Das holländische Keukenhof ist während der Frühlingsblüte nicht nur das unumstrittene Eldorado der Gärtnerkunst, sondern zugleich auch die Eingangspforte zum Urbild eines perfekten Tulpenhimmels.
Pure Sinnesfreude
Nach Betreten des Parkgeländes herrscht die pure Sinnesfreude vor. Bei überwiegend fröhlichen Gesichtern, die angesichts der üppigen Blumenarrangements schnell auf Genussmodus umschalten. Überall beherrschen prächtige Kreationen aus Formen und Farben das Bild. Dazwischen stößt man auf unauffällig in die Parklandschaft eingefügte Pavillons, alle benannt nach den Mitgliedern der holländischen Königsfamilie. Diese informieren über die lange Geschichte des heimischen Tulpenanbaus oder präsentieren thematisch gestaltete Installationen rund um die Tulpenromantik.
Da darf natürlich die typisch holländische Windmühle nicht fehlen, die mit ihrer Pumpfunktion früher dazu beitrug, das „Land unter Wasser“ trocken zu legen. Ihre obere Plattform eröffnet eine Vogelperspektive über das bunte Parkgelände hinweg. In ihrem Schatten werden auch die ringsum gelegenen Kanäle erkennbar, die mit kleinen Elektrobooten zu einem Ausflug einladen.
Wie das im kleinen Rahmen funktioniert, beschreibt Gärtnerin Annemieke in ihrer nahe gelegenen privaten Gärtnerei. Mit einem der schönsten Pflückgärten in der Region macht sie große wie kleine Blumenliebhaber glücklich, die für wenig Geld riesige Sträuße individuell für sich zusammenstellen dürfen.
Pflückgarten und Tulpenrestaurant
Abschließend lüftet Annemieke noch ein Geheimnis. Sie verrät, dass Teile ihres Tulpenangebots sich auch zum Verzehr eignen. Das lässt sich nachprüfen in dem nahe gelegenen Restaurant „Die vier Jahreszeiten“, in dem Küchenchef Ton Freriks mit fantastischen Blumen-Kreationen auf dem Teller aufwartet.
Tulpen-Kulinarik spielt dagegen in der Blumen-Auktionshalle von Rijnsburg keine Rolle. Hier rollen, aufgestapelt auf zweistöckigen Transportwägelchen, bereits am frühen Morgen Unmengen von Blumenladungen mit der Präzision eines Uhrwerks zur Versteigerung an den zahllosen Bankreihen der Käufer vorbei. Im Auftrag der Produzenten versucht Auktionatorin Linda, Angebot und Nachfrage vermittelnd miteinander auszugleichen – was ihr mit sympathischem Tonfall auch mühelos gelingt.
Bei der Tulpen-Auktion
Nicht weniger spannend geht es zu in den nicht riesigen Hallen des Blumengroßhändlers Dingemans Hoek. Unaufhörlich sausen hier kleine Elektrokarren durch die tief gekühlten Säle, um die von Großkunden gewünschten Sortimente zusammen zu stellen.
Einen wunderschönen Abschluss bildet das traditionsreiche Haarlem mit seinem romantischen Flair. Jenes Städtchen, das mit seinen gewundenen Kanälen, seinen stilvollen Bauwerken und reich bestückten Museen sogar dem stolzen Amsterdam ein wenig das Wasser reichen kann. Auch hier sind rund um die zentral gelegene Bavo Kathedrale mit ihrer prächtigen Barockorgel die Tulpen nicht wegzudenken. Tragen sie doch bei zu einer liebenswürdigen Atmosphäre, wie sie besonders in den bezaubernden Innenhöfen, den berühmten Hofjes, zum Verweilen einladen.
Aber auch in den Innenräumen finden sich großzügig gesteckte Blumenarrangements. So zum Beispiel im Frans Hals Museum oder in der Neuen Bavo Kirche. In romantischer Jugendstilkulisse hängen hier im Frühjahr mehrere Tausend Blüten kaskadenförmig wie ein floraler Wasserfall vom 40 Meter hohen Innenturm herab. Ein Blütensegen, der den floralen Ausnahmezustand erneut veranschaulicht. Bernd Kregel