Selbst im kleinsten Garten oder auf dem Balkon kann jetzt jeder seinen Beitrag zur Bienenrettung leisten.
Hummeln und Wildbienen gehen schon zeitig zum Frühlingsbeginn auf Futtersuche – und leiden Hunger. Denn viele Gartenpflanzen aus dem Handel bieten ihnen zuchtbedingt keine Nahrung mehr. „Während die Honigbienen erst bei Temperaturen über zwölf Grad unterwegs sind, können Hummeln und Wildbienen schon ab vier Grad fliegen“, sagt Sylke Brünn, Diplom-Biologin und Wildbienen-Expertin.
Fündig werden die Insekten bei Zwiebelpflanzen wie Schneeglöckchen, Winterlingen, der Perl- oder Traubenhyazinthe und dem Sibirischen Blaustern. Wer im Herbst keine Zwiebeln gesteckt hat, „bekommt in Gärtnereien vorgetriebene, blühende Pflanzen, die man in Beet, Topf und
Balkonkasten auspflanzen kann“, sagt Hans-Jürgen Weese vom Bundesverband Einzelhandelsgärtner in Berlin.
Bei den Stauden ist das Nahrungsangebot in den ersten Monaten des Jahres noch sehr begrenzt. Anfangs stehen noch Christrose und Schnee- oder Winterheide in Blüte. Dann folgt das Lungenkraut, ab April auch Berg-Steinkraut und Blaukissen.
Wer Bienen und Hummeln eine Freude machen will, sollte Taubnesseln im Garten stehen lassen. Bei den Gehölzen ist die Auswahl an Frühblühern größer. Einige Mahonien-Arten erblühen schon ab Januar. Ab Februar folgen Kornelkirsche und Japanische Kornelkirsche. Ab März blüht neben Goldjohannisbeere und Eibe ein sonst eher unscheinbares Gehölz: der Buchsbaum. „Die kleinen, weißen Blüten sind für die Wild- und Honigbienen inte- ressant“, erläutert Weese.
Haselnuss gehört mit ihren männlichen Kätzchen zu den ersten Pollenspendern. Im März und April bieten die Blüten der Schlehe eine ergiebige Tracht. In einem bienenfreundlichen Garten sollten Weiden nicht fehlen. „An Sal-Weiden
wurden 34 Pollen und Nektar sammelnde Wildbienenarten nachgewiesen“, sagt Brünn. Wer keinen Platz für eine große Weide im Garten hat, kann sie im Kübel anpflanzen.
Besonders bieten sich hierfür die Kätzchenweiden an, die als Stämmchen gezogen wurden. Sie lassen sich mit anderen Frühlingsblühern unterpflanzen.
Nicht alles, was schön blüht, nützt auch den Bienen. So halten die gelben Blüten der Forsythien
keinerlei Nahrung für Insekten bereit.
Magnus Wessel vom Bundfür Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) empfiehlt, im Handel zertifizierte Wildblumen zu erwerben. „Fast 80 Prozent der Freiland-Zierpflanzen und Stauden sind aufgrund züchterischer Veränderungen für Insekten nicht nutzbar“, sagt Wessel. Auch augenscheinlich einfache Blüten sind keine Garantie mehr für Bienenfreundlichkeit. „Auch Arten, die eigentlich als insektenfreundlich bekannt sind, können wertlos für Wild- und Honigbienen werden, wenn sie durch Züchtung steril geworden sind.“