Würden die Logistiker auch nur einen Tag nicht arbeiten, wäre das für alle Menschen und Unternehmen sofort schmerzhaft spürbar: Produktionen stünden still, Tankstellen wären leer, Apotheken würden wichtige Medikamente nicht erhalten.
Unrealistisch ist das Szenario nicht. Denn der Mangel an qualifizierten Lkw-Fahrern spitzt sich zu, wie der Bundesverband Spedition und Logistik (DSLV) mahnt. Inzwischen fehlen der Logistikbranche allein in Deutschland mehr als 45000 Fahrzeugführer, mit steigender Tendenz. Auch verkehrsträgerübergreifende Lieferketten und die internationalen Wertschöpfungsketten von Industrie und Handel seien bereits von diesem Negativtrend betroffen.
Fahrerlöhne ziehen an
Der Arbeitsmarkt auf Teilmärkten der Logistik sowie in ausgesuchten Regionen mit hoher Unternehmensdichte ist wie leergefegt, berichten Logistiker. „Zwar ziehen die Fahrerlöhne an, doch daraus generiert sich auf dem Arbeitsmarkt kein zusätzliches Arbeitskräfteangebot. Trotz nachhaltiger Lohnanpassungen steigt die Attraktivität des Berufsbilds nicht“, sagt DSLV-Präsident Axel Plaß.
Zur Bereinigung der dramatischen Situation sei ein gesellschaftliches Umdenken erforderlich. „Trotz fortschreitender Digitalisierung und Automatisierung des Verkehrs muss allen Lieferempfängern bewusst sein, dass Warentransporte immer noch von Menschen durchgeführt werden. Gelingt es nicht, Nachwuchskräfte zu mobilisieren, drohen Versorgungsengpässe‘, zeigt sich Plaß überzeugt. Mit Beteiligung an der branchenübergreifenden Imagekampagne ‚Die Wirtschaftsmacher‘ will der DSLV die Attraktivität aller Logistikberufe steigern – auch für junge Leute.
Viele Möglichkeiten für Berufsanfänger
Denn das berufliche Spektrum umfasst mehr als 200 Ausbildungsberufe. An 110 Hochschulen in Deutschland werden logistische Studiengänge angeboten, von Betriebswirtschaft/Logistik über Logistikmanagement bis hin zu Supply Chain Management.
DSLV-Präsident Praß ist überzeugt: „Soll der Anspruch auf eine universelle Verfügbarkeit von Gütern und Waren bestehen bleiben, müssen Industrie und Handel und am Ende der Konsument im eigenen Interesse zur Entschärfung der Situation beitragen und verstehen, dass Logistik und Transportdienstleistungen nicht zum Spottpreis eingekauft werden können.“