Es ist wegen der hohen
Kosten umstritten, soll aber Familien in Zeiten steigender Bau- und Immobilienpreise beim Erwerb von Eigentum helfen: Drei Monate nach Einführung des Baukindergelds haben bereits 47741 Familien in Deutschland die Leistung beantragt.
Für den Bau eines Hauses oder den Kauf einer Immobilie winkt ein staatlicher Zuschuss von 1200 Euro je Kind und Jahr – gezahlt über zehn Jahre. Also 12000 Euro pro Kind. Verantwortlich für die hohe Antragszahl zum Start ist vor allem die Tatsache, dass der Zuschuss rückwirkend beantragt werden kann. Nämlich für alle Eltern oder Alleinerziehenden, die seit 1. Januar 2018 eine Baugenehmigung erteilt bekommen oder einen Kaufvertrag unterschrieben haben.
Letztmalig beantragt werden kann das Baukindergeld, wenn am 31. Dezember 2020 eine Baugenehmigung erteilt oder ein Kaufvertrag unterschrieben wird. Es läuft also über drei Jahre. Erwartungsgemäß habe es zum Start „eine Bugwelle an Anträgen“ gegeben, sagte eine KfW-Spre-cherin. Das Baukindergeld, das der früheren Eigenheimzulage ähnelt, kann seit 18. September beantragt werden. Pro Jahr gibt es ein Fördervolumen von rund drei Milliarden Euro – es ist eines der größten Projekte der Großen Koalition aus Union und SPD, um Familien zu helfen, sich den Traum von den eigenen vier Wänden zu erfüllen.
Gewährt wird das Baukindergeld für Familien und Alleinerziehende bis zu einer Grenze von 90000 Euro zu versteuerndem Haushaltseinkommen im Jahr bei einem Kind. Bei größeren Familien darf die Grenze pro Kind 15000 Euro höher liegen. Man muss mit den Kindern in dem Haus oder der Wohnung auch selbst wohnen – und es kann nur einmal beantragt werden. Wichtig: Wer zwischen 1. Januar und dem Start des Baukindergelds am 18. September ein Bauprojekt gestartet oder eine Immobilie gekauft hat, muss sich sputen.
Denn diese rückwirkenden Anträge können nur noch bis 31. Dezember gestellt werden. Deswegen ist in den letzten Wochen die Zahl der Anträge spürbar angestiegen.
Insgesamt bekommen bisher 82865 Kinder mithilfe des Baukindergelds ein neues Zuhause. Die meisten Familien, die einen Antrag gestellt haben, haben ein oder zwei Kinder. Die wenigsten Anträge wurden in den Stadtstaaten Bremen (419), Hamburg (480) und Berlin (725) gestellt und im Saarland (736). Bei im Schnitt zwei Kindern reicht das Fördervolumen im Jahr für
125 000 Anträge. „Wir gehen fest davon aus, dass die Mittel ausreichend sind“, sagte eine KfW-Sprecherin.
Ansonsten greift das „Windhund-Verfahren“: Wenn das Geld aufgebraucht ist, ist es aufgebraucht. Der Bund schießt nicht nach. Anträge können online über das KfW-Zuschussportal gestellt werden.
Wegen des technischen Aufbaus des Programms und des erst dann möglichen Hochladens von Dokumenten wie Einkommensteuerbescheiden oder Grundbuchauszügen soll die Auszahlung erst ab März 2019 so richtig starten. Bundesbauminister Horst Seehofer (CDU) betonte, das Projekt ermögliche vielen Familien den Schritt ins Wohneigentum. „Auch als Absicherung im Alter.“ Ingrid Hengster, Vorstandsmitglied der KfW-Banken, meinte, die hohe Nachfrage zeige, man treffe „den Nerv der Zeit“. Scharfe Kritik kam von der FDP. „Gerade da, wo Wohnpreise jetzt schon am höchsten sind, wirkt das Baukindergeld nicht“, so Daniel Föst, baupolitischer Sprecher der Bundestagsfraktion. „Kein Wunder, denn für die meisten Familien in Metropolen ist ein Eigenheim ohnehin nicht mehr bezahlbar.“
Das Baukindergeld fördert zudem völlig willkürlich vor allem dort, wo Familien sowieso bauen. „Es kommt ausschließlich zu Mitnahmeeffekten, es wird kein Eigenheim zusätzlich geschaffen und die Baupreise werden durch die Förderung dennoch kräftig steigen.“ Die FDP fordert stattdessen endlich einen Freibetrag bei der Grunderwerbsteuer.