Polen für Technikbegeisterte

von Redaktion

Ein Science Center und eine unterirdische Bootsstraße warten auf Entdecker

Polen einmal auf eine ganz andere Weise entdecken kann man in Lodsch und Zabrze.

Seit Kurzem können Besucher im zentralpolnischen Lodsch Energieerzeugung, Wissenschaftsgeschichte, Mikro- und Makrokosmos hautnah erleben. Im historischen Elektrizitätswerk EC1 am Bahnhof Fabryczna eröffnete Polens größtes und modernstes Science Center. Der neu gestaltete Hochgeschwindigkeitsbahnhof und das EC1 mit seinen weiteren Kultureinrichtungen sind die Flaggschiffprojekte des Stadtumbaus der drittgrößten polnischen Stadt.

Einmal selbst die Stromproduktion für eine ganze Großstadt steuern. Dieser Traum geht für große und kleine Besucher des Science Centers in Erfüllung. Zumindest virtuell können sie in der restaurierten Schaltzentrale des einstigen Heizkraftwerkes die Energieerzeugung regeln. So können Besucher zum Beispiel das Innenleben eines riesigen Brennofens erkunden oder einer Turbine bei der Arbeit zusehen.

Ausprobieren und mitmachen heißt es auch bei der wissenschaftsgeschichtlichen Ausstellung. Dort können Gäste ebenso uralte Prinzipien der Mechanik und Optik kennenlernen, wie auch hausgemachte Polarlichter erleben, den Wärmeverlust von Objekten sichtbar machen oder mit modernster Technik den Inhalt verdächtiger Koffer durchleuchten.

Bergbau hautnah

Die Welt unter dem Erdboden entdecken kann man in Zabrze, dem Zentrum des Bergbautourismus in Oberschlesien.

Erst im vergangenen Jahr eröffnete dort eine weitere 1,5 Kilometer lange Bergwerkstrasse. Nun soll im späten Frühling mit der unterirdischen Bootsroute die Restaurierung des Hauptschlüssel-Erbstollens abgeschlossen werden. Die Arbeiten an dem ehemaligen Entwässerungsstollen dauern seit 2008 an. Unerwartete bergbauliche Schwierigkeiten führten immer wieder zu Verzögerungen.

Der ab 1799 angelegte Hauptschlüssel-Erbstollen diente der Entwässerung der nahen Königin-Luise-Grube und später auch der Königsgrube im benachbarten Königshütte, dem heutigen Chorzów. Dort befindet sich das Mundloch der historischen Anlage.

Der Einstieg zur neuen Touristentrasse ist in Zabrze an der historischen Waschkaue am Schacht Carnall. Unter der Erde besteht eine Querverbindung zur Königin-Luise-Grube mit dem neu gestalteten unterirdischen Museum der Bergbaumaschinen. Der Endpunkt mit dem unterirdischen Bootsanleger befindet sich unterhalb der Altstadt.

Bei den Arbeiten wurden zahlreiche sehr gut erhaltene Gegenstände gefunden, wie Bergwerksboote aus dem 19. Jahrhundert, hölzerne Stützkonstruktionen, Werkzeuge und eine eiserne Lore.

Eine Ausstellung entlang der unterirdischen Touristentrasse zeigt die Entwicklung des Bergbauwesens in den vergangenen rund 200 Jahren.

Eine Attraktion ist der moderne Pub in der ehemaligen Pumphalle des Bergwerks Guido, 320 Meter unter der Erde. Es gilt als die am tiefsten gelegenen Gaststätte Europas. Ausgeschenkt wird dort das Bier namens „Guido“ aus einer nahe gelegenen Brauerei.

Besucher können die Anlagen im Rahmen von regulären Führungen erleben oder selbst die schweißtreibende Arbeit der Bergleute im Rahmen spezieller Events kennenlernen.re

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