Das Abenteuer beginnt in Vientiane, jener abseits vom Weltgeschehen gelegenen Hauptstadt der Volksrepublik Laos. Auf der Suche nach ihrer eigenen fernöstlichen Identität sind ihr die Hinterlassenschaften des französischen Kolonialreiches noch ebenso anzumerken wie die zerstörerischen Ereignisse des Vietnamkrieges. Ein riesiges Staatsmonument in Form eines hoch aufragenden goldenen Stupas soll dem erhofften Aufbruch in die Zukunft Ausdruck verleihen.
Wichtiger jedoch als jede menschliche Einflussnahme ist die Lage der Stadt am Ufer des mächtigen Mekong. Jenem Fluss der Flüsse, der quer durch Südostasien wie ein roter Faden die Länder China und Vietnam miteinander verbindet. Längst sind die Leinen los, und die „Mekong Pearl“, ein für solche Abenteuer bestens geeignetes Fluss-Kreuzfahrtschiff, nimmt Fahrt auf. Über mehr als 800 Kilometer flussaufwärts führt die Reiseroute hinauf zum „Goldenen Dreieck“, das sich, wie auch der Mekong selbst, im Laufe der Zeit zu einem Mythos entwickelt hat.
Üppige Vegetation
Angespannt stehen Kapitän Bualao und Navigator Vansee auf der Brücke. Inmitten schäumender Stromschnellen und gefährlich aus dem Wasser herausragender Felsformationen versuchen sie, eine sichere Fahrrinne auszumachen. Als äußerst hilfreich erweist sich dabei ein Besatzungsmitglied, das mit einem etwa drei Meter langen Bambusrohr am Bug des Schiffes die Tiefe des Flusses auslotet. Gerade einmal zwei Meter sind es an dieser Stelle – „Mark Twain“ lässt grüßen!
Erst langsam legt sich die Spannung, sodass statt der Oberfläche des Flusses die tropische Vegetation an seinen Ufern ins Augenmerk gerät. Es ist ein flächendeckendes Grün in allen Schattierungen: von Trockenreis-Plantagen und Bambuswäldern bis hin zu Teakholzgiganten und Bananen-Blattdickicht.
Reichtümer lassen sich damit allerdings für die Bevölkerung nicht erwerben, wie spontane Besuche der kleinen Holzdörfer in Ufernähe verdeutlichen.
Zentren des Lebens in den etwas größeren Siedlungen sind natürlich die Märkte. Zum Beispiel der Morgenmarkt von Sanakham, der ein buntes Angebot an Obst, Gemüse und Kleidungsstücken bereithält. Oder der Nachtmarkt von Pak Lay, auf dem für Zugereiste auch gewöhnungsbedürftige Produkte wie gegarte Fledermäuse oder angebrütete Hühnerembryos angeboten werden.
Schauspiel Si-Wasserfälle
Nach Überwindung des Xaiyaburi-Staudamms durch zwei hohe Schleusenkammern ist der Weg frei zu den Kuang Si-Wasserfällen. Eingebettet in tropische Vegetation, stürzen sie sich in sprudelnder Gischt einen steilen Abhang hinab. Auf dem Weg des Wassers hinunter ins Tal laden gleich mehrere Pools zum Entspannen ein – in fröhlicher bis zu ausgelassener Atmosphäre.
Eine gute Gelegenheit, sich körperlich fit zu machen angesichts der kulturellen Fülle, die die alte Königsstadt Luang Prabang bereithält. Eingerahmt vom Ufer des Mekong und dem heiligen Phousi-Berg, spiegelt sich hier die buddhistische Tradition wider, die Laos seine religiöse Identität verleiht. Diese verkörpern nicht nur die zahlreichen buddhistischen Tempel, sondern auch das ehrwürdige Nationalmuseum in Zentrum der Stadt.
Am meisten jedoch berührt der Almosengang der buddhistischen Mönche. Schweigend sind sie noch vor Sonnenaufgang in ihren gelbrot getönten Gewändern bei ihrem täglichen Rundgang durch die Straßen der Stadt anzutreffen. Dort werden sie bereits erwartet von wohltätigen Menschen, die ihnen kleine Portionen von Lebensmitteln in ihre mitgeführten Almosenschalen hineinlegen.
Taten der Barmherzigkeit sollen eine Verbesserung des Karmas bewirken, dem persönlichen Zyklus von Geburt und Wiedergeburt Einhalt gebieten.
Auch die weiter oberhalb des Flussverlaufs gelegenen Pak Ou-Höhlen spiegeln diesen buddhistischen Geist wider. So ist es selbstverständlich, an diesem heiligen Ort ehrfurchtsvoll Kerzen an den Heiligenfiguren zu entzünden.
Im Moment macht sich jedoch eine Ablenkung bemerkbar. Denn drunten vom Mekong-Ufer schallen laute Trompetenstöße herauf, die auf das an einer Sandbank gelegene Elefantencamp hinweisen. Soeben verlassen die Tiere das erfrischende Wasser und lassen sich schon wenig später unter der Aufsicht wachsamer Mahuts aus unmittelbarer Nähe bewundern und berühren.
Kurze Zeit später kündigt sich gegen Ende der Flussreise auch das Dreiländereck von Laos, Thailand und Myanmar an. Jene legendäre Region, die einst wegen des hier in großem Maßstab betriebenen Opium-Anbaus als „Goldenes Dreieck“ traurige Berühmtheit erlangte. Doch diese Zeiten sind nun wegen verschärfter Verbote zum Glück vorbei. Darüber klärt auf thailändischer Seite ein modern gestaltetes Opium-Museum auf, das ausführlich über die Zusammenhänge vom einst lukrativen Opium-Anbau bis hin zu den zerstörerischen Folgen des Opium-Konsums informiert.
Demgegenüber steht heute die strahlende Monumentalstatue eines „Goldene Buddhas“, der mit seiner majestätischen Ausstrahlung symbolisch eine Alternative darstellt zum „Goldenen Dreieck“ vergangener Zeiten. Eine Entdeckung, die nach der abenteuerlichen Mekong-Erkundungsreise durch Laos zweifellos eine hoffnungsvolle Perspektive darstellt. Mehr Informationen unter www.lernidee.de; www.visit-mekong.de; www.laos-botschaft.de; www.thailandtourismus.de. Bernd Kregel