Schmerzen am Bewegungsapparat sind ein subjektives, leidvolles Erleben, das Menschen im Alltag deutlich einschränken kann. Hier steht der Rückenschmerz an erster Stelle.
Rund 85 Prozent der Bevölkerung sind davon betroffen. Untersuchungen zeigen, dass ein Viertel aller Frauen und 17 Prozent der Männer im vorausgegangenen Jahr länger als drei Monate an Rückenschmerzen litten und somit sogar als chronische Rückenschmerzpatienten klassifiziert werden können.
Die gute Nachricht ist: Rückenschmerzen sind erfolgreich zu behandeln, die Heilungschance ist groß. Maßgeblich hierfür ist allerdings ein fundiertes Behandlungskonzept.
Untersuchung und Behandlung
Eine befund- und zielorientierte Behandlung, das Verstehen wichtiger Zusammenhänge und die Selbstwirksamkeit des Patienten sind hier entscheidende Bausteine. Ein Physiotherapeut begibt sich gemeinsam mit dem Patienten auf die Suche nach den möglichen Ursachen und den Zusammenhängen der Beschwerden. Diese Analyse erfolgt durch das Erstgespräch (Anamnese) und die körperliche Untersuchung.
Die daraufhin folgenden Behandlungsmaßnahmen orientieren sich am persönlichen Behandlungsziel des Patienten und den Erkenntnissen aus der Untersuchung. Der Haus- oder Facharzt kann dafür in der Regel ein Rezept für Manuelle Therapie (alternativ auch Krankengymnastik) ausstellen.
Die größtmögliche Heilungschance besteht dann, wenn der Patient einen Weg für sich findet, aktiv zu bleiben und regelmäßige Bewegung in seinen Alltag integriert. Die Physiotherapie sollte den Weg zurück in die Aktivität und die Wiederaufnahme von Arbeit, Hobbys und Sport begleiten.
Dazu erarbeitet der Therapeut gemeinsam mit dem Patienten ein gezieltes und individuelles Übungsprogramm. Langfristig sollten frühere Aktivitäten wie etwa Sport im Fitnessstudio, Schwimmen oder Outdooraktivitäten wieder dosiert aufgenommen oder neu entdeckt werden.
Verstehen und verändern
Damit der Patient in der Lage ist, notwendige und heilsame Veränderungen in seinem Alltag vorzunehmen, sollte der Physiotherapeut helfen, die Zusammenhänge des Beschwerdebildes zu verstehen.
Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass vor allem die Kombination aus der Behandlung und der gezielten Patienteninformation, gegenüber der isoliert durchgeführten Einzelbehandlung, einen größeren Therapieerfolg ermöglicht. Dies geschieht überwiegend innerhalb der Behandlung, kann aber auch mit Vorträgen zur gesunden Lebensführung oder Literaturempfehlungen unterstützt werden.
Chancen aufzeigen
Entscheidend dabei ist – auch das haben Studien gezeigt –, dass der Patient nicht mit Limitierungen und Verboten konfrontiert wird, sondern viel mehr Chancen und Gestaltungsspielräume aufgezeigt werden, sodass sich der Patient wieder trauen kann, aktiv zu werden.
Empfehlungen für den Besuch beim Physiotherapeuten:
– realistisches Therapieziel vereinbaren;
– nach Erklärungen und Zusammenhängen des Beschwerdebildes fragen. Der Therapeut sollte im Verlauf der Behandlungsserie hierauf eine Antwort geben können;
– den Therapeuten wissen lassen, dass man motiviert ist, gezielte Übungen regelmäßig durchzuführen;
– gezielte Eigenübungen einfordern; diese sollten gut in den Alltag zu integrieren sein, in Zusammenhang mit dem Beschwerdebild stehen und ein gutes Gefühl geben. Christian Vockensperger