Nach zehn Minuten kommt der Tod

von Redaktion

Rund 65000 Menschen in Deutschland sterben jedes Jahr am plötzlichen Herztod. „Besonders gefährdet sind Menschen mit einer Herzkranzgefäßerkrankung, die vorher nicht bekannt sein musste“, warnt Prof. Dr. med. Dietrich Andresen, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Herzstiftung.

Wie kommt es zum plötzlichen Herztod?

Unmittelbar eingeleitet wird der plötzliche Herztod vor allem durch das plötzliche Auftreten von Kammerflimmern. Das führt innerhalb weniger Sekunden zum Kreislaufkollaps: Das Herz hört auf zu schlagen, der Blutdruck sinkt auf „Null“. Der Patient verspürt nach vier Sekunden eine „Leere“ im Kopf. Nach acht Sekunden bricht er bewusstlos zusammen. Nach zwei bis drei Minuten hört er auf zu atmen. Nach etwa zehn Minuten tritt der Tod ein.

Am häufigsten liegt dem plötzlichen Herztod eine koronare Herzkrankheit (KHK) zugrunde. Sie spielt für Patienten jenseits der 40 die größte Rolle. Expertenschätzungen zufolge haben rund sechs Millionen Menschen in Deutschland eine KHK, die durch Risikokrankheiten wie Bluthochdruck, Diabetes, Fettstoffwechselstörungen (hohes Cholesterin) verursacht ist. Die KHK ist eine Durchblutungsstörung des Herzmuskels aufgrund von Einengungen der Herzkranzgefäße.

Durchblutungsstörungen führen zu Vernarbungen in der Herzmuskulatur, die schwere Herzrhythmusstörungen begünstigen. Besonders häufig ist die Herzschwäche (Herzinsuffizienz), meist infolge einer KHK oder auch einer Herzmuskelentzündung (Myokarditis). Weitere seltenere Ursachen für den plötzlichen Herztod sind Herzklappenerkrankungen und angeborene Herzfehler sowie ein hoher Blutdruck.

Auch vor dem 40. Lebensjahr kann es, wenn auch seltener, zum plötzlichen Herztod kommen. Die Ursachen sind Herzmuskelentzündungen, angeborene Herzfehler sowie genetisch bedingte elektrische Herzerkrankungen (Ionenkanalerkrankungen).

Zu den Ursachen in diesem Lebensabschnitt zählt auch Drogenkonsum (zum Beispiel Kokain, Amphetamine). Tückisch bei den genannten Herzerkrankungen ist, dass sie lange ohne Beschwerden verlaufen können.

Die beste Strategie gegen den plötzlichen Herztod lautet: Herzerkrankungen frühzeitig erkennen und behandeln. Die Herzstiftung rät zu Früherkennung durch regelmäßige Check-ups beim Hausarzte. Bei diagnostizierter Herzerkrankung rät die Herzstiftung zu regelmäßigen Kontrollen beim Kardiologen oder Internisten. Erwachsene mit angeborenem Herzfehler (EMAH) sollten ihr Herz regelmäßig von einem EMAH-Spezialisten kontrollieren lassen.

Generell sollten Betroffene bei den folgenden Warnzeichen zum Kardiologen. Er kann untersuchen, ob eine Herzrhythmusstörung als Folge einer KHK oder einer anderen Herzerkrankung vorliegt, die behandlungsbedürftig ist:

– Brustschmerzen (Angina pectoris) und/oder Luftnot

– Herzrasen mit Einschränkung der Belastbarkeit

– Hartnäckiges Herzstolpern

– Kurze Bewusstlosigkeiten

– Schwindelanfälle, drohende Bewusstlosigkeiten

Was tun beim Herzstillstand?

Patienten mit einem Herz-Kreislauf-Stillstand haben nur eine Chance zu überleben: wenn Zeugen da sind, die das Geschehen beobachten, richtig einschätzen und nach Alarmierung der Notrufnummer (112) sofort mit Wiederbelebungsmaßnahmen beginnen. Die gute Nachricht: 60 bis 70 Prozent der Herzstillstände werden beobachtet, von den Zeugen als Notfall richtig erkannt und auch die Notrufnummer 112 alarmiert. Die schlechte Nachricht: Nicht einmal die Hälfte der Zeugen beginnt nach dem Notrufs mit Wiederbelebungsmaßnahmen. Die Mehrheit bleibt untätig, vor allem aus Angst, etwas falsch zu machen. Dabei gilt:

1. Ohne eine Erstversorgung durch einen anwesenden Beobachter hat ein Patient mit einem Herz-Kreislauf-Stillstand kaum eine Chance, erfolgreich wiederbelebt zu werden.

2. Eine Wiederbelebung durch Ersthelfer zur Überbrückung der Zeit bis zum Eintreffen des Rettungsteams (erst nach acht bis neun Minuten) ist unabdingbar. Jeder Erwachsene sollte in der Lage sein, einen Herz-Kreislauf-Stillstand zu erkennen und die notwendigen Schritte zur Rettung der Person einzuleiten. Eine einmalige Unterweisung zum Beispiel im Rahmen einer Führerscheinprüfung ist nicht ausreichend.

Herzdruckmassage lässt sich in weniger als einer Minute erlernen. Das zeigt der Wiederbelebungs-Film „Prüfen, Rufen, Drücken – drei einfache Schritte, die Leben retten“ unter www.herzstiftung.de/video/reanimation.

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