Nahezu alle Marken aus der sportlichen Champions League bereiten sich mit „Vollgas“ auf die Elektro-Ära von morgen vor. Seit Tesla-Chef Elon Musk vollmundig den Bau eines batteriebetriebenen Roadsters mit unglaublichen Fahrleistungen für 2020 versprochen hat, bekommen die Elektrifizierungspläne in der Traumwagen-Branche noch mehr Dynamik.
Zum Beispiel bei Porsche: Dort verkündete Oliver Blume, Chef des Stuttgarter Sportwagenproduzenten, seine Investitionen in die Elektromobilität in den kommenden fünf Jahren auf sechs Milliarden Euro zu verdoppeln. Die Hälfte der Summe ist für Entwicklungsarbeiten bestimmt. Die hatten bei Porsche für den Elektroantrieb so richtig ernsthaft mit dem Projekt Mission E vor zweieinhalb Jahren begonnen. Jetzt geht es in die Vollen, will sagen: in die Vollelektrik. Sogar die Porsche-Ikone 911, die Ende dieses oder Anfang kommenden Jahres zur Renovierung ansteht, dürfte zumindest schrittweise unter Spannung gesetzt werden. Die Muttergesellschaft Volkswagen AG plant mit einer 20 Milliarden Euro schweren Initiative, elektrische Varianten aller 300 Modelle der Zwölf-Marken-Gruppe auf die Räder zu stellen.
E-Mobilität aus Italien und Großbritannien
Ausgerechnet Ferrari-Chef Sergio Marchionne, der noch vor zwei Jahren die Idee eines Elektro-Ferrari aus Maranello als „Obszönität“ bezeichnet hatte, machte jüngst während der North American International Auto Show in Detroit eine Kehrtwende. „Wenn jemand einen elektrischen Supersportwagen bauen soll, dann wird Ferrari der Erste sein.“
Weit konkreter sind im britischen Gaydon, zwei Autostunden nordwestlich von London, die Arbeiten von Aston Martin an einem Stromer. Schon im kommenden Jahr soll der auf 155 Exemplare limitierte Rapid E an ausgewählte und gleichzeitig zahlungskräftige Kunden zum Stückpreis von umgerechnet 210000 Euro gehen. Laut Aston Martin-Chef Andy Palmer könnte er aber auch noch etwas teurer werden. Palmer ist ebenso wie sein Kollege Marchionne davon überzeugt, Tesla Paroli bieten zu können: „Wir spielen in einer ganz anderen Liga. Unsere Kunden legen vor allem Wert auf Exklusivität, Komfort und Luxus. Da kommt Tesla nicht ran.“
Konkurrent McLaren aus dem knapp zwei Autostunden entfernten Woking schrieb Elektrizität als Treibstoff bislang klein. Das britische Magazin „Autocar“ will erfahren haben, dass der McLaren 570S, das Basis-Modell der Marke zum Mindestpreis von 181750 Euro, in seiner nächsten Generation einen elektrifizierten Antriebsstrang erhalten werde. Danach sei jeder Nachfolger der aktuellen McLaren-Kernmodelle auch in einer Hybrid-Version bestellbar.
Wenn auch die Supersportwagen-Spezialisten sich mehr und mehr mit elektrischer Energie zum Antrieb auseinandersetzen – allein schon deshalb um ihren Flottenverbrauch auf ein erträgliches Maß zurückzuschrauben – bedeutet das keineswegs, dass der Verbrennungsmotor in den Hintergrund tritt. Das bestätigt auch Porsche-Chef Oliver Blume: „Wir haben viele Ideen. Einige leiten wir vom Mission E ab, aber es kann auch weitere, ganz eigenständige elektrische Fahrzeuge geben.“ Aber, so bekräftigt er, das Ende der Verbrenner sei noch nicht gekommen. ampnet/hrr