Nachhaltigkeit fordert heraus

von Redaktion

Die Zukunft zu gestalten ist nicht einfach. Es gibt wenige Lösungen, die zudem Schattenseiten haben. Viele Bereiche erfordern sorgfältige Abwägung, gerade auch, weil lokale Entscheidungen globale Auswirkungen haben – und umgekehrt.

Was ist umweltfreundlicher? Der heimische Apfel, der über Monate im Kühlhaus liegt, um im Frühjahr knackig frisch zum Verbraucher zu gelangen oder der frisch geerntete Bio-Apfel aus Argentinien, der mit dem Schiff zu uns transportiert wurde? Ist es besser, ein altes Auto zu reparieren, oder ein neues, umweltfreundlicheres anzuschaffen, obwohl dafür viele Ressourcen verbraucht werden? Wann ist ein Elektroauto die bessere Wahl und wovon hängt das ab? All diese Zusammenhänge richtig abzuwägen ist schwierig. So steht man täglich vor individuellen Herausforderungen – sei es der Weg zur Arbeit oder der Wocheneinkauf.

Die Sonne schickt keine Rechnung

Was uns alle beschäftigt, ist die Zukunft der Energieversorgung. Wenn wir die in Paris vereinbarten Klimaziele erreichen wollen, gilt es Abschied zu nehmen vom übermäßigen Verbrauch fossiler Energieträger.

Hier gibt es vielversprechende Ansätze: von der Nutzung der Sonnenenergie bis hin zur Verwendung von Hackschnitzeln als nachwachsendem Rohstoff, von der Balkonsolaranlage bis zum wichtigsten Instrument: der Energieeinsparung und der Energieeffizienz. Eine große Herausforderung sind dabei die Mobilität und in letzter Konsequenz die Konsumfreude.

Übersetzt auf die Landkreise Rosenheim und Mühldorf bedeutet das, Belastungen durch den Bau neuer Straßen, neuer Autobahnspuren und vor allem auch durch den neuen Zulauf zum Brenner-Basistunnel möglichst gering zu halten.

Doch Hand aufs Herz: Wer reflektiert schon bei seinem Einkauf bei Amazon, dass damit wieder ein Lkw über die Straßen rollt? Wer denkt schon bei der Fahrt zum Supermarkt daran, dass er damit eine Belastung für alle Anlieger ist. Wer stellt an einem schönen Abend beim Italiener in der Altstadt von Rosenheim die Frage, ob es wirklich San Pellegrino sein muss und was dieses Wasser mit dem Verkehr auf dem Brenner und mit dem Brenner-Basistunnel zu tun hat?

Genug Essen und ein Dach über dem Kopf

Noch vor der Mobilität steht das tägliche Brot. Wie kann man eine wachsende Weltbevölkerung ernähren und braucht es dafür Genmanipulation und High- tech, oder gilt es weltweit kleinbäuerliche Strukturen zu fördern und damit Fluchtursachen zu bekämpfen? Oder konkret im Landkreis: Woher kommt das Essen und wie gut versorgen wir uns aus der Region? Wie viele Transportkilometer, wie viel Chemie und Dünger und damit Energie stecken in unseren Lebensmitteln?

Hier kann eine solidarische, biologische Landwirtschaft als Grundlage für eine engere Zusammenarbeit mit den heimischen Bauern, für Grundwasserschutz und den Erhalt und die Verschönerung der Kulturlandschaft dienen. Denn auch bei uns sind die Vielfalt in der Landschaft und die Vögel, Insekten und Bienen extrem wichtig.

Ein Problem bedingt das andere

Es wird nämlich stumm um uns. Wälder, Wiesen und Weiher weichen Wohnkomplexen – es wird gebaut, was das Zeug hält. Wer will nicht mit Bergen und Seen in der Umgebung und gleichzeitig in der Nähe der attraktiven Großstadt München leben?

Doch bei aller Bauwut, der Platz ist begrenzt und so machen die steigenden Mieten und immer höhere Immobilienpreise vielen Einheimischen das Leben schwer. Muss hier die Stadt eingreifen? Wie hoch ist der Anspruch an Wohnraum? Verdichtet man in der Stadt oder versiegelt man in der Fläche? Werden mehr Gewerbegebiete gebraucht und wie kann man Wohnen und Arbeiten besser verbinden?

Hier zeigen sich erneut die komplexen Zusammenhänge. Essen und Trinken, Bauen und Wohnen, die Fahrt zum Arbeitsplatz, Konsum und Reisegewohnheiten – alles ist miteinander vernetzt.

Radln fürs Klima

In Rosenheim und Umgebung werden rund 60 Prozent der Wege mit dem Auto zurückgelegt. Grund dafür sind der unzureichende öffentliche Nahverkehr und die fehlenden Bus-Verbindungen zwischen Rosenheim und den umliegenden Orten ab den Abendstunden. Schlechte oder plötzlich endende Fahrradwege wie in der Kufsteiner- oder der Prinzregentenstraße tun ihr übriges.

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