend zugehen, beispielsweise dadurch, dass man ihnen die Art von Tanzen bietet, die gerade angesagt ist. Vor einigen Jahren war das Video-Clipdance. Jetzt ist es Hip-Hop. Außerdem biete ich Tanzkurse an den Schulen an, etwa kurz vor den Abschlussbällen.

Sind Standard-Tänze überhaupt noch gefragt?

Sie liegen aktuell sogar wieder im Trend, nicht zuletzt durch die diversen Tanzshows im Fernsehen.

Welche Tänze sind derzeit besonders angesagt?

Gerne getanzt werden momentan Salsa, Bachata, West Coast Swing und Kizomba. Nach wie vor beliebt ist aber auch der Cha Cha Cha.

Welcher Tanz ist eher unbeliebt?

Der Slowfox. Weil er so langsam ist, kommt es auf ein besonders gutes Rhythmusgefühl an. Dieses über längere Zeit zu halten, ist für die meisten Hobby-Tänzer ein Problem.

Kann sich eine Tanzschule überhaupt an dem orientieren, was in den Tanzshows gezeigt wird?

Nein, das ist als würde man ein Autorennen mit dem normalen Straßenverkehr vergleichen. Wenn ein Tanz mit Hebefiguren und ähnlichen akrobatischen Übungen überladen wird, ist das meiner Meinung nach sowieso mehr Zirkus. Eigentlich sollte es beim Tanzen darauf ankommen, dass Musik und Bewegung eine Einheit bilden.

Wenn man das Tanzen jetzt mal rein sportlich betrachtet, worin liegen dann die Vorteile?

Tanzen hält Körper und Geist fit. Wissenschaftlichen Studien zufolge reicht bereits eine Stunde Tanz pro Woche, um den Rücken und das Herz-Kreislauf-System zu stärken. Muskeln werden gekräftigt, die Gelenke geschont. Tanzen fördert Ausdauer, Koordination, Konzentration und Balance.

Das Lernen der verschiedenen Schrittkombinationen fordert und fördert außerdem das Gedächtnis. Selbst die Psyche profitiert: Tanzen macht Spaß und gute Laune.

Das Interview führte

Karin Wunsam

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