Die Färöer-Inseln: Nur selten richtete sich bisher die Aufmerksamkeit der Europäer auf die kleine Inselgruppe im Nordatlantik. Eine von Fjorden und Meerengen zerfurchte Gebirgslandschaft irgendwo im Dreieck zwischen Schottland, Norwegen und Island, die völkerrechtlich zu Dänemark gehört. Deren Bewohner sich jedoch nach dem Zweiten Weltkrieg erfolgreich einen respektablen Autonomiestatus vom Mutterland erstritten. Mit eigenem Parlament und eigener Regierung.
Überleben in der Gegenwart
An Selbstbewusstsein scheint es den Färingern, so die Bezeichnung der Inselbewohner, demnach nicht zu fehlen. Woher jedoch beziehen sie ihre Stärke, die sie so erfolgreich sein lässt? Mit Bauprojekten wie 19 modernen Tunnels, die trotz mächtiger Felsmassive und allgegenwärtiger Meerengen die 18 Inseln fast lückenlos miteinander verbinden? Oder mit einer beeindruckenden Wirtschaftsleistung, die den Inselbewohnern einen für diese abgelegene Region unerwarteten Wohlstand beschert.
Farmer Joannes Patursson aus dem Örtchen Kirkjuböur meint, die Antwort zu kennen. Er schwört auf die Traditionspflege, die mit ihrem Wissen aus der Vergangenheit das Überleben in der Gegenwart erleichtert. Seit die irischen Mönche die Inselgruppe während ihrer Nordland-Mission entdeckten und die Wikinger sich auf den Inseln als Zwischenstation in Richtung Westen niederließen.
Herbe Schönheit
Lückenlos über 17 Generationen hinweg reicht seine eigene Familientradition bis zurück in das Zeitalter der Reformation. Und nun steht mit einem seiner Söhne bereits die 18. Generation bereit, um das Familienerbe anzutreten. Keine einfache Aufgabe, wo doch die ständigen Herausforderungen der Natur bereits den Vorfahren bei Wind und Wetter stets härtesten Einsatz abverlangten.
Ist es aber nicht gerade die herbe Schönheit dieser von den Naturgewalten zerzausten Insellandschaft, die die Abenteurer aus ihrem gebändigten mitteleuropäischen Umfeld in den hohen Norden zieht?
So locken die schroffen Vogelfelsen in der Meerenge von Vestmanna, wo in den steilen verwitterten Klippen und Klüften rotschnäbelige Papageientaucher aus ihren Nestern heraus bei schrillem Geschrei mit der lautstark anrollenden Brandung konkurrieren.
Steinpyramiden zur Orientierung
Oder vorbei an neugierig dreinblickenden Schafen entlang den zahlreichen Wanderwegen auf den Hauptinseln Eysturoy und Streymoy? Wo kein Ort weiter als fünf Kilometer vom Meer entfernt ist und massive Steinpyramiden entlang der Wegstrecke selbst bei plötzlich auftauchenden Nebelschwaden oder Wolkenfetzen die Orientierung gewährleisten.
Die Inselwelt hat aber auch lieblichen Seiten: Wenn die aufgehende Sonne bei Gjogv die Graslandschaft an den hoch aufragenden Berghängen in einen flauschig grünen Teppich verwandelt. Oder die untergehende Sonne den im Meerwasser versinkenden 300 Meter hohen Steilfelsen von Eidi mit glutrotem Licht zum Leuchten bringt. Auch innerhalb geschlossener Räume kann man den Färöer-Inseln Genussvolles abgewinnen. Vor allem, wenn die gute Inselküche ins Spiel kommt. Musterbeispiel ist der Schoner „Nordlysid“ (Nordlicht) im Hafenbecken von Torshavn. Er steht unter dem Kommando von Kapitän Birgir Enni, einem Multitalent, das sich nicht nur als Maler und Musiker einen Namen gemacht hat, sondern zugleich einen guten Ruf genießt als Taucher, Koch und brillanter Gastgeber.
Regelmäßig holt er vom Meeresgrund herauf, was er für seine kleine aber feine Bordküche benötigt. Von der Muschel bis zum Seeigel, den er nach eigenem Rezept zubereitet und sogar gekrönten Häuptern wie unlängst dem König von Dänemark serviert. Ja, wenn Birgir beim Nachtisch zu erzählen beginnt, denkt niemand so schnell an Aufbruch. Ebenso wenig bei dem Farmerehepaar Anna und Oli Rubeksen in dem kleinen Ort Velbastadur während einer Einladung zum Dinner. Sie zelebrieren es genau so, wie es hierzulande üblich ist, mit Aquavit-Empfang und einem warmen Platz am Kamin. Alles ist fachgerecht vorbereitet, vom Lachsgericht bis zur Hammelkeule. Abschließend ein cremiger Nachtisch mit knusprigen Nussstückchen.
Einfach göttlich, soweit Donnergott Thor eine solche Bezeichnung in seinem Herrschaftsbereich akzeptiert. Kein Wunder, dass die Färinger aus einer solchen Küchenkultur ihre Stärke gewinnen.
Mehr Informationen im örtlichen Reisebüro oder unter www.smyrilline.de, www.visitfaroeislands.com, www.visittorshavn.fo oder www.hotelforoyar.fo. Bernd Kregel