Ob lebendiger Ort oder verödetes Niemandsland – die Küche stellt ein zentrales Element menschlicher Behausungen dar. Und ob geliebt oder gemieden: Bis zum heutigen Küchenkonzept war es ein langer Weg. Eine Spurensuche.
Hell, geräumig und verchromt. Mit einem riesigen Kühlschrank, der auf Knopfdruck zerstoßene Eiswürfel ausspuckt. Oder online gehen kann. Die Küchenträume der Gegenwart sind blitzsauber und eignen sich hervorragend, die Nachbarn vor Neid erblassen zu lassen und Gäste zu beeindrucken.
Doch die schönste Küche bleibt kalt und leblos, wenn sie nicht genutzt wird. Ein Ausstellungsstück. So wie im Fall einiger hochherrschaftlicher Damen, die in Holland und Deutschland im 17. und 18. Jahrhundert „Schauküchen“ und „Prangküchen“ zu ihrem persönlichen Statussymbol erklärten. Ohne jemals genutzt zu werden, versteht sich. Tatsächlich gekocht wurde in einer anderen, weit weniger ansehnlichen Küche.
Aber von vorne: Die Küche, wie wir sie heute kennen, hat zwar schon immer eine sehr zentrale Stellung in einem Haushalt eingenommen, sich im Laufe der Zeit aber erheblich verändert. Bis ins 18. Jahrhundert wurde über offenem Feuer gekocht. Dann kam der Architekt François de Cuvilliés der Ältere auf eine bis dato ungekannte Idee: Er entwarf im Jahr 1735 einen geschlossenen Herd für die Münchner Amalienburg. Etwa 65 Jahre später erhielt dieses System ein Upgrade von Benjamin Thompson, dem Grafen Rumford.
Nachdem es um 1900 auch Wasseranschlüsse in die Küchen geschafft hatten, rückten neue Aspekte der Küchengestaltung in den Fokus von Architekten und gutbetuchten Küchenbesitzern. Die rationelle Küchenführung – ein Konzept, das die nötigen Handgriffe in der Küche verbessern und Hausfrauen das Leben vereinfachen sollte – fand auch in Deutschland Beachtung.
Die genau ausgemessene Einbauküche wurde massenhaft von der Frankfurter Architektin Margarete Lihotzky umgesetzt. Praktisch, hygienisch und platzsparend. Die Lieferung erfolgte samt Gebrauchsanweisung für eine effektive Nutzung.
Mitte des 20. Jahrhunderts entwickelte sich die praktische Einbauküche zum neuen Standard, wurde nur wenige Jahrzehnte später jedoch zum überholten Dogma erklärt, das ausgedient hatte. Der abgeschlossene Kosmos Küche sollte wieder geöffnet werden und Platz für alle bieten – ein kommunikativer Raum, der verbindet.