„Wirtschaft muss, will nachhaltig vorangehen“

von Redaktion

Die Wirtschaft hat eine Schlüsselfunktion für eine nachhaltige Zukunft. Wie die IHK für München und Oberbayern ihre Mitgliedsunternehmen dabei unterstützt, erklärt IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Manfred Gößl im Interview mit den OVB Heimatzeitungen.

Die IHK hat sich sofort bereit erklärt, Pate unserer Nachhaltigkeitsserie zu werden. Warum war dies für Sie so selbstverständlich?

Manfred Gößl: Nachhaltigkeit ist auch für die Wirtschaft ein zentrales Zukunftsthema. Insofern ist uns Ihre Serie ein Anliegen.

Wie definiert die IHK nachhaltiges Wirtschaften genau?

Nachhaltig agierenden Unternehmen geht es nicht um Gewinnmaximierung um jeden Preis. Sie binden ökologische und soziale Aspekte in ihr Handeln ebenso ein wie gute Unternehmensführung. Unser IHK-Markenkern bringt dies gut auf den Punkt: „Gemeinsam übernehmen wir Verantwortung.“

Ein wesentlicher Anlass für mehr Nachhaltigkeit ist der Klimawandel. Welche Probleme ergeben sich für Unternehmen daraus?

Zunächst ist Wirtschaft Teil der Lösung. Nur sie kann länderübergreifend jene Innovationen hervorbringen, die zur Klimaneutralität führen werden. Gleichzeitig stehen die Unternehmen in der gesellschaftlichen Verantwortung, den Pfad zur CO2-Neutralität entschieden einzuschlagen. Die Agenda 2030 der Vereinten Nationen sowie immer mehr Gesetze fordern auch die Wirtschaft zum Umdenken auf.

Welche Verantwortung tragen Unternehmen im Sinne der Nachhaltigkeit?

Die Wirtschaft hat eine Schlüsselfunktion, denn sie ist ein Akteur mit umfangreichen Gestaltungsmöglichkeiten und großer Wirkung. Zugleich gehört nachhaltiges Wirtschaften für viele Unternehmen längst zu ihrem Wertekanon. Das zeigt sich insbesondere auch am wachsenden Social Entrepreneurship, das heißt an Unternehmensgründern, die versuchen, gesellschaftlich Probleme mit wirtschaftlichen Mitteln zu lösen. Wirtschaft will, kann und muss vorbildlich vorangehen. Dennoch gilt: Die Wirtschaft braucht Unterstützung von der Politik, diese muss Anreize setzen und fördern.

Warum wird Nachhaltigkeit für Unternehmen zugleich immer wichtiger werden?

In nachhaltigem Agieren liegt auch die unternehmerische Chance, die Wettbewerbs- und Innovationsfähigkeit und damit die Zukunftsfähigkeit der Betriebe zu stärken.

Auf welchen Gebieten sehen Sie besonderen Handlungsbedarf?

Eigentlich auf nahezu allen Gebieten: Es geht da um eine nachhaltigere Mobilität etwa durch alternative, CO2-schonende Antriebe und einen wirklich attraktiven öffentlichen Nahverkehr, um Ressourcenschonung, Energieeffizienz und moderne Kreislaufwirtschaft. Ich denke außerdem an faire und an den Menschenrechten orientierte Lieferketten und an eine verantwortungsvolle Digitalisierung, die den digitalen Wandel auch für die Nachhaltigkeit nutzt.

Wie können Unternehmen gesellschaftliche Verantwortung in den eigenen Prozessen verankern?

Durch den Managementansatz der Corporate Social Responsibility (CSR). Das heißt, eine Bestandsaufnahme machen, wo man in puncto Nachhaltigkeit steht, am Kerngeschäft ausgerichtete Ziele definieren, Maßnahmen entwickeln und umsetzen, Kenngrößen ausweisen, damit die Erfolge messbar werden.

Wie schaffen Unternehmen es, auch die Mitarbeiter zu motivieren, mitzugehen?

Mitarbeiter wollen heute nicht mehr nur Geld und Karriere, sondern auch Sinnstiftung durch ihre Arbeit erleben. Insofern lassen sich die Mitarbeiter in der Regel schnell anstecken. Die IHK ermuntert zu Freiwilligeneinsätzen im Sinne eines Corporate Volunteering oder auch dazu, Azubis zu Energiescouts weiterzubilden.

In welchen Feldern engagiert sich die IHK im Sinne der Nachhaltigkeit?

Im Zentrum steht unser IHK-Ausschuss „Unternehmensverantwortung“. Hier entwickeln Unternehmensvertreter Maßnahmen und Positionen zur Nachhaltigkeit, um sie dann gemeinsam in Wirtschaft und Politik zu tragen.

Die IHK versteht sich als Plattform, auf der sich Unternehmen zu dem Thema verantwortliches Wirtschaften informieren, austauschen und vernetzen können, zum Beispiel auf unserem jährlichen Bayerischen CSR-Tag. Auch unterstützen wir Projekte wie den Münchner Marktplatz Gute Geschäfte oder den Umweltpakt Bayern. Und wir haben seit Kurzem auch einen eigenen Nachhaltigkeitsbericht veröffentlicht nach den Vorgaben des Deutschen Nachhaltigkeitskodex‘.

Das Stammhaus der IHK in München wurde letztes Jahr renoviert. Wie steht es hier um Nachhaltigkeit?

Die Renovierung der über 100-jährigen Gebäudeteile ist per se eine Entscheidung zugunsten des Nachhaltigkeitsansatzes. Wir nutzen Fernwärme und Fernkälte. Ein durchgängiges nutzungsabhängiges LED-Konzept senkt den Stromverbrauch. Zudem ist das IHK-Stammhaus barrierefrei.

Wie und wo setzen Sie auch persönlich nachhaltige Prinzipien um?

Im Inland fahre ich Bahn und nutze U- und S-Bahn. In meiner Familie bevorzugen wir regionale Lebensmittel. In der IHK ist es mir ein persönliches Anliegen, im ganzen Kammerbezirk für unseren Markenkern und damit für mehr Nachhaltigkeit zu werben.

Ein Blick in die Zukunft: Was ist die wichtigste Zukunftsaufgabe der IHK? Und der Wirtschaft?

Die IHK wird die Wirtschaft bei ihrem Weg zu mehr Nachhaltigkeit begleiten, ermutigen, aber auch fordern – damit wir gemeinsam die Herausforderung meistern können und die Wirtschaft Teil der Lösung ist.Das Interview führte Veronika Görlitz

Überblick: Diese IHK-Projekte fördern die Nachhaltigkeit in der Wirtschaft

IHK-Ausschuss Unternehmensverantwortung:

Der aus rund 50 Mitgliedern bestehende Ausschuss will Nachhaltigkeit als Leitbild einer zukunftsfähigen Entwicklung stärken, zur Umsetzung der UN-Agenda 2030 in der Region beitragen und der verantwortungsbewussten Wirtschaft politisch und gesellschaftlich eine Stimme geben.

Bayerischer CSR-Tag: Jährlich mehr als 300 Teilnehmer können sich hier zu den Herausforderungen der Nachhaltigkeit informieren und vernetzen. Sie erhalten praxisorientierte Impulse für ihre eigenen Betriebe.

SDG-Wegweiser für KMU:

Der von IHK und dem Landesamt für Umwelt gemeinsam erstellte Leitfaden gibt kleinen und mittleren Unternehmen Unterstützung, die insgesamt 17 Nachhaltigkeitsziele (SDG)s der Vereinten Nationen praktisch umzusetzen.

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