Bewähren sich: Ambulant betreute Wohngemeinschaften

von Redaktion

Für viele pflegebedürftige Menschen kommt der Tag, an dem sie in ihrer gewohnten Lebensumgebung nicht mehr gut versorgt werden können. Häufig liegt es an der Wohnungsarchitektur: Enge Bäder, Treppen, kleine Türausschnitte und andere Barrieren schränken die Mobilität der Betroffenen derart ein, dass die Lebensqualität unzumutbar absinkt. Häufiger kommt es vor, dass die verfügbaren ambulanten Angebote nicht mehr ausreichen, um zu Hause eine sichere Pflege zu gewährleisten. In der Regel entschließen sich die Betroffenen dazu, sich in die Obhut einer stationären Einrichtung zu begeben.

Ambulante Pflegedienste entwickeln vermehrt Konzepte, die eine umfassende, bis zum Ende bedarfsgerechte Versorgung im eigenen Zuhause sicherstellen sollen. Ein Lösungsansatz sieht vor, dass Menschen mit Hilfebedarf in Wohngemeinschaften zusammenziehen. Die Gemeinschaft bündelt ihre individuellen Leistungsansprüche aus der Pflegeversicherung und finanziert gemeinsam die notwendigen Dienste. „Die Gestaltungskompetenz in allen Bereichen des täglichen Lebens bleibt bei den Bewohnern oder deren gesetzlichen Betreuern – auch die Wahl des Pflegedienstes. Diese Position sichert Selbstbestimmtheit und verhindert Abhängigkeit“, erklärt Beate Hoyer-Radtke, Geschäftsführerin der Nachbarschaftshilfe Rosenheim.

Die Nachbarschaftshilfe Rosenheim ist seit 2014 der mit der Versorgung der Bewohner beauftragte Pflegedienst in den Rothenfußer-Wohngemeinschaften. Die Bewohner, die hier leben, sind an Demenz erkrankt. Diese Menschen profitieren besonders davon, dass sie an allen normalen Aktivitäten der gemeinsamen Haushaltsführung unmittelbar beteiligt sind, einige als Mitwirkende, andere als interessierte Zuschauer. Gerüche, Geräusche, Gespräche und Handlungen bieten ständige Orientierung im Tagesverlauf und lassen ein „Hier-bin-ich-daheim-Gefühl“ entstehen.

Pflegedienste in der Region, etwa das Christliche Sozialwerk Flintsbach-Brannenburg, sind interessiert an der Initiierung einer ähnlich gestalteten Wohnform. „Uns hat die entspannte Selbstverständlichkeit, mit der diese verletzlichen Menschen zusammenleben, imponiert“, so der Eindruck von Pflegedienstleiterin Monika Kaiser-Fehling.

Die ambulant betreute WG ist eine Wohnform mit Zukunft, davon sind viele Fachleute überzeugt. Regionale Bauträger sehen in der Bereitstellung geeigneten Wohnraums ein ernstzunehmendes Nischenprodukt für Investoren. Unter den Bestandsimmobilien sind es stillgelegte Gasthöfe, die durch Größe und Struktur der Gebäude für diese Wohnform passen könnten. Auch der traditionelle Bauernhof bietet Möglichkeiten, beispielsweise durch partielle Selbstversorgung und die daraus erwachsenden Aufgaben in Stall und Garten. Zu diesem Themenfeld findet am 15. März in Köln der Fachkongress „Bauernhöfe als Orte für Ältere und für Menschen mit Demenz“ statt.

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