Raues Klima und faszinierende Landschaften

von Redaktion

Zu Besuch in St. Peter-Ording, wo Naturschutz und Tourismus nebeneinander existieren

Fraglos sind die knorrigen Bäume auf das raue Klima zurückzuführen, von Wind und Sturm geprägt, bilden sie einen unabdingbaren Teil der Landschaft, die heute zum Naturpark Wattenmeer zählt. So wie die Dünen, das Watt und die Wasserflächen, auf denen sich Gänse und Enten ausbreiten. Eine auffallend hohe Anzahl von Fasanen können Ornithologen zählen, registrieren die weniger werdenden Kiebitze und sehen zu, wie die gefiederten Austernfischer am gewollten Knacken der pazifischen Muschelart verzweifeln.

Die Natur hat sich verändert und die Menschen an der Nordsee ziehen ihre Konsequenzen daraus. „Das Meer kommt kontinuierlich näher, deshalb setzen wir unsere Pfahlbauten dichter an das Land“, erzählt Nils Stauch von der Tourismus-Zentrale in St. Peter-Ording.

„Wir waren einmal das Armenhaus der Region. Den Menschen auf den fetten Marschböden in den ,Haubargen‘ (Anmerkung der Redaktion: Große reetgedeckte Bauernhäuser, in denen Vieh und Futter gleichermaßen untergebracht waren) ging es besser“, erzählen die Einwohner des ehemals kargen Küstenstreifens.

Das Meer kommt kontinuierlich näher

Einwohner wie der 81-jährige Claus Heitmann, der als Vorsitzender des Heimatvereins in St. Peter-Ording ein lebendes Beispiel für die Tatsache ist, dass man hier nicht nachtragend ist, aber auch nicht vergisst. Im Heimatmuseum der Ortschaft kann er gemeinsam mit Direktorin Sabine Graetke die Lebensgewohnheiten der Vorfahren an vielen Beispielen veranschaulichen.

Heute ist St. Peter-Ording an der Nordwestspitze Schleswig-Holsteins (Nordfriesland) zu einem prosperierenden Urlaubsort geworden, fernab der Verarmung, die 1838 mit dem ersten Feriengast ihre Wende nahm. Dass 1877 das erste Hotel folgte, war nur eine konsequente Folge des Zuspruchs einer ungewöhnlichen Natur, die heute noch so anziehend ist, wie zu der Zeit, als St. Peter-Ording der wechselnden Herrschaft aus Deutschland und Dänemark unterlegen war. Im Jahr 2019 waren es 549000 Tagesgäste plus Übernachtungsgäste, von denen die vier Ortsteile besucht wurden. Die Dünen-Therme bietet den Gästen, von denen im vergangenen Jahr 240000 kamen, eine Fülle an Anwendungen und Genüssen innerhalb und außerhalb des Salzwassers. Wer sich über die Zusammenhänge zwischen Natur und Landschaft intensiv informieren möchte, bekommt Hilfe von den Freiwilligen, die sich hier für einen längeren Zeitraum im Rahmen des Naturschutzes engagieren. Sie bieten regelmäßig fachkundige Führungen an.

Der markanteste Anziehungspunkt von St. Peter- Ording dürfte aber der zwölf Kilometer lange Sandstrand sein, der mit einer Breite bis zu zwei Kilometern ungewöhnlich imposant für eine deutsche Strandlandschaft einlädt. Vom sonnenbadenden Strandurlauber bis zum Strandsurfer sind alle Freizeitvergnügungen angeboten, die am und im Wasser ihren Reiz haben. Hier werden Mensch und Tier entsprechend den Gewohnheiten und Vorlieben zugeteilt. Ob FKK-Strand, Hundestrand, Stecken für Reiter im feinsten, weißen Sand oder in den Heideflächen, niemandem sollte bei seinem mehrtägigen Besuch von St. Peter-Ording langweilig werden.

Zwölf Kilometer Sandstrand

Durch den Nationalpark Wattenmeer finden die Gäste ohnehin eine einzigartige Kombination aus Strand und erosionsgeprägter Natur vor. Auffallend ragen die Wahrzeichen von St. Peter-Ording aus dem weißen Sand Nähe des Nordseewassers. Die 13 Pfahlbauten lassen bei höheren Wasserständen der Flut erkennen, wenn sie vom Wasser umspült werden. Ursprünglich waren sie als Verkaufseinrichtungen geschaffen, so genannte „Giftbuden“. Nicht etwa, weil dort unverträgliche Dinge zu haben waren oder das englische Wort „Gift“ als grundlegende Schöpfung herhalten musste. Der plattdeutsche Satz „dor gift dat watt“ (dort gibt es etwas) war ursächlich für die Bezeichnung. Heute wickeln überwiegend Restaurants ihre Geschäfte in den weitgehend in Gemeindehand befindlichen Pfahlbauten ab.

Kurstätte und Erholungsort

54 Millionen Euro hat die Gemeinde S. Peter-Ording in den vergangenen Jahren in den Tourismus fließen lassen. Das Nordseeheil- und Schwefelbad hat seinen Stellenwert unter den Medizinern als Kurstätte bei Haut- und Lungenkrankheiten konsequent ausgebaut und entsprechende Einrichtungen geschaffen. Fitness- und Wellness-Befürworter sind deshalb auch ganzjährig in den Unterkünften anzutreffen, die teilweise bis zu 98 Prozent jährlich ausgelastet sind.

Es ist also unverzichtbar, sich rechtzeitig um eine Unterkunft zu kümmern, wenn St. Peter-Ording Ziel des Urlaubs sein soll. Das Spektrum reicht vom Campingplatz über Ferienwohnungen bis zu Fünf-Sterne-Hotels.

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