Elefanten nach dem Morgenbad.Fotos Kregel
Tempeltänzerinnen in Sikhoraphoum.
Ausgestattet mit klassischer Noblesse steht der „Eastern & Oriental Express“ für stilvolles Reisen.
Elefanten sind auch nur Menschen. Manchmal sogar solche, die es faustdick hinter den Ohren haben bis hin zum Schalk im Nacken. Soeben erheben sich die massigen Tiere nach ausgelassenem Badespaß behäbig aus ihrer mit Flusswasser randvoll gefüllten Urwald-Badewanne. Als Abschluss einer alltäglichen rituellen Waschung, wobei noch niemand ahnt, dass einige von ihnen heimlich eine Rüsselfüllung Duschwasser mit sich führen. Etwa um all jene an den eigenen Badefreuden teilhaben zu lassen, die soeben noch, einer Dschungelpatrouille gleich, auf ihren massigen Rücken rhythmisch schaukelnd das Urwalddickicht durchquerten? Die schrillen Schreie bei der unverhofft herabsprühenden kalten Dusche zeugen von einer gelungenen Überraschung.
Zugwaggons mit
Legendenstatus
Natürlich ist Lampang mit seinem Elefantenzentrum nur eine der Stationen an der Strecke des legendären „Eastern & Oriental Express“. Seit mehr als 20 Jahren ist er bereits unterwegs, um mit unterschiedlichen Zielen zwischen Singapur und Vientiane den Schätzen des Fernen Ostens auf die Spur zu kommen. Vor allem jedoch, um seinen Gästen die Seele Thailands in all ihren Facetten ein Stück näherzubringen. In Waggons, die wegen ihrer edlen Holz-Einlegearbeiten im Stil des vorletzten Jahrhunderts selbst schon Legendenstatus erworben haben.
Doch zwischendurch zieht es die Zugpassagiere immer wieder ans Ende dieser elegant sich windenden eisernen Schlange.
Exotische Landschaft
Denn dort gibt ein Aussichtswaggon den Blick frei auf die exotisch anmutende thailändische Landschaft mit ihren Reisfeldern und Urwäldern.
So wirkt das Dorf Ban Maichamuak unweit des Schienenstranges am nächsten Morgen wie eine Offenbarung bei der Suche nach der Seele des Landes. Zeigt diese sich aber mehr im Religiösen, wie während der feierlichen Segnungszeremonie Bai Sii, bei der den Besuchern des buddhistischen Tempels zum Klang sonorer Wunschformeln heilige Bänder um das Handgelenk geschlungen werden? Oder eher im Tänzerischen, wenn Kinder im dörflichen Kindergarten den Gästen eine Tanzshow präsentieren, die beweist, wie sehr den Thais die formvollendete Bewegung im Blut steckt?
Unübertroffen beweist dies am gleichen Abend die groß angelegte Tanzvorführung vor den respektablen Ruinen des Khmer-Tempels von Sikhoraphoum. An seinem Eingangsbereich präsentieren sich die Tänzerinnen und Tänzer in einem langen Begrüßungsspalier, bevor sie sich, angeführt von zwei dekorierten Tempelelefanten, dem Ziel ihres Auftritts nähern: dem rötlich in der Abendsonne schimmernden Shiva-Tempel, der in seiner charakteristischen Fünftürmigkeit sogar als das Vorbild für den Tempelkomplex von Angkor What gilt.
Lady Di in Chiang Mai
Nach dem Ausflug in den Nordosten führt der holprige Schmalspur-Schienenstrang hinauf nach Chiang Mai, der nach Bangkok heute zweitgrößten Stadt des Landes.
Und auch hier in der einstigen nördlichen Hauptstadt des Landes ist es neben den unzähligen buddhistischen Tempeln wieder das heimische Handwerk, das in seiner unglaublich perfektionierten Form das Interesse auf sich zieht. Sam, der einst vom „Tempeljungen“ zum Touristenführer aufgestiegen ist, weiß natürlich, wo er es findet: von den fein ziselierten Schnitzarbeiten über die dekorativ verzierten Papierschirme bis hin zu der Thai-Seide, wie man sie nirgendwo feiner und zarter entdecken kann. Selbst Lady Di soll sich einst bei ihrem Besuch höchst beeindruckt gezeigt haben.
Irgendwann kündigt sich das Ende der einwöchigen Bahnreise an. Zurück in Bangkok, schließt sich der Kreis. Hier verraten riesige Hoteltürme etwas über den Bauboom, der in den letzten Jahren über die Stadt hinweggefegt ist. Nur ein Hotel ragt mit seiner weit ins 19. Jahrhundert zurückliegenden Tradition aus der Kulisse des sich behäbig dahin wälzenden Chao Phraya-Flusses heraus. Es ist das Mandarin Oriental, das stets von seiner respektablen Tradition lebte.
Klong-Pfahlbauten und Neujahrsfest
Was liegt da näher, als von hier aus in einem der traditionellen Langboote die legendären alten Klongs zu erforschen, Orte der Ruhe und Entspannung. Damit bilden sie eine Alternative zu dem auf der anderen Flussseite liegenden Chinatown, in dem beim Neujahrsfest das Jahr der Schlange lautstark begrüßt wird.
Dabei wird klar: Thailand hat viele Seelen. Die schönste davon aber ist das freundliche Wesen seiner Bewohner. Kregel