Eine Ernährung mit regionalen Produkten ist in Bayern so einfach: frische Wurst oder frisches Fleisch vom Handwerksmetzger um die Ecke, Brot vom Handwerksbäcker und ein kühles Bier von einer vor Ort ansässigen Brauerei. Fertig ist eine nahrhafte Brotzeit, wie sie im Buche steht. Und fertig ist einer der Gründe, warum jedes Jahr Zehntausende Touristen ihren Urlaub im Freistaat verbringen.
„Der Trend in Bayern geht ganz klar zum Metzger. Die Gesellschaft besinnt sich langsam wieder darauf, was es heißt, sich ausgewogen zu ernähren. Und in Bayern ist der Hang zum regionalen Nahrungsmittelhandwerk ohnehin viel stärker verwurzelt als im Rest der Republik,“ so Lars Bubnick, Geschäftsführer des Fleischerverbandes Bayern. Er hebt aber auch mahnend den Finger und ergänzt: „Nahrungsmittel sind in Deutschland leider noch kein Statussymbol. Vielen ist wichtig, welches Auto sie fahren oder wie groß die Wohnung ist. Um im Bild zu bleiben: Es ist wichtig, dass der Grill ein Vermögen kostet und alle möglichen Features hat. Für die Steaks, das eigentliche Highlight, geht man dann oftmals auf die Jagd nach den besonderen Billigangeboten.“
Direkter Draht
zum Landwirt
Was unterscheidet eine Handwerksmetzgerei nun aber von anderen Anbietern, zum Beispiel Discountern? Jeder Handwerksmetzger steht persönlich mit seinem Namen und seiner Existenz für seine Produkte. Er weiß genau, welche Zutaten er verarbeitet. Und auch wenn heute nicht mehr alle Handwerksmetzger schlachten, so weiß der Metzger ganz genau, woher das Fleisch für seine Produkte stammt.
In vielen Fällen kennt der Metzger den Landwirt und auch die Tiere persönlich. Er schaut sich regelmäßig an, wie diese gehalten werden und welches Futter sie bekommen. Der direkte Draht zum Landwirt hat ein weiteres großes Plus, nämlich die kurzen Transportwege der Tiere. Nichts ist besser für den Tierschutz und letztlich die Fleischqualität.
„Metzger sein, das hat was. Das Berufsbild hat sich im Vergleich zur Zeit unserer Großeltern extrem gewandelt. Heute ist der Metzger Ernährungscoach, Cateringmanager, Social-Media-Manager und Kaufmann in einer Person. Smartphone und Computer gehören unlängst zum Handwerkszeug, genauso wie eine Räucheranlage. Die Herstellung von Fleisch- und Wurstwaren ist zwar die unangefochtene Basis des Könnens, aber es gehört so viel mehr dazu“, so Hubert Lohberger, der als Obermeister der Metzger-Innung Rosenheim Metzger aus dem Stadtgebiet sowie Bad Aibling und Wasserburg vertritt.
Neue Wege für den Imagewandel des Metzgerhandwerks und die Nachwuchswerbung geht der Fleischerverband Bayern, dem auch die Metzger-Innung Rosenheim angehört, seit diesem Jahr. Dort hat man eine völlig neue Marke geschaffen, die mit den alten Klischees aufräumen soll: ein „M“ für Metzgerhandwerk Bayern. Wichtig war dem Metzgerhandwerk, die jungen Leute dort abzuholen, wo sie sich tagsüber aufhalten, etwa in den sozialen Medien. Die aktuelle Kampagne „Metzger darf mehr sein“ stellt die vielen Facetten des Berufs auch auf Facebook und Instagram vor.
Das Metzgerhandwerk ist ein moderner Beruf, technologisiert und vielfältig, aber mit der gewissen Verbindung zur Tradition und einem familiären Umfeld. Jedes einzelne Mitglied im Team der Handwerksmetzgereien ist wichtig, denn die Mitarbeiter sind das Kapital eines jeden Betriebs. Auch die Kampagne „Stoppt das Azubinensterben“ im Frühjahr 2019 sorgte für jede Menge Aufsehen. Vielleicht war auch sie der Grund, warum in einigen Landkreisen Bayerns wieder steigende Lehrlingszahlen zu verzeichnen sind. Bei aller Moderne des Berufsbildes bleibt immer noch Zeit für Innovation und Weiterentwicklung.
Königsdisziplin Fleischsommelier
So haben zahlreiche Metzger sich bereits zum Fleischsommelier weitergebildet. Ob „Flat Iron“ oder „Tomahawk“: Unter anderem stehen bei dieser Weiterbildung die besonderen Fleischzuschnitte und ihre Zubereitung im Vordergrund, die in vielen Restaurants auf den Karten stehen. Metzger sind damit zu den neuen Rockstars der Ernährungsbranche geworden.
Eins wird abschließend ganz deutlich: Das Metzgerhandwerk in Bayern bietet, was junge Menschen sich heute wünschen. Dazu gehören Jobsicherheit, Entwicklungs- und Karrierechancen. Das alles gepaart mit den qualitativ hochwertigen Produkten – Metzger darf definitiv mehr sein!