Mit über 50 Jahren ist es nicht leicht, sich beruflich noch einmal neu zu orientieren. Carmen F. * hat es geschafft. Sie spricht über ihre Erfahrungen und möchte damit andere ältere Arbeitslose ermutigen.
„Da ich über 50 bin, war mein vermeintlich größtes Hindernis bei der Arbeitssuche das Alter. Diese allgemeine Ansicht kann ich glücklicherweise nicht bestätigen! Im gesamten Bewerbungsverfahren war mein Alter nie Thema. Was mich jetzt, nachdem es mit der Arbeitsaufnahme geklappt hat, in der Ansicht bestätig, dass es letztendlich sehr auf einen selbst ankommt. Darauf wie flexibel man ist, wie offen dafür Neues zu lernen“, so Carmen F., studierte Innenarchitektin über ihre Erfahrungen bei der Stellensuche. Sie ergänzt: „Ich habe immer gearbeitet und darauf geachtet mich persönlich wie beruflich weiter zu entwickeln und dazu zu lernen, beweglich und begeisterungsfähig zu bleiben, in jeder Hinsicht. All das, denke ich, trägt zur Ausstrahlung und beruflichen sowie sozialen Kompetenz eines Menschen bei. Und das honorieren die Personalchefs.“
Dies kann ihre zuständige Akademikervermittlerin bei der Rosenheimer Arbeitsagentur nur bestätigen: „Carmen F. hat sich bei der Agentur für Arbeit in Rosenheim arbeitslos gemeldet. Wir haben uns immer wieder getroffen und haben die Vorgehensweise bei der Stellensuche besprochen. Dabei hat unsere Kundin sehr viel Ei-geninitiative entwickelt, um wieder in Arbeit zu kommen.“
Beide berichten über die Erfahrungen aus diesen Bewerbungsverfahren. Das Feedback auf die schriftlichen oder per E-Mail verschickten Bewerbungen sei sehr positiv gewesen, was dazu geführt habe, dass einige Einladungen zu Vorstellungsgesprächen gekommen sind. „Wichtig war immer die Vorarbeit. Ich habe viele Bemühungen in eine Bewerbung investiert, die sich gestalterisch und inhaltlich abhebt. Diese habe ich auch noch final prüfen lassen. Auch die Vorbereitung auf das Vorstellungsgespräch halte ich für sehr wichtig. Das Sammeln der Informationen über das Unternehmen, berufliche Informationen über den Gesprächspartner und so weiter“, so Carmen F. und ihre Arbeitsvermittlerin Sabine Mehlhart.
Wenn die Innenarchitektin ihren beruflichen Werdegang Revue passieren lässt, wechseln Zeiten der Selbstständigkeit mit beitragspflichtigen Beschäftigungszeiten als Einrichtungsberaterin und Außendienstmitarbeiterin. Carmen F. zu ihrer – nicht ganz gewöhnlichen – Vita: „Ich betrachte diese unterschiedlichen Zeiten nicht als voneinander isolierte Abschnitte. Für Akademiker ist die „Existenzgründung“ immer eine Option, allerdings finde ich es sehr wichtig, dass man neben einem belastbaren Konzept, das den Anforderungen des Marktes standhalten kann, auch die persönlichen und familiären/sozialen Voraussetzungen prüft. Will heißen: Kann man sich selbst motivieren, wenn es mal nicht so gut läuft? Verfügt man über ein Netzwerk, beziehungsweise ist man bereit auch hierfür Zeit zu investieren? Wenn alle Punkte abgeklärt sind, dann sehe ich die Selbstständigkeit als Chance, beruflich voran zu kommen. Letztendlich haben die Jahre meiner Selbstständigkeit in vielerlei Hinsicht den Grundstein für meine jetzige Arbeit im Vertrieb gelegt.“
Die Akademikervermittlerin möchte mit diesem Beispiel Firmenchefs und Personalverantwortlichen aufzeigen, dass vermeintliche Brüche im Lebenslauf auch ihre guten Seiten haben können. „Jede/Jeder Arbeitslose hat seine ganz persönliche „Geschichte“, die bei der Bewerbung und der Stellensuche berücksichtigt werden muss. Wir klären die Chancen für einen beruflichen Neustart und können im Rahmen einer beruflichen Qualifizierung Defizite ausgleichen und einen Bildungsgutschein aushändigen.
Bei Carmen F. kristallisierte sich heraus, dass es sinnvoll wäre, ihre Englischkenntnisse aufzufrischen.“ Die Innenarchitektin ergänzt: „Wir haben auf Basis der vorliegenden Jobangebote gemeinsam eine Strategie ausgearbeitet. Es zeigte sich ganz klar, dass alle Voraussetzungen erfüllt waren, bis auf die geforderten Englischkenntnisse. Diese „Lücke“ wurde durch den Englischkurs geschlossen und führte sehr schnell zu einer Jobzusage.
Um die praktische Umsetzung, wie einen Einstufungstest, Anmeldung und so weiter kümmerte ich mich selber.“
*Name von der Redaktion geändert