Zarenpalast, Isaakskathedrale, Eremitage, Erlöserkirche, Katharinenpalast und Peterhof erzählen noch heute eine schier märchenhafte Geschichte von Macht und Reichtum. Phänomenale Kunstwerke, visionäre Architektur, prächtige Paläste, exzentrische Gotteshäuser in verschwenderischem Prunk, ein rekonstruiertes Weltwunder und perfektionierte Kultur: das erwartet Besucher in der Zarenstadt – dem „Fenster, durch das Russland nach Europa schaut“, wie der Schriftsteller Francesco Algarotti Petersburg in seiner „Russischen Reise“ beschreibt.
In St. Petersburg ist alles ein bisschen größer, goldener, kunstvoller und einschüchternder als in anderen Metropolen. Minutenlang wandert man an der Front nur eines einzigen Palastes vorbei – an Säulen, barocken Verzierungen, hohen Fenstern.
Die Stadt an der Newa beeindruckt aber nicht nur durch schiere Größe. Sie versammelt buchstäblich alles, was in der Kunstwelt Rang und Namen hat: von Tizian bis Rembrandt, von Picasso bis Monet, finden sich Werke der berühmtesten Künstler in der Eremitage. Eines der vielleicht berühmtesten Fotomotive ist die Pfauenuhr: Touristen drängen sich zur vollen Stunde im Pavillonsaal, um mitzuerleben, wie der goldene, mit Juwelen besetzte Pfau sein Rad schlägt.
Für die Eremitage sollten Reisende mindestens einen Tag einplanen – und selbst das reicht nicht, um die hier versammelte Kunst gebührend zu würdigen. Nicht nur die Kunstwerke selbst, sondern auch die Räume verlangen Bewunderung.
Vor dem Winterpalast lädt der große Schlossplatz zum Verweilen. Er wurde vom Architekten Carlo Rossi gestaltet und gehört zu den großartigsten Anlagen der Welt. Gerahmt von der Eremitage im Norden und dem Generalstabsgebäude im Süden, wird seine Mitte von der Alexandersäule dominiert. Sie ist aus einem einzigen Granitblock gefertigt. Die Spitze ziert ein Engel, der eine Schlange zertritt – Sinnbild für den Sieg Russlands über Napoleon.
Die Säule ruht ohne Verankerung auf einem Bronzesockel. Ihr Eigengewicht von 650 Tonnen gibt ihr einen derartigen Halt, dass sie sogar die Einschläge von Granatsplittern im Zweiten Weltkrieg überstand, ohne umzufallen. Sie ist 47,5 Meter hoch und übertrifft damit die Trajansäule in Rom.
Eine der größten Kuppelbauten der Welt ist die Isaakskathedrale. Für ihr Fundament mussten 24000 Pfähle aus Kiefernholz tief in den sumpfigen Untergrund gerammt werden. Die Kuppel kann erstiegen werden und bietet einen prächtigen Ausblick auf den Isaaksplatz mit dem Reiterdenkmal für Nikolaus I., das Marienpalais, die blaue Brücke, das Lobanow-Rostowskij-Haus und die Innenstadt.
Nicht versäumen dürfen Besucher St. Petersburgs den Besuch zweier besonderer Gotteshäuser. Zum einen die Erlöserkirche: Sie steht dort, wo Zar Alexander II. zu Tode kam und ist außen und innen dank kunstfertiger Mosaikarbeiten ein echtes Schmuckstück.
Zum anderen die Moschee: Ihre mit blauen Fayencen verkleidete Kuppel und die beiden Minarette machen sie zu einem markanten Punkt im Stadtbild.
Ein dunkles Kapitel der Stadtgeschichte lässt sich im Jussupow-Palais nachvollziehen: Hier wurde Rasputin im Dezember 1916 ermordet. Das Museum im Keller des Palais ist äußerst sehenswert und zeichnet Leben und Wirken des berüchtigten, unheimlichen Leibarztes der Zarin nach.
Eine Wanderung zur Peter-Paul-Festung auf der Haseninsel, der Besuch der Kasaner Kathedrale, eine Aufführung im Mariinsky-Theater, Shoppen auf dem Newski-Prospekt – alles Erlebnisse, die Reisende in St. Petersburg auf ihre Agenda schreiben sollten. Keinesfalls entgehen lassen dürfen sie sich den Ausflug zum Katharinenpalast. Außer prächtigen, voll ausgestatteten Gemächern ist hier die Attraktion das rekonstruierte Bernsteinzimmer.
St. Petersburg ist mit den öffentlichen Verkehrsmitteln gut und günstig zu entdecken – die U-Bahn selbst gehört mit zu den Dingen, die man gesehen haben sollte: Prunkvolle Bahnhöfe machen das Warten auf die Bahn zur Kurzweil.
Grundkenntnisse der kyrillischen Schrift sind von Vorteil, um Straßenbezeichnungen und Haltestellen entziffern zu können. Die Einheimischen sind allerdings äußerst hilfsbereit und helfen Orientierungslosen gerne weiter.
Stärkung findet man in den typischen russischen Restaurants. Borschtsch, Blini, Pelemeni, Piroggen und Kaviar sind ein kulinarisch-kaiserlicher Genuss.