Bei Genussskifahrern und Partygängern ist Ischgl auf der ganzen Welt bekannt, dabei ist das Gebiet auch für alle, die gerne abseits des Pistenrummels unterwegs sind, sehr lohnenswert. Seit dem Bau der Piz Val Gronda- Gondelbahn im Jahr 2013 hat Ischgl ein weitläufiges Freeride-Areal erschlossen und sich wie das benachbarte, kleine wie feine Skigebiet Kappl unter Tief-schnee-Fans einen Namen gemacht.
239 schneesichere grenzüberschreitende Pistenkilometer in einem der größten zusammenhängenden Skigebiete der Alpen, hochkarätiges Entertainment-Programm mit Weltstars auf der großen Bühne an der Idalp, ausgezeichnete Kulinarik und ein berühmt-berüchtigtes Partyleben. Doch Ischgl kann auch anders. Freerider und Powder-Liebhaber haben in Ischgl die Wahl zwischen einer Vielzahl an Variantenabfahrten und Freeridetouren. Und das alles in unmittelbarer Nähe zum Lift.
Die Bandbreite reicht dabei von steilen Couloirs für Experten bis hin zu flachen Powderfeldern, wie zum Beispiel rund um die Piz Val Grondabahn, die auch von weniger erfahrenen Freeridern befahren werden können.
Lange Runs hinunter nach Samnaun
Wer auf Nummer sicher gehen oder einen entspannten Tag auf den besten Off-piste-Runs erleben will, holt sich einen erfahrenen und ortskundigen Guide von der Skischule Ischgl an seine Seite. Das lohnt sich auch deshalb, weil in diesem relativ schneearmen Januar die einheimischen Guides sicher besser wissen, wo es noch powdert.
Guide Michael checkt die LVS-Geräte, bevor er mit der Gruppe ins Gelände aufbricht. „Unser Skigebiet bietet mit seinen 45 modernen Liftanlagen die Möglichkeit, die Runs mit bis zu 1000 Meter Höhendifferenz ohne Aufstieg zu erreichen.
Für erfahrene Rider sind vor allem die langen Runs in Richtung Samnaun interessant“, sagt er und biegt mit der Gruppe oben am Greitspitzlift (2872 m) gleich ab ins Gelände.
Windverblasen und hart zeigt sich die südseitige lange Querung, dafür warten in den nördlichen Kesseln tatsächlich noch unverspurte Powderstücke, die die Herzen gleich höher schlagen lassen.
Salaas, hinunter nach Alp Trida, hinüber zur Grivaleabahn, von dort mit längerem Aufstieg und geschulterten Ski zum Grübelekopf (2894) hinauf und im Gelände in oben noch butterweichen Pulverschnee hinunter zur Mullerbahn. Dann geht es zurück bis hinauf zur Greitspitze und von dort über den Alp-Trida-Sattel hinunter nach Samnaun. Auf dem Weg dorthin lässt eine kleine, steile wie enge Rinne, die vorsichtig abgestiegen werden muss, den Adrenalinspiegel steigen.
Aber alle kommen gut durch und genießen den Ausblick auf das zollfreie Samnaun, von wo man sich mit der futuristischen Doppelstock-Gondel wieder hinauf auf den Alp-Trida-Sattel befördern lässt.
Am Ende eines langen und unverhofft pulverschneereichen Freeride-Tages nimmt die Gruppe den am Spätnachmittag viel befahrenen Pistenweg zurück nach Ischgl und macht sich dort schnell aus dem Staub der bereits gut besuchten Apres-Ski-Zone.
Freeridegeheimtipp
im Paznaun
Tag zwei im nahen Kappl. Mit rund 2600 Einwohnern ist Kappl die größte Gemeinde im Paznaun und liegt auf 1258 Metern Höhe zwischen den Nachbargemeinden See und Ischgl am Eingang des Paznaun im Westen Tirols. Im Norden ragen die Berge der Verwall-, im Süden die Gipfel der Sam-naungruppe empor und sorgen in der sonnenverwöhnten Gemeinde für ein pittoreskes Panorama.
Mit seinen breiten und variantenreichen Pisten ist Kappl ideal für einen Winterurlaub mit der ganzen Familie. Aber nicht nur das: Abseits der präparierten Skipisten, aber direkt von den Bergstationen zugänglich, finden Freerider bei entsprechender Schneelage ein wahres Powder-Paradies.
An der Bergstation der Diasbahn befindet sich eine Freeride-Info-Tafel mit LVS-Checkpoint, um sich über die aktuelle Lawinenwarnstufe, Schneehöhe und Temperatur zu informieren und die Funktionsfähigkeit des Lawinenpiepsers zu überprüfen.
Hier sind auch regelmäßig die Freeride-Profis unterwegs. Wer das Terrain der internationalen Freeride-Bewerbe Open Faces und Freeride Junior World Championship gerne einmal selbst unter die Bretter nehmen möchte, findet in Kappl die perfekte Spielwiese – und das mit relativ einfachem Zustieg: Nahezu alle Freeride-Runs starten von den Bergstationen der Alblittkopf- beziehungsweise Alblittbahn. Das Highlight sind die Hänge der Quellspitze. Der Fußmarsch über den Grat und das Befahren der Quellspitz-Hänge sollte nur bei absolut sicheren Lawinenverhältnissen angegangen werden.
Manche belassen es bei den doch relativ schwierigen Offpiste-Verhältnissen auf den Südhängen dabei, den Profis beim Drei-Sterne-Qualifier der Freeride- World-Tour zuzuschauen, cruisen lieber die bestens präparierten und selbst an einem sonnigen Samstag wenig frequentierten Pisten in diesem wunderschönen Skigebiet hinunter und freuen sich auf einen nächsten Kappl-Besuch bei frischem Powder.
Mehr Informationen gibt es unter www.ischgl.com und www.kappl.com.