Sturm auf Baukindergeld

von Redaktion

Die Anmelde-Homepage bricht schon am ersten Tag zusammen

Es ist umstritten, für viele Familien aber ein Segen: Seit Dienstag kann das Baukindergeld beantragt werden. Das soll erst der Anfang sein – denn die Wohnkosten bergen zunehmend sozialen Sprengstoff. Die Internetseite war gerade freigeschaltet, da brach sie schon zusammen und war zeitweise nicht mehr erreichbar. Mehr als 1000 Anträge gingen in den ersten Stunden ein. Damit hatte die staatliche KfW-Förderbank, bei der das Baukindergeld seit Dienstag beantragt werden kann, nicht gerechnet. „Wir erwarten einen weiteren großen Zustrom“, hieß es. Doch das Projekt, eines der teuersten der Großen Koalition, lange erwartet, mehrfach verändert, hat auch Gegner.

ANTRÄGE: Wer interessiert ist, muss auf die Seite der KfW-Bank gehen (www.kfw.de/baukindergeld). „Der Zuschuss soll es Familien mit Kindern und Alleinerziehenden leichter machen, ein eigenes Haus oder eine Eigentumswohnung zu finanzieren“, betont die KfW. Pro Kind gibt es 12000 Euro, ausgezahlt in zehn Jahresraten zu je 1200 Euro. Einen Antrag können alle Bürger mit mindestens einem Kind stellen, die seit Januar 2018 einen Kaufvertrag unterzeichnet oder eine Baugenehmigung erhalten haben. Den Zuschuss gibt es für alle Kaufverträge oder Baugenehmigungen, die bis Ende 2020 abgeschlossen werden. Damit sollen Familien finanziell unterstützt werden.

DECKELUNG: Die zeitliche Befristung für Baukindergeld-Anträge von 2018 bis Ende 2020 gibt es, um die Kosten im Griff zu halten. Zwischenzeitlich war von Finanzminister Olaf Scholz (SPD) eine Deckelung auf 120 Quadratmeter Wohnfläche geplant gewesen, als Kompromiss gab es die zeitliche Begrenzung.

VORAUSSETZUNGEN: Ein Ehepaar oder Alleinerziehende mit einem Kind dürfen ein Haushaltseinkommen von maximal 90000 Euro im Jahr haben, bei zwei Kindern 105000 Euro, bei drei Kindern 120000 Euro. Die Kinder müssen mit im Haus oder in der Wohnung leben und die Familie darf keine andere Immobilie besitzen. Das Milliardenprojekt stand schon im Wahlprogramm von CDU/CSU. Unionsfraktionschef Volker Kauder betont, wenn Familien aus Mietwohnungen in eigene vier Wände ziehen, würden diese Wohnungen für andere frei und Eigentum sei die beste Altersvorsorge.

KRITIK: „Dadurch wird nicht eine bezahlbare Wohnung mehr geschaffen“, so der Grünen-Sprecher für Wohnungspolitik, Chris Kühn. Stattdessen werde es die Immobilienpreise weiter anheizen und subventioniere die Umwandlung von noch mehr teureren Miet- in Eigentumswohnungen.

1,5 MILLIONEN: So viele neue Wohnungen sollen in den kommenden Jahren gebaut werden. Ziel von Union und SPD ist es, durch ein größeres Angebot auch an Sozialwohnungen Wohn- und Mietkosten zu senken. Die SPD will ein weitgehendes Einfrieren der Mieten für fünf Jahre – da neue Wohnungen erst gebaut werden müssen. SPD-Chefin Andrea Nahles spricht von der „neuen sozialen Frage“. Klar ist: Wenn es an dieser Front keine Entspannung gibt, kann das die Lage im Land weiter verschärfen – denn die Kostensprünge bewegen viele Leute.

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