Wie kann man unnötig schwere Schulranzen vermeiden und welche Tipps gibt es zum richtigen Packen von Büchern und Co.? Prof. Dr. med. habil. Bronek Boszczyk ist Chefarzt im Wirbelsäulen- und Skoliosezentrum an der Schön Klinik Vogtareuth und hat uns im Interview erklärt, was man rund um den Schulranzen beachten sollte, um Überlastungen des Kinderrückens zu vermeiden.
Herr Prof. Boszczyk, worauf ist bei der Auswahl des Schulranzens generell zu achten?
Wichtig ist, dass die Größe des Ranzens gut zur Größe des Kindes passt. So sollte der Ranzen nicht gegen das Becken stoßen und auch die Schultern an den Riemen nicht einengen. Markenranzen sind in der Regel mit einer Altersangabe versehen und manche wachsen sogar mit dem Kind mit. Generell sollte man bei jüngeren Kindern zu Ranzen mit einem starren Gerüst greifen. Teenager kommen dagegen auch mit weichen Taschen gut zurecht.
Welche Besonderheiten sollte ich bei meinem Kind berücksichtigen?
Natürlich muss man immer auf individuelle körperliche Gegebenheiten Rücksicht nehmen. Bei Fehlhaltungen und Erkrankungen des Bewegungsapparates sollte man sich von Fachpersonal beraten lassen. Hilfe findet man hier im guten Fachhandel, aber auch beim Hausarzt oder Orthopäden. Prinzipiell sollten zum Beispiel die Schulterriemen nicht einengen und knöcherne Vorsprünge gut abgepolstert sind.
Stichwort Tragehöhe: Wie sollte der Schulranzen eingestellt werden?
Es ist wichtig, dass die Last im Schulranzen so verteilt ist, dass das Hauptgewicht im mittleren Bereich der Wirbelsäule angesetzt ist. Die Tragegurte sollten relativ eng gestellt werden, sodass das Kind sich nicht vornüberbeugen muss, um den Ranzen zu tragen. Bei Ranzen mit Hüftgurt kann viel Gewicht auf das Becken verteilt werden. Hier kann die Einstellung auch tiefer gegen das Becken gehen. Bei eher traditionellen Ranzen ohne Beckengurt sollte der Ranzen dagegen nicht am Becken anschlagen.
Wie sollte der Ranzen gepackt werden und wie schwer darf dieser sein?
Beim Packen des Schulranzens gelten die gleichen Richtlinien wie beim Packen eines Wanderrucksackes. Hier sollte die Hauptlast nach Möglichkeit nahe am Körper sein, das heißt die schweren Gegenstände sollten körpernah gepackt werden, mit den leichteren Gegenständen nach außen. Dadurch wird ein geringerer Hebelarm produziert und das Kind muss sich weniger nach vorne neigen. Das Gesamtgewicht richtet sich dabei natürlich nach der Größe des Kindes und möglichen körperlichen Gebrechen. Im Prinzip sollte das Gewicht immer so gering wie möglich sein. Grundsätzlich gilt: Das Kind sollte den Ranzen bequem tragen und ohne viel Mühe schultern können. Dies ist meist hilfreicher als auf genaue Gewichtsangaben zu verweisen. Das Kind sollte dann bequem 15 bis 20 Minuten mit dem Schulranzen laufen können. Dies lässt sich ganz einfach zu Hause ausprobieren. Das Kind mit einem schwer beladenen Ranzen am ersten Schultag ohne Test losziehen zu lassen, ist wenig sinnvoll.
Was sind typische Fehler und welche Folgen kann dies nach sich ziehen?
Es ist unwahrscheinlich, dass langfristige Haltungsschäden durch kleinere Umstellung eines Schulranzens verursacht werden. Auch Skoliose wird nicht durch das einseitige Tragen eines Ranzens verursacht. Nichtsdestotrotz ist es wichtig, den Rucksack gut einzustellen und das Gesamtgewicht zu minimieren, um Überlastungsschäden zu vermeiden. Gelegentlich kommt es vor, dass Kinder Schulmaterial mitnehmen, dass sie für den Tag gar nicht brauchen und so den Rucksack unnötig schwer machen. Außerdem sollten die Kleinen den Rucksack nicht einseitig, sondern besser mit beiden Riemen an den Schultern tragen. Bei Kindern im Teenageralter fällt dies nicht mehr so schwer ins Gewicht.
Teuer oder billig – ist der Preis ein Qualitätskriterium?
Grundsätzlich unterscheiden sich teure Rucksäcke meistens durch die Verarbeitungsqualität und nicht die eigentliche Geometrie des Rucksackes. Solange ein Rucksack also gut passt, ist dieser auch geeignet – egal ob teuer oder billig. Allerdings kann es natürlich bei der Langlebigkeit der Rucksäcke und Schulranzen eine Rolle spielen, insbesondere bei den Modellen, die über eine längere Wachstumsphase hinweg getragen werden können.Florian Fagner