Waldbaden: zu Fuß zurück zur Natur

von Redaktion

Der Nationalpark Harz eröffnet Naturfreunden viele neue Betätigungsfelder

Mit Geistern und Fabelwesen erschafft sich die Natur zuweilen ihre eigene Wirklichkeit. Ein Zusammentreffen mit diesen illustren Gestalten ist daher nicht von vornherein auszuschließen. Eine jener Landschaften, in denen man stets mit Überraschungen rechnen muss, ist der Harz. Seinen geheimnisvoll raunenden Wäldern und den von Nebelfetzen umhüllten Felsklippen gelingt es auch heute noch, Wanderern einen gehörigen Schrecken einzujagen.

Den jährlichen Höhepunkt dieses schauerlichen Treibens bildet die Walpurgisnacht. Wenn der Teufel höchstpersönlich auf dem Brocken Hof hält und ihm eine Schar ausgelassener Hexen dabei in wildem Ritual zu Diensten ist.

Sagen, Mythen und Legenden

Den großen Schatz Harzer Erzähltradition pflegt seit Jahrzehnten eine Ausstellungshalle auf dem Bad Harzburger Burgberg. Detailverliebt gelingt es hier in anschaulich gestalteten Schaukästen, die Welt der Harzer Sagen, Mythen und Legenden erneut ans Tageslicht zu befördern und dabei nicht zuletzt ein Stück der Harzer Volksseele freizulegen. So in der Geschichte vom Wilden Reiter, der in seiner Gier nach Jagdbeute alle Warnungen trotzig in den Wind schlägt und den Hauern eines Keilers zum Opfer fällt.

Auch die Burgruine selbst birgt ihre Geheimnisse. Seinerzeit erbaut von König Heinrich IV. als prächtige Trutzburg gegenüber den aufbegehrenden Sachsen, wurde sie bereits kurze Zeit später fast völlig dem Erdboden gleichgemacht. Erst vor wenigen Jahren, so Heimatforscher Horst Woick, fand man im Burgbrunnen den Zugang zu einem Fluchtstollen hinaus ins Freie.

Sinnbild der Naturverbundenheit

Nur einen Steinwurf entfernt, findet sich das neu errichtete Standbild des antiken Gottes Krodo. Um die Zeitenwende verehrt von den römisch-germanischen Legionen als ein Sinnbild tiefer Naturverbundenheit, ist seine Statue der Beginn eines „Besinnungsweges“, der an mehreren Stationen zur Meditation einlädt.

Die Station „Brockenblick“ lenkt das Interesse zurück auf den Boden der Tatsachen, wie sie sich aus dem Klimawandel ergeben. Dabei zeigt sich deutlich, wie unbedacht es einst war, die einstige Natürlichkeit des Harzwaldes allein aus wirtschaftlichen Gründen in die Monotonie von Fichtenplantagen zu verwandeln. Denn gegen anhaltende Dürre und den Ansturm von Borkenkäfern ist offenbar noch kein Kraut gewachsen

Oder doch? Ein Hauch von Hoffnung liegt in dem Lösungsvorschlag von Wanderführer Horst, der mit den natürlichen Zusammenhängen des Harzwaldes bestens vertraut ist. Eine mögliche Lösung des Problems sieht er nicht bei einer hektischen Wiederaufforstung im alten Stil. Vielmehr schwebt ihm ein Umbau des Waldes vor, der auf resistentere Baumarten setzt. Ein Umbau, der dem Waldboden einen größeren Spielraum zugesteht, um sich ungestört in einen natürlichen Urwald zurückzuentwickeln.

Als fantasieanregend erweist sich auch der „Baumwipfelpfad“ am Fuß des Bugberges. Sein Holzsteg führt in luftiger Höhe mitten durch die Baumwipfel eines Mischwaldes. So wird schnell deutlich, welchen natürlichen Reichtum ein Wald der anderen Art darstellt.

Kiepenfrau und Luchsfütterung

An einzelnen Haltepunkten macht Begleiterin Eva Ronkainen zudem deutlich, wie Natur und Kultur bei diesem Projekt zusammenwirken. An einer der Stationen erscheint eine grob geschnitzte Holzfigur. Sie erweist sich als die legendäre Harzer „Kiepenfrau“, wie sie einst die Rückseite der 50-Pfennig-Münze schmückte. Auf Knopfdruck berichtet sie aus ihrem anstrengenden Leben in hoher Armut, bei dem es oftmals kaum zum Überleben reichte.

Auch an den Rabenklippen kann die Stadt mit ihren Pfunden wuchern. Gleichen diese doch einem Abenteuer-Spielplatz ungestümer Riesen.

Doch ist es nicht allein das mächtige Felsengewirr, das die Besucher anlockt. Vielmehr sind es die Luchse, von denen als neuem Wappentier der Stadt eine besondere Anziehungskraft ausgeht.

Als äußerst anregend und unterhaltsam erweist sich auch das alljährlich auf dem Rennplatz der Stadt vom Harzburger Rennverein veranstaltete Galopprennen. Die gesamte Kulisse trägt während dieser Zeit dazu bei, die mit dem Renngeschehen bestens vertrauten Besucher in ein wahres Renn- und Wettfieber hineinzuversetzen.

Galopprennen und Jungbrunnen

Bei allen Angeboten, gesund und innerlich ausgeglichen zu bleiben, setzt die Stadt noch eins obendrauf. Sie bietet neben ihrem bewährten Sole-Thermalbad neuerdings einen Jungbrunnen, der allein durch die Freude an dem originellen Figurenensemble zu verjüngen scheint. Fest hält eine betörende Dame ihren Spiegel in der Hand, als wolle sie die Zeit daran hindern, zu schnell an ihr vorbeizueilen.

Und selbst Gott Krodo hofft geduldig auf Verjüngung, die ihm auch sicherlich gut zu Gesicht stehen würde.

Oder wäre er nicht besser beraten, es doch lieber mit dem Waldbaden zu versuchen? Bernd Kregel

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