von Redaktion

Der Ort Gstadt – erste urkundliche Erwähnung 1168 – und seine Flur waren Urbesitz der Abtei Frauenchiemsee, die hier seit der Verleihung der Hofmarksgerechtigkeit an das Kloster die Niedergerichtsbarkeit ausübte.

Praktisch bildete die Hofmark Gstadt, zu der neben dem Dorf Gstadt noch die Einöde Aisching gehörte, einen untrennbaren Bestandteil der eigentlichen Klosterhofmark Frauenchiemsee, die außer der Fraueninsel noch die Krautinsel umfasste.

Die Hofmark wurde im Zuge der Säkularisation 1803 aufgelöst. Nach der Auflösung kamen Gstadt und Gollenshausen an das Landgericht Trostberg. Dies war die Geburtsstunde für bayerische Gemeinden, damals Rual-Gemeinden genannt, mit einem Gemeindevorsteher an der Spitze.

Mit dem Erlass der Bayerischen Gemeindeordnung vom 29.04.1869 wurde den Gemeinden grundsätzlich das Recht zur Selbstverwaltung in gemeindlichen Angelegenheiten unter Mitwirkung der Bürger eingeräumt.

Anstelle des Gemeindevorstehers und des Gemeindeausschusses traten nun der Bürgermeister und die Gemeinderäte.

Im Jahre 1978 kam es durch die Gemeindegebietsreform zur Gründung einer Verwaltungsgemeinschaft, der Gemeinden Eggstätt, Breitbrunn, Chiemsee und Gstadt angehörten. Der aber heute nur mehr die Gemeinden Breitbrunn, Chiemsee und Gstadt angehören.

„Künstlerdorf Gstadt“

Der Chiemsee mit seinen malerischen Inseln und Dörfern war seit jeher Anziehungspunkt für viele Künstler. Gerade von Gstadt aus, mit dem traumhaften Blick auf die Fraueninsel und die Berge im Hintergrund, zeigen sich Motive von ihrer schönsten Seite. Deshalb ist es auch nicht verwunderlich, dass gerade hier mehr Künstler als in jedem anderen Dorf verweilten und so auch den Ort schon sehr früh bekannt machten.

Die ersten touristischen Gäste kamen zu Beginn des 19. Jahrhunderts mit der Postkutsche von München und gingen das letzte Stück von Weisham bis nach Gstadt zu Fuß. Vor allem Kunstmaler der Münchner Schule, wie Max Haushofer, hatten ihre „Sommerfrische“ entdeckt, aber auch Dichter und Schriftsteller wie Felix Dahn oder Eugen Ortner.

Durch die Jahrhunderte blieben Gstadt, Gollenshausen und vor allem die 15 Weiler, die heute zum Gemeindegebiet gehören, der Landwirtschaft treu und die Ansiedlung größerer Industriebetriebe konnte vermieden werden – und so soll es auch bleiben.

Lebendiges Brauchtum

Das Vereinsleben in der Gemeinde Gstadt ist sehr vielfältig, so gibt es Vereine des Ortsteils Gstadt wie zum Beispiel die „Freiwillige Feuerwehr Gstadt“ oder den „Gstadter Eisschützenverein“, und in Gollenshausen zum Beispiel die „Soldaten- und Kriegerkameradschaft Gollenshausen“, die „Schützengilde Gollenshausen“ oder den „Feuerwehrverein Gollenshausen“.

Manche Vereine haben ihren Sitz auch in der Nachbargemeinde Breitbrunn, wie zum Beispiel der „Gebirgstrachtenerhaltungsverein D’Chiemseer“ oder der „Männergesangverein Breitbrunn-Gstadt“. Das kommt ursprünglich daher, weil die Traditionsvereine nicht nach den Gemeindebereichen, sondern nach dem Pfarrsprengel gebildet wurden. Gollenshausen hat eine eigene Pfarrei und daher ein fast selbstständiges Vereinswesen, der Ortsteil Gstadt gehört zur Pfarrei Breitbrunn, deshalb bildeten Gstadt und Breitbrunn häufig einen gemeinsamen Verein.

Naturpark Hofanger

Am Ortsausgang von Gstadt in Richtung Gollenshausen, dem kleineren der beiden Ortsteile, liegt der Hofanger direkt am Chiemsee-Ufer gegenüber der Fraueninsel.

Die Bezeichnung Hofanger kommt von „Hopfenanger“, da auf diesem Gelände früher Hopfen angebaut wurde. Hier ist im Frühjahr 2008 ein kleiner Naturpark mit Kräutergarten, Rosenbeeten und verschiedenen Erholungs-, Spiel und Informationsmöglichkeiten entstanden. Hier zu sitzen, den Blick über den See, die Insel sowie die Berge zu genießen, ist einfach einzigartig.

Sonne, See und Spaß

Segelboote fast jeder Klasse, Elektro-, Tretboote und zünftige Ruderkähne warten am Ufer von Gstadt auf auf ihre „Leihkapitäne“. Vom Ganszipfel bis zur Katzfischbucht stehen den Besuchern und Gästen zwei Bootshäfen, drei Strandbäder und dazwischen private Badeplätze der Pensionen und Bootsverleihe zum Badespaß und Wassersport zur Verfügung. Auch für die kleinsten Wasserfrösche ist das Baden ungefährlich, denn es geht beinahe überall flach ins Wasser.

Segel- und Surfkurse für jedes Alter und Können bieten die Surfschule in Gstadt sowie die Chiemsee-Yachtschule in Gollenshausen an. Auch Kiten wird am Chiemsee in den letzten Jahren immer beliebter. Allerdings machen unbeständige Wetterbedingungen eine verlässliche Kitekursplanung so gut wie unmöglich. Und wer dem Trubel am großen See ausweichen möchte: Im Hinterland warten stille Wälder, das Moorgebiet und eine Vielzahl kleiner Wald- und Moorseen auf Freunde der Natur.

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