Selbst bei näherem Hinsehen erkennen noch nicht einmal ausgefuchste Experten, dass der in der ersten März-Woche präsentierte Morgan Plus Four ein von Grund auf neu konstruiertes Modell ist. Angeblich teilt der brandneue Plus Four lediglich die Verschlüsse der Motorhaube mit seinem Vorgänger Plus 4 – und phonetisch den Namen. Nur die Schreibweise ist anders. Optisch aber geht der Four glatt als Zwillingsbruder des 4 durch. Der bildet seit seinem Debüt 1950 als Brot-und-Butter-Auto das Umsatz-Rückgrat der Morgan-Produktion und gilt als eines der am längsten in Serie gebauten Fahrzeuge der Welt.
Jetzt aber, 70 Jahre nachdem der erste Plus 4 vom Band lief, beginnt ein neues Kapitel. Wenn auch wahrscheinlich noch kein anderer Morgan derart tiefgreifende Zugeständnisse an die Automobiltechnik von heute macht – etwa mit unabhängiger Einzelrad- statt Blattfederung hinten und einem Chassis aus Aluminium – so ist zumindest mit dem Rahmen aus Eschenholz ein wichtiges Morgan-Gen geblieben.
Eine solche Fertigungstechnik nutzten einst Stellmacher beim Kutschenbau. Und statt auf Automatisierung und Fließband verlässt sich die Produktion immer noch in erster Linie auf Handwerk und Augenmaß.
Manche Details klingen für Morgan geradezu revolutionär. Dazu gehören zum Beispiel automatisches LED-Front-Licht und LED-Rückleuchten, Zentralverriegelung, ABS sowie Servolenkung und ein Audiosystem mit Bluetooth. Zum ersten Mal kommt mit dem 2,0-Liter-Turbomotor von BMW ein aufgeladener Vierzylinder in einem Morgan-Auto zum Einsatz. Bei der Motorleistung dürfte bei offener Fahrweise so manches Haar das Weite suchen.
Seine Kraft überträgt der Motor entweder mittels eines Sechs-Gang-Handschaltgetriebes auf die Straße oder – erstmals bei Morgan in diesem Modell ab Werk – eine Acht-Gang-Automatik. Sie verfügt über eine Paddelschaltung und hat sich bereits im Plus Six bewährt. Wird der Gangschalter nach vorne bewegt, setzt der Sportmodus ein. Er verändert die Schaltpunkte und das Ansprechverhalten und sorgt für noch mehr Dynamik. Während Leistung und Drehmoment im Vergleich zum Vorgänger laut Werksangaben um mehr als 65 Prozent zugenommen haben, bescheidet sich der Neue mit einem ähnlichen Kraftstoffverbrauch von rund sieben Litern auf 100 Kilometer. Der Morgan Plus Four ist bereits bestellbar, die Auslieferung an die Kunden beginnen im April oder Mai. ampnet/hrr