Fröhliches Vogelgezwitscher am Morgen lässt den Tag für die Menschen entspannter beginnen. Doch die Stimmen verstummen zusehends, denn der Lebensraum der Vögel schwindet. Dabei kann bereits jeder Gartenbesitzer etwas dagegen tun. Der beste Tipp von Sonja Dölfel vom Landesbund für Vogelschutz in Bayern lautet daher: „Einfach mal gar nichts tun und den Garten selbst machen lassen – das ist schon ein erster Schritt.“
Ein kurz geschorener Rasen, abgezirkelte Beete, gestutzte Hecken und große Terrassen sind für Vögel und Insekten ein Grund zur Flucht. „Schon eine einzige verblühte Sonnenblume bietet den Vögeln mehr Nahrung als eine exakt geschnittene Tuja-Hecke“, sagt Magnus Wessel vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Fremdländische Pflanzen tragen oft Früchte, mit denen die heimische Vogelwelt nichts anzufangen weiß. Obstgehölze und Beerensträucher dagegen bieten den Vögeln Nahrung und Unterschlupf. „Lassen Sie bei der Ernte ruhig ein paar Früchte dran, dann haben die Tiere bis in den Winter hinein Futter. In Bäumen, Stauden und Sträuchern überwintern auch Insekten“, so Wessel. Wer Vögeln etwas Gutes tun will, holt sich zum Beispiel einen Vogelbeerbaum in den Garten. „63 Vogelarten fressen seine roten Beeren“, erklärt Dölfel. Auch Traubenkirsche, Feldahorn, Haselnuss, Stechpalme, Rotbuche, Weißdorn oder Schneeball bieten Nahrung. Auch beliebt: Holunder, Johannisbeere, Heidelbeere oder Brombeere. Bei wilden Kräutern wie Brennnessel, Distel oder Klee gehen die Geschmäcker allerdings auseinander. Insekten dagegen lieben sie.
„Ideal ist ein dreigeteilter Garten“, sagt Wessel. Ein Drittel darf natürlich und wild wuchern. Im zweiten Drittel stehen Obst und Gemüse, im restlichen Drittel könnten Gärtner ihre persönlichen Vorlieben realisieren.
„Viele Gartenbesitzer gehen davon aus, dass ein Kiesgarten besonders pflegeleicht wäre“, berichtet Markus Guhl, Hauptgeschäftsführer des Bundes deutscher Baumschulen. Doch Löwenzahn, Brennnessel oder Giersch lassen sich langfristig kaum ausmerzen. Besser sind da Stauden, Bodendecker und immergrüne Gehölze. „Bienensummen und Vogelgezwitscher vermissen wir erst, wenn sie verschwunden sind. In einen Kiesgarten werden sie sich jedenfalls nicht verirren“, sagt Guhl.
Es hat sich eingebürgert, den Garten im Herbst „winterfest“ zu machen. Hecken und Sträucher werden gestutzt, Pflanzen abgeschnitten, das Laub wird entsorgt. „Für Vögel ist das eine Katastrophe“, warnt Wessel. Damit verlieren Insekten im Winter ihren Lebensraum und die Vögel ihre Nahrungsquellen und Rückzugsmöglichkeiten. Die Pflanzen sollten im Herbst so stehen gelassen werden, wie sie verblüht sind. „Das kann übrigens später bei Schnee oder Raureif sehr schön aussehen“, sagt Wessel. Im Frühjahr lassen sie sich dann immer noch zurückschneiden.
Auch ein Reisighaufen in einer Ecke ist für viele Vögel attraktiv. „Zum Beispiel brütet der Zaunkönig gern darin“, sagt Wessel. Auch für Rotkehlchen und Amseln sind solche Anhäufungen beliebte Rückzugsorte. Ein Komposthaufen ist ebenfalls ideal, weil er Insekten anlockt.
Gärtner sollten auch alte Obstbäume, die nur noch wenig tragen, möglichst lange erhalten. „Bäume mit Höhlen oder einem hohen Anteil an Totholz sind ein wichtiger Bestandteil eines naturnahen Gartens“, erklärt Dölfel. „Sie bieten Nahrung und Nistmöglichkeiten.“ Tote Äste sollten deshalb nur dann entfernt werden, wenn sie eine Gefahr darstellen.