Sanfte Landschaften. Wollige Schäfchen, die auf üppigen Weiden grasen. Warme Nieselschauer, die von wärmenden Sonnenstrahlen abgelöst werden. Mystische Hügelgräber. Steinkirchen und Rundtürme, die vom Zahn der Zeit kaum angenagt sind. Kunstvoll verzierte keltische Kreuze: Bei einer Reise durch Irland ist von der bewegten Geschichte der umkämpften und überrannten, von Hungersnöten und blutigen Auseinandersetzungen geplagten Insel kaum etwas zu ahnen – außer natürlich an den Informationstafeln zu entsprechenden Bauwerken oder Naturdenkmälern.
Im Gegenteil. Eine Reise ins Land der Fae gleicht einem Sprung mitten in den Tagtraum eines glücklichen Touristikers: Freundliche Menschen, grandiose, abwechslungsreiche Landschaften, interessante historische Kulturstätten und Museen, einladende Pubs – alles wie aus dem Bilderbuch.
Die Geschichte der grünen Insel im Kurzformat hautnah erleben kann man im Irish National Heritage Park im Wexford County. Die Zeitreise auf mehreren Hektar Gelände geht von der Steinzeit bis zum Beginn der anglo-normannischen Besatzung. Vor allem für Kinder ist es toll, einen Eindruck davon zu bekommen, wie die Menschen im mesolithischen Zeitalter lebten, vor rund 4500 Jahren Verstorbene in Steinkistengräbern beigesetzt wurden, durch eine „echte“ Wallburg zu streifen und in der Wikingersiedlung am massiven Holztisch zu sitzen – und das sind nur ein paar der originalgetreu nachgebauten Anlagen zum Staunen und teils auch zum Anfassen im Irish National Heritage Park. Im Sommer sind teilweise Darsteller in historischen Kostümen unterwegs, die das Ganze noch echter wirken lassen.
Besonders geschichtsträchtig und ein Muss für jeden Irlandurlauber ist natürlich ein Besuch von Newgrange: die Grabanlage, die zusammen mit den Anlagen Knowth und Dowth zum Unesco-Weltkulturerbe gehört, ist das Sinnbild des keltischen Irlands. Die Führungen beginnen im Besucherzentrum, von hier aus fahren Busse die Grabhügel an. Touristenführer nehmen die Besucher in Empfang und geleiten auch ins Innere der Grabhügel. In Knowth wird zudem demonstriert, wie das Licht bei Sonnenaufgang am Datum der Tag- und Nachtgleiche bis ins Innere der Grabstätte fällt – ein mystisches Erlebnis. Glückskinder können sich an der Lotterie für einen Platz bei der Wintersonnenwende bewerben: wer ausgelost wird, kann den Einfall des Sonnenlichts persönlich erleben. Mehr Informationen unter www.newgrange.com.
In eine andere, für Irland prägende Zeit versetzt wird, wer nach Glendalough fährt: Das Tal der zwei Seen beherbergt eine christliche Klosteranlage, die vom heiligen Kevin begründet wurde. Der Einsiedler, der berühmt für seine Engelsgeduld und tiefen Meditationen war, suchte in der hügeligen, ruhigen Landschaft Einsamkeit und Stille, um ein gottgefälliges Leben zu führen. Ihm folgten aber so viele Mönche und Einsiedler nach, dass im 12. Jahrhundert bereits sieben Kirchen in der Klostersiedlung existierten. Wer heute das Tal und die Anlage betritt, verspürt deutlich die Ruhe und meditative Stille, die den Mönch angezogen haben müssen. Mehr als einen Spaziergang durch die Ruinen braucht es nicht, um innerlich völlig zu entspannen und loszulassen.
Inmitten eines Jane Austen Romans fühlt sich, wer Russbourough House besichtigt: Das Herrenhaus ist ein Meisterwerk des Architekten Richard Cassels, der es Mitte des 18. Jahrhunderts für den Earl of Milltown baute. Russborough House soll die breiteste Fassade in ganz Irland haben und ist weitgehend im Originalstil erhalten. Die Innenräume beeindrucken durch die reichen Stuckverzierungen von den Brüdern Francini. Überwältigend ist die Gemäldesammlung im original eingerichteten Herrenhauses – das der Kunstwerke wegen Ziel mehrerer schwerer Einbrüche war. Wunderschön ist auch die Parkanlage: Hier sind überall kleine Häuschen eingerichtet, um die Fae und Leprechauns gnädig zu stimmen. Informationen gibt es unter www.russboroughhouse.ie.
Zurück in der Gegenwart macht man am besten Halt in einem der typischen irischen Pubs, in denen es neben deftigem Essen würziges Ale, die neuesten Sportnachrichten mit der Möglichkeit zum Wetten und irische Geselligkeit zu erleben gibt – die hat sich über all die Jahrhunderte wohl nie verändert.