Betriebe voll ausgelastet

von Redaktion

Handwerk fordert Entlastung bei Bürokratie und Steuern

„Während die Gesamtwirtschaft schwächelt, sichert der Aufschwung im Handwerk Arbeits- und Ausbildungsplätze ab“, sagt Kammerpräsident Franz Xaver Peteranderl bei der Vorstellung der neuesten Konjunkturzahlen. Es wäre seiner Meinung nach daher dringend an der Zeit, dass die Politik einmal „Danke“ sage und das Handwerk von Bürokratie entlaste, die berufliche Bildung konsequent fördere und Steuern sowie Abgaben senke.

Ende Juni beurteilten 93 Prozent der befragten Betriebe in Oberbayern ihre Lage als gut oder befriedigend. Damit bewegte sich der zentrale Indikator zur Einschätzung der wirtschaftlichen Entwicklung auf dem Niveau des Vorjahres und knapp unterhalb seines Allzeithochs (94 Prozent). Nur sieben Prozent sind nach eigener Einschätzung in einer schlechten Verfassung. Die durchschnittliche Kapazitätsauslastung stellte im zweiten Quartal mit 83 Prozent ihr Rekordergebnis ein. 45 Prozent der Befragten meldeten Vollauslastung. Die Top-Werte wurden in den Bau- und Ausbauberufen erzielt, wo der Anteil vollausgelasteter Firmen bei 60 Prozent lag.

Weil die Nachfrage unverändert kräftig ist, müssen Kunden – außer im Notfall – durchschnittlich 9,4 Wochen auf die Auftragserfüllung warten. Im Vorjahresvergleich stieg der Auftragsbestand noch einmal um 0,5 Wochen. Noch nie wurde im Frühling ein derart hoher Wert vermeldet. Auch hier stach das Bauhauptgewerbe mit 13,6 Wochen Auftragsbestand hervor.

Einzig im Handwerk für den gewerblichen Bedarf, das Zulieferer und Unternehmensdienstleister umfasst, war die Orderreichweite mit 7,5 Wochen kürzer als zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres (8,3 Wochen).

Jeder dritte oberbayerische Betrieb meldete im Berichtszeitraum Zuwächse beim Umsatz. Gut die Hälfte beobachtete keine Veränderung. Aufgrund dessen ist von einem deutlichen Umsatzwachstum im zweiten Quartal auszugehen. Für den Zeitraum von April bis Juni dürfte es bei etwa 11,1 Milliarden Euro liegen. Gegenüber dem Vorjahresquartal wäre das ein Anstieg um nominal 5,7 Prozent. Zieht man die Preissteigerung ab, verbleibt ein reales Plus von 2,5 Prozent.

Im Vergleich zum Vorjahr verlief die Beschäftigung im oberbayerischen Raum positiv: Ende Juni waren etwa 308100 Personen im Handwerk tätig, 1,1 Prozent mehr als vor Jahresfrist. Die Zahl der Mitgliedsbetriebe sank gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 0,3 Prozent auf aktuell knapp 79000.

83 Prozent der oberbayerischen Handwerksbetriebe erwarten in den kommenden Monaten gleichbleibende Geschäfte, zehn Prozent rechnen mit einer Verbesserung. Wegen der gut gefüllten Auftragsbücher rechnen 22 Prozent der Befragten mit einer Ausweitung der Umsätze. Zur Jahresmitte 2018 waren es 24 Prozent. Für das Gesamtjahr ist im oberbayerischen Handwerk ein Umsatzplus von nominal fünf Prozent zu erwarten.

Die Zahl der Beschäftigten dürfte um knapp ein Prozent zulegen, die Investitionen um rund sechs Prozent wachsen.

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