Eine offene Küche ist in Neubauten mittlerweile Standard. Doch was ist mit den anderen Räumen im Haus? Ist die Größe des Badezimmers noch angemessen? Braucht man große Kinderzimmer oder besser einen großen Esstisch? Das Innenleben der Wohnhäuser verändert sich zunehmend: Die Grundrisse sind inzwischen offen. Es gibt kaum noch trennende Wände in modernen Immobilien. Wir zeigen Ihnen ein paar Ideen für künftige Bauherren zur Anpassung Ihres Grundrisses an die neuesten Lebensgewohnheiten und Wohntrends:
Küche und Wohnzimmer sind im Neubau eine Einheit. Möbel- und Gerätehersteller haben das längst erkannt: So wurden Spülmaschinen, Waschmaschinen und Mixer im Laufe der vergangenen Jahrzehnte zunehmend leiser. Die Küchenmöbel müssen im offenen Wohnraum anders werden, genauer gesagt, mit den Möbeln im Wohnraum korrespondieren – am besten sogar aufeinander abgestimmt sein. Statt drei Räume für Essen, Kochen und Wohnen richtet man nun einen einzigen Bereich ein.
Die Funktion des ursprünglichen Wohnzimmers verändert sich dabei immer mehr, sagt Ursula Geismann vom Verband der Deutschen Möbelindustrie. Statt des einen Fernsehers, vor dem sich alle tummeln, gibt es nun flexibel einsetzbare Beamer oder jedes Familienmitglied nutzt einen eigenen Computer oder ein Tablet für den Medienkonsum.
Gerade der Esstisch im großen Wohnraum gilt als Mittelpunkt des Familienlebens. Hier wird gegessen. Hier gibt es Krisengespräche, und hier schlagen auch viele ihr Homeoffice auf. Und hier breiten sich vor allem die Kinder aus. Hier wird gelernt, gebastelt und gespielt.
„Man versucht derzeit, dem Möbel so viel Raum wie möglich einzuräumen, sogar in kleineren Häusern“, berichtet die Trendanalystin Gabriela Kaiser aus Landsberg am Lech. Geismann erkennt sogar eine Entwicklung zu mehr gemeinsamem Wohnraum zulasten zum Beispiel von Kinderzimmern.
Ein Tipp von Johannes Schwörer, Präsident des Bundesverbandes Deutscher Fertigbau: „Ich empfehle, das Haus so zu planen, dass die Zimmeraufteilung der Kinder, wenn sie 13 bis 17 werden, umgestaltet werden kann. Dann brauchen sie mehr Rückzugsmöglichkeiten.“
Lieber ein größeres Badezimmer und dafür ein kleineres Schlafzimmer, dafür plädieren junge Bauherren. Und tatsächlich: Schaut man sich moderne Badezimmer-Werbung an, gleicht das Bad fast einer Wellness-Oase, einem sogenannten Spa. Die freistehende Badewanne, eine Dusche, die Wasserfälle im Regenwald simuliert, daneben die ausfahrbare Minisauna. Gestaltet wird auch zunehmend über Möbel und Accessoires – die zudem nicht mehr wirken, als seien sie klassische Gegenstände für eine Nasszelle.
Die Veränderung geht einher mit einem anderen Blickwinkel auf die Badnutzung. Laut einer Forsa-Studie von 2017 im Auftrag der Vereinigung Deutsche Sanitärwirtschaft halten sich die Deutschen im Durchschnitt täglich 40 Minuten im Bad auf. Man stylt sich ausgiebig und entspannt sich sogar nach Feierabend darin.
„Früher hatte das Badezimmer meist keine Fenster“, beschreibt das Zukunftsinstitut in der Studie „50 Insights – Zukunft des Wohnens“ den Wandel. „Aber in Zukunft wird es nicht nur eines der repräsentativsten Zimmer im Haus sein, sondern es wird sogar eine der besten Aussichten vom Haus aus haben.“
Die Experten würden dem Badezimmer auch mehr Platz im Haus einräumen. In den meisten Häusern sei es aktuell der kleinste Raum, laut Forsa-Umfrage mit durchschnittlich 9,1 Quadratmetern. Das Schlafzimmer hingegen habe mehr Platz und das, obwohl man nur das Bett wirklich nutze, so das Zukunftsinstitut. Es schlägt vor: „Eine Schlafecke würde es auch tun. Was wir brauchen, ist ein großes Badezimmer und ein großer Unterhaltungsbereich, das ist alles.“
Auch die Fitnessgeräte kommen nicht mehr in Keller oder Dachboden, sondern ins vergrößerte Badezimmer. Auf einer Trend-Ausstellung der alle zwei Jahre stattfindenden Sanitärmesse ISH in Frankfurt am Main wurde beispielsweise ein Badezimmer mit Fitnessstudio gezeigt. Neben Badewanne und Waschbecken enthielt dieses auch ein Kneippbecken, ein Laufband, eine Sprossenwand, Hanteln, Ringe und einen Turnkasten. Warum nicht? Alles ist möglich.
S. Mayer/dpa