Seit Juni liefert Mercedes-Benz Trucks den neuen Actros serienmäßig mit der MirrorCam aus – bislang weltweit als einziger Hersteller in der Branche. Das System kann mehr als die herkömmlichen Haupt- und Weitwinkelspiegel, und seine Leistungen gehen weit über die gesetzlichen Vorgaben hinaus.
Patrick Hirth ist Mechaniker in der Fahrerhausentwicklung von Mercedes-Benz Trucks und bereits über 200000 Kilometer mit der neuen Mirror Cam gefahren. Sein Kommentar: „Überholen, Rangieren, Fahren bei schlechter Sicht und Dunkelheit, Kurvenfahrten und das Passieren von Engstellen – das alles ist mit der Mirror Cam sicherer und stressfreier zu bewältigen.“
Die Mirror Cam besteht aus zwei links und rechts am Dachrahmen befestigten Kameras, zwei hochformatigen, im Fahrerhaus an den A-Säulen befestigten Monitoren sowie den Steuerelementen im Türmodul und im Secondary Display.
Die von den Kameras übertragenen Bilder werden mit einer Auflösung von 720 mal 1.920 Pixel auf die zwei 15,2 Zoll großen Monitore übertragen. Analog zum herkömmlichen Spiegelsystem ist das Monitorbild in Haupt- und Weitwinkelsichtbereich gegliedert.
Da die Kameras der Mirror Cam am Dachrahmen befestigt sind und sich die Monitore im Inneren des Fahrerhauses befinden, hat der Fahrer eine erheblich verbesserte direkte Sicht durch die Seitenscheiben. Der Blick schräg nach vorn ist frei, weil die großen Außenspiegel fehlen, die dem Fahrer bei einem herkömmlichen Spiegelsystem in vielen Situationen die Sicht nehmen. Das ist besonders beim Heranfahren an Kreuzungen und Kreisverkehre, beim Rangieren und in engen Kurven von Vorteil.
Beim Rückwärtsrangieren unterstützt die Mirror Cam den Fahrer ebenfalls: Die Anzeige im Display wechselt dann in eine spezielle Rangieransicht. Insbesondere das rückwärts um die Kurve Rangieren wird erleichtert, da auch weiter entfernte Bereiche im Fahrzeugumfeld größengleich dargestellt werden. Diese Ansicht wird automatisch beim Einlegen des Rückwärtsgangs aktiviert und bleibt dann auch beim Vorwärtsfahren bis zehn km/h oder bis zur Deaktivierung durch Knopfdruck angezeigt.
Auch die Distanzlinien im Display der Mirror Cam sind eine sinnvolle Unterstützung: Sie helfen dem Fahrer, Abstände zu Objekten hinter dem eigenen Fahrzeug der Fahrsituation angemessen besser einzuschätzen.
Und es gibt noch einen weiteren Sicherheitspluspunkt der Mirror Cam im Vergleich zu einem herkömmlichen Spiegelsystem: Manche Fahrer sind unbeabsichtigt mit nicht optimal eingestellten Spiegeln unterwegs. So kann auf der Beifahrerseite ein gefährlicher toter Winkel entstehen, in welchem andere Verkehrsteilnehmer wie Radfahrer, Fußgänger, aber zum Beispiel auch E-Roller, leicht verschwinden können. Das Problem des toten Winkels gibt es mit Mirror Cam und Abbiege-Assistent nicht mehr, weil die Displays immer das gleiche Kamerabild zeigen – ganz gleich, aus welchem Winkel der Fahrer auf den Monitor schaut. Und im Zweifelsfall warnt der Abbiege-Assistent.