Vierunddreiviertel Jahrhunderte fließend bayrisch

von Redaktion

Große Feste soll man feiern. So auch die Geburtsstunde der in Rosenheim ansässigen Traditionsbrauerei Flötzinger Bräu. Seit 1543 steht die Brauerei für hochwertig gebraute Biere durch echte Handwerkskunst und große Leidenschaft.

27 Jahre nachdem das Bayerische Reinheitsgebot beschlossen wurde, erteilte Herzog Wilhelm IV. von Bayern an den Bräu in der Wiesengasse 153, der heutigen Kaiserstraße, die Braugerechtigkeit. Nach gut 300 durchwachsenen Jahren erwirbt Johann Krichbaumer, der Urgroßvater des heutigen Besitzers Franz Steegmüller II. den gesamten Besitz der Flötzinger Brauerei. Im Jahr 1899 übergibt er die Brauerei seinem Sohn Josef, der als einer der fortschrittlichsten und aktivsten Brauherren seiner Zeit gilt. Um 1900 beginnt der Neubau der Brauerei durch Josef Krichbaumer am Roßacker. Planung und Bau dauern bis ins Jahr 1910. Seit 1912 füllt Flötzinger sein Bier in Flaschen ab. Die Etiketten aus den letzten Jahrzehnten öffnen ein Fenster in die Vergangenheit und sind eine bleibende Erinnerung, denn sie wurden von Franz Steegmüller I. selbst gezeichnet.

Franz Steegmüller I. heiratet Maria Krichbaumer, die Tochter von Josef Krichbaumer. Mit seinem Einstieg beginnt ein neues Kapitel in der Geschichte der Brauerei. Der gelernte Architekt erweist sich als geschickter Kaufmann. Er steigert den Bierausstoß, der durch den Ersten Weltkrieg sehr gelitten hat, und erkennt früh, dass durch den Erwerb von Gaststätten der Absatz gesichert werden kann. Nach dem Krieg investiert Franz Steegmüller I. all seine Mittel in die Brauerei. Eine neue Dampfkesselanlage mit automatischer Feuerung wird angeschafft, die Kühlanlage komplett erneuert, die Gärkeller werden mit modernen Gärbottichen ausgerüstet und in die Lagerkeller kommen neue Tanks. Auch die erste automatische Füllanlage mit 4000 Flaschen je Stunde wird installiert. Damit gehört der Flötzinger Bräu zu den fortschrittlichsten Brauereien der damaligen Zeit. Nach erfolgreichem Braumeister-Studium wird Franz Steegmüller II. im Alter von nur 24 Jahren der Bräu. Unterstützt von seiner Frau Martha, leitet er seit Jahrzehnten die Geschicke der Brauerei. Mit der Errichtung des Rundbaus 1973 am Roßacker folgt der kontinuierliche Ausbau mit neuer Füllerei, Vollguthalle und Ladestraße. Unerwartet verstirbt sein Sohn Franz Steegmüller III. mit nur 49 Jahren. Der Senior-Chef führt weiterhin die Geschäfte der Brauerei, zusammen mit Bräu-Tochter Marisa und Schwiegersohn Andreas. Vom kleinen Bräu hat sich die Brauerei zu einem gesunden Handwerksbetrieb entwickelt, der sich als regionale Privatbrauerei erfolgreich im umkämpften Biermarkt behauptet.

Echte Handwerkskunst

Vom Sud bis zur Abfüllung in die typische Flötzinger-Flasche mit dem rot-gelben Etikett gibt das meisterliche Handwerk den Ton an. Denn der Flötzinger Bräu ist eine der letzten Brauereien Deutschlands, in der das Bierbrauen in erster Linie noch Sache des Menschen ist. Außergewöhnliche Geschmacksereignisse werden hier keinen Maschinen überlassen, sondern Menschen, für die Braukunst ihr Leben ist. Das schätzen und schmecken die Kunden – von der Renaissance bis heute.

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