Hirschhorn in schönen Formen

von Redaktion

In der Werkstatt von Siegfried Stuhlmüller in Riedering schaut es ein bisschen so aus wie in der von Pumuckls Meister Eder. Überall stehen Arbeitsgeräte, auf den Werkbänken liegt Werkzeug, in den Regalen stapelt sich Material. Doch anders als Meister Eder arbeitet Siegfried Stuhlmüller nicht mit Holz. Er baut auch keine großen Möbel, sondern kreiert kleine Schmuckstücke. Seine Werkstatt ist eine Hornschnitzerei. Stuhlmüller fertigt Jagd- und Trachtenschmuck aus Bein und Geweih von Hirsch, Rehbock oder Elch. Seine Stücke sind so gefragt, dass er Aufträge aus Kanada, Russland oder Mexiko bekommt.

Siegfried Stuhlmüller ist gelernter Maschinenschlosser. Vor über 30 Jahren begann er mit dem Hornschnitzen, nachdem er selbst nach einen handgeschnitzten Anstecker gesucht hatte.

Feine Linien im
harten Hirschhorn

Mit Geduld und viel Mühe eignete er sich das Handwerk selbst an. Leichter gesagt, als getan: Die Geweihstangen sind aus Knochenmaterial und deshalb steinhart. Es ist kompliziert, sie filigran zu bearbeiten. Zum Sägen etwa braucht man ein Metzgerblatt.

An einem Arbeitstisch liegt eine Rosette mit dem Gesicht eines Fuchses bereit. An diesem Stück arbeitet Stuhlmüller gerade. Dazu schaltet er eine Vorrichtung zum Absaugen der Luft ein. Der feine Staub des Reh- oder Hirschhorns, so erklärt er, sei schädlich für die Lunge und sollte nicht eingeatmet werden. Wie Holz lässt sich Geweih nicht schnitzen. Dazu ist es viel zu hart. Es brauche eine Drehung, so Stuhlmüller. Also benutzt er eine elektrische Handfräse, mit der er die feinen Linien herausarbeitet.

„Rund vier Jahre hat es anfangs gedauert, bis ich mit dem Ergebnis zufrieden war“, erinnert er sich. Dann machte er sein Hobby zum Beruf. Seit 1990 schnitzt er Geweihrosetten mit Tiermotiven, Edelweiß-Anstecker, Knöpfe, Griffe für Messer oder Korkenzieher sowie Maßanfertigungen auf Bestellung. „Besonders gefragt sind persönliche Motive“, erzählt er. Ein Jäger etwa hat sich seinen Jagdhund auf einer Hirschrosette als Gürtelschließe verewigen lassen. Beliebt seien auch Familienwappen sowie der Schmuck für die hiesigen Gebirgstrachten. Die Nachfrage nach Spezialanfertigungen ist so groß, dass man ein Jahr Lieferzeit einplanen muss. Fertige Hornschnitzereien gibt es aber auch direkt im Ladengeschäft in Stuhlmüllers Werkstatt.

Etwas Schönes aus „Nichts“ erschaffen

Dort ist er eh am liebsten. „Wenn ich hier reinkomme, ist alles gut“, sagt er mit einem Strahlen in den Augen. Hier könne er seinen Alltag und die Sorgen hinter sich lassen. Das liegt auch daran, dass er seiner Arbeit mit großer Leidenschaft nachgeht. „Es macht mir Spaß, etwas Neues zu erschaffen“, erklärt er. Schließlich mache er aus einem Rohling etwas Schönes. Besonders spannend ist es für ihn, wenn er einen Maßauftrag bekommt. Dann sitze er mit dem Kunden beisammen und lasse ihn reden. Nebenher zeichne er Ideen und Wünsche auf. „Wenn ich das dann herzeige, trifft es meist ins Schwarze“, so Stuhlmüller. Bis zu 15 Stunden dauere die Arbeit an einer der kleinen Rosetten.

Riederinger Kunst
hat viele Fans

Das Rohmaterial geht dem Hornschnitzer übrigens nie aus. „Es ist ja ein nachwachsender Rohstoff“, erklärt er. Hirsche und Co. werfen ihr Geweih jedes Jahr ab und ein noch größeres wächst nach. Das Material bekommt Stuhlmüller dann von Forstämtern, Jägern oder aus Nachlässen.

Die Hornschnitz-Kunst aus Riedering hat inzwischen ihre Fans in vielen Orten der Welt. Ein Professor aus Washington DC etwa oder ein Indianerhäuptling aus Kanada ließen sich schon Stücke fertigen. Auch der ehemalige Papst Benedikt ist Besitzer eines Edelweiß-Ansteckers, der ihm bei einer Audienz überreicht wurde. Er freute sich so darüber, dass er dem Hornschnitzer Stuhlmüller daraufhin einen persönlich geweihten Rosenkranz zukommen ließ. „Das war eine große Ehre“, sagt dieser. „Besser geht es ja gar nicht!“ kh

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