Nach Einbruch der Dunkelheit kommt Leben in die kleinen Restaurants von Les Sables d’Olonn. Das liegt am Stellenwert des kulinarischen Genusses, den die Region perfekt ausdrückt. Kein Wunder bei der Nähe zum Hafen, wo die Fänge in den frühen Morgenstunden angelandet werden. Dann herrscht Trubel in der Markthalle der 50000-Einwohner-Stadt.
Nach der Sommersaison entspannen und genießen die Einwohner gemeinsam mit ihren Gästen. Schließlich hatte man zuvor alle Hände voll zu tun, wenn man vom Tourismus lebt. 200000 Besucher wollen sich in den Saisonmonaten an der malerischen Stadt am Atlantik erfreuen, aalen sich im Sand der drei Kilometer langen Küstenlinie vor Les Sables d’Olonne und treiben alle Wassersportarten, die der wilde Atlantik zulässt.
Segeln, Schwimmen, Surfen, Wasserski, Kite-Surfen und Rennboot-Fahren gehören da noch zu den althergebrachten Arten, sich im Wasser zu vergnügen. Neuerdings ist es Trend, im Wasser zu joggen.
Der Landstrich im äußersten Westen Frankreichs mit der Hauptstadt La Roche-sur-Yon ist an die Verwaltung der nächstliegenden Großstadt Nantes angebunden. Für die Stadt Les Sables d’Olonne, die ursprünglich als Fischerort auf Sand gebaut wurde, war es im 15. Jahrhundert ein Segen, dass der Regent Louis XI. an gleicher Stelle die Grundlagen für den Fremdenverkehr schuf. Er hob einen Badekurort aus der Taufe, der zusehends seine Gäste durch die raue, gesunde Meeresluft und die entsprechenden Wasser-Anwendungsmöglichkeiten bot.
Durch die Salzgewinnung, den Weinbau und die Landwirtschaft hat die Region heute mehrere Komponenten zu einer beliebten Tourismusregion zusammengeführt, die mit guter Küche und der abwechslungsreichen Architektur garniert wird.
Wie sich die Menschen der Region in das Gefüge gekonnt einreihen, zeigen Thierry und Antoine Michon, die ihr Weingut in der Nähe der Küstenstadt auf biologischen Anbau umgestellt haben. Thierry Michon beweist, dass auf dem salzigen Boden hervorragende Qualitäten entstehen, die von Liebhabern über den gesamten Erdball gemocht und bestellt werden. Zahlreiche Auszeichnungen belegten die Ausnahmestellung der Weine.
Eine ökologische Glanzleistung haben Marylou und Damien Lamy vollbracht: Sie haben nach dem Grundsatz der Müllvermeidung und -verwendung aus einem verfallenen Bauernhof eine Urlaubsoase für ökologisch orientierte Gäste entstehen lassen. Von pfiffigen Ideen bis zu grundsätzlich eigenem Anbau der Produkte, die auf dem Teller landen, gibt es auf dem Gehöft eine Menge Kreativität zu bestaunen. So wurden nicht mehr seetüchtige Boote zu Unterkünften umfunktioniert, Lodges gebaut, deren zwei Längsseiten im Sommer zu öffnen sind, was Wohnen im Freien bedeutet.
Aus Altreifen werden Sitzmöbel gefertigt, ein ehemaliges Melkgeschirr dient als USB-Station, statt gewöhnlicher Ziegeln für Seitenwände von Gebäuden wurden Dachziegel übereinander vermauert.
Ob ökologische Landwirtschaft oder Salzabbau in den Salzwiesen, Vogelschutzgebiet oder naturbelassene Flächen, die Urlauber haben für Ausflüge mit dem Fahrrad oder auf Schusters Rappen eine Fülle an landschaftlicher Schönheit zu genießen. 1200 Kilometer Radwege können per Bike entdeckt werden, wobei genügend Verleihstationen für entsprechende Ausrüstungen sorgen.
Schauspieler spielen Schlachten nach
Ein einstündiger Abstecher mit dem Auto führt nach Les Epesses zur riesigen Parkanlage Puy du Fou. Auf gelungene Weise werden nicht nur historisch bedeutsame Stätten nachgebildet aufgezeigt. Hier werden auch Szenen von Schlachten mit teilweise knapp 400 Schauspielern nachgespielt. Eindrucksvolle Showelemente werden mit Pyrotechnik angereichert.
Das Vendée erreicht man nach einer Tagesfahrt aus Deutschland mit dem Auto und über den Flughafen Nantes mit verschiedenen Linien. Auch per Bahn ist die Region erreichbar, wobei es sich anbietet, dort ein Auto zu leihen, um die sehenswerten Orte allesamt zu erreichen. Mehr unter www.vendee-tourisme.com oder im örtlichen Reisebüro.
Kurt Sohnemann