Mit seinen sanften grünen Hügeln, heißen Sommern sowie idyllischen mittelalterlichen Dörfern und Kleinstädten weckt das südliche Mähren Erinnerungen an die Toskana. Dort erstreckt sich Tschechiens größtes Weinbaugebiet. Um die Grenzregion zu Österreich und der Slowakei zu erkunden, bietet sich eine Tour mit dem Rad an. Allein die gut ein Dutzend Hauptrouten zwischen den Weinbergen summieren sich auf mehr als 1200 Kilometer. Unterwegs bieten sich viele Gelegenheiten zum Einkehren. Im Sommer und Herbst locken zudem zahlreiche Musikfestivals sowie Weinfeste.
Ein stilisierter Weinkeller symbolisiert die Wein-Radrouten, die durch Südmähren führen. Bei der Fahrt über Feldwege oder kleine asphaltierte Straßen sind die Reben mit ihren blauen oder weißen Trauben zum Greifen nah. Teilstücke der Routen führen über kleine Nebenstraßen, auf denen nur wenige Autos unterwegs sind. Schon 1999 hatte man damit begonnen, die ersten Routen auszuzeichnen. Mit der Zeit wuchs ein Netz, das heute rund 280 Weinbau-Dörfer umfasst. Zahlreiche zertifizierte Hotels und Pensionen, Cafés und Restaurants am Wegesrand tragen inzwischen ein grünes Schild mit der Aufschrift „Cyklisté vítáni“, das sie als fahrradfreundlich ausweist.
Tour durch vier Weinregionen
Die „Mährische Weinroute“ bildet das Rückgrat des Radwegenetzes. Auf fast 300 Kilometern Länge verbindet sie die hübschen Kleinstädte Znojmo (Znajm) im Südwesten sowie Uherské Hradište (Ungarisch Hradisch) im Südosten und führt durch alle vier Weinregionen in Südmähren. Ganz im Westen streift sie den Podyjí-Nationalpark am Flusslauf der Thaya. Dort, wo einst der Eiserne Vorhang Westen und Osten trennte, konnte sich über Jahrzehnte die Natur frei entfalten, sodass bis heute viele seltene Tier- und Pflanzenarten anzutreffen sind. Im Osten endet die Route an den Ausläufern der Weißen Karpaten (Bílé Karpaty). Die abwechslungsreiche Tour führt ohne große Steigungen vorbei an Sehenswürdigkeiten wie der Wassermühle von Slup (Zulb) aus der Zeit der Renaissance oder der barocken Burg Buchlov. Und natürlich dreht sich unterwegs alles um den Wein, ob auf dem berühmten Weinberg Šobes über der Thaya, im bemalten Weinkeller von Šatov (Schattau), im Weinbaumuseum von Hustopece (Auspitz) oder bei den zahlreichen Winzern.
Zu den schönsten Orten auf der Strecke gehört Mikulov (Nikolsburg), über dessen Altstadt sich das schon von Weitem sichtbare Schloss erhebt. Auch dort widmet sich eine Ausstellung der Geschichte des Weinbaus. Zu ihren Schätzen gehört ein Riesenfass aus dem 17. Jahrhundert. Mit den mährischen Weinen der Gegenwart kann man sich danach in einer der zahlreichen Kellereien in der denkmalgeschützten Altstadt befassen. Mikulov ist auch ein guter Ausgangspunkt für eine weitere Radroute. Sie führt auf einem rund 80 Kilometer langen Rundkurs durch die Weinberge der Umgebung.
Ein guter Startpunkt für Ausflüge im südmährischen Weinviertel ist die nahegelegene Kleinstadt Breclav (Lundenburg). Vor Ort gibt es ein gutes Angebot an Übernachtungsmöglichkeiten. Wer bei einer Tour zu den Weinkellern die Angebote unbeschwert genießen möchte, kann in Znojmo den Weinbus besteigen. Er ist im Sommer dreimal täglich (außer sonntags) auf einer knapp 60 Kilometer langen Rundtour durch die Weindörfer der Umgebung unterwegs und bietet einen großen Fahrradanhänger. An manchen Stationen legt er eine viertelstündige Pause für eine kleine Weinprobe ein.
Infos über die Region bietet die Seite www.suedmaehren.info. Infos über fahrradfreundliche Unterkünfte und Restaurants gibt es unter www.cyklistevitani.cz. Mehr zum Vinobus in Znojmo unter www.vinobus.cz. Allgemeine Tipps für Reisen nach Tschechien gibt es bei CzechTourism unter www.czechtourism.com.