In der nun vierten Generation kommt der Kompaktsportler Focus ST als bärenstarker Fünftürer an den Start. Mit exklusiver Nomenklatur „ST“ ist Ford in die sportlichen Gefilde gezogen, verwässert sie aber allmählich: Mittlerweile darf sich selbst ein Focus Kombi mit 190 PS starkem Dieselmotor so nennen. Das muss nicht sein: Der klassische „Hot Hatch“ mit aufgeladenem Benziner und fünf Türen schmückt sich mit dem charmantesten Heck, das die Kompaktklasse bisher hervorgebracht hat. Die langsam abfallende Linie mit viel Überhang sowie der wuchtige Heckstoßfänger lassen den fünftürigen ST wie frisch vom Tuner wirken. Auch an der Front stellen weit aufgerissene Lufteinlässe die Frage, ob Veredelung überhaupt noch notwendig ist.
Neues Designkonzept im Innenraum
Ford-Fans finden im Innenraum hingegen wenige Bezugspunkte zum Besonderen. Das schlichte Schwarz wird gelegentlich durch ST-Embleme aufgebrochen, das Spiel mit Form und Farbe – wie man es von früheren Focus-ST-Generationen kennt – wird nicht mehr verfolgt. Diesmal stehen nur Ziernähte in Kontrastfarbe zur Auswahl, wie man sie aus den ST-Line-Modellen kennt. Die Verarbeitung macht sich gut und ist etwa auf gleichem Niveau mit dem fast gleich teuren Hyundai i30 N Performance. Etwas Kunststoff muss der Fahrer zu diesem Preis noch akzeptieren.
Mit der Sitzposition ist Ford beim Focus ST gut gerüstet. Fahrer und Beifahrer sitzen auf der richtigen Höhe, man fühlt sich ins Auto integriert. Leider bieten die Sportsitze zwar guten Seitenhalt, gestalten die Haltung jedoch durch eine Wölbung im Rückenpolster aktiv.
Ein ST muss fahren, wie er aussieht. In diesem Fall heißt das, er muss so gut fahren wie nie zuvor. Mit 420 Newtonmeter schafft Ford die Bedingungen, um beim Armdrücken sogar den Honda Civic Type R auf die Tischplatte zu knallen. So fliegt der kompakte Brenner in 5,7 Sekunden auf Tempo 100 km/h und zieht bis 250 km/h munter weiter.
Man hört es schon raus: Auch beim Focus ST legt Ford Wert auf Spieltrieb in verschiedenen Fahrmodi und lässt es im ST- sowie im Trackmodus – die richtige Motortemperatur vorausgesetzt – aus den Rohren knallen wie aus Pistolenläufen.
Spannender als der Sound ist allerdings die Umsetzung der bereitstehenden Leistung. Mittels an das elektronische Stabilitätsprogramm gekoppeltes Torque Vectoring wird das Drehmoment an den Vorderrädern geregelt, gezielte Bremseingriffe an einzelnen Rädern veranlasst. So kommt der Focus ST sogar mit den Rädern an die Erde, wenn man im Scheitelpunkt voll drauf tritt. Auch die EPAS-Lenkung zieht im Hintergrund die Fäden, passt die Lenkung je nach Tempo an und berücksichtigt Querwinde und weitere Faktoren, die die Fahrstabilität beeinträchtigen können.
Elektronische Dämpferregelung
Begeistern kann das hervorragende Fahrwerk des Focus. Ford hat es sich beim ST zum Ziel gemacht, einen alltagstauglichen Hot Hatch zu entwickeln, der auch auf der Rennstrecke Spaß bieten kann. Erreicht wird das über eine elektronische Dämpferregelung, die das Ansprechverhalten der Stoßdämpfer binnen Millisekunden an die Fahrsituation anpasst. Nicht einmal tiefe Bodenwellen können den ST ins Schleudern bringen, hier rutscht – wenn überhaupt – das Heck ein bisschen nach, was sich zusätzlich positiv auf die Kurvengeschwindigkeiten auswirkt.
Auch wer den Focus im Alltag bewegt, wird ihn zu schätzen wissen. Mit optionalen LED-Scheinwerfern schaut der Kölner um die Ecke und kann das Fernlicht automatisch an die Umgebung anpassen. Auch die Fußgängererkennung, der Kollisionswarner sowie die Querverkehrserkennung arbeiten einwandfrei und sind ein Sicherheitsplus im Alltag. Typische Ford-Extras wie eine beheizbare Frontscheibe und ein optionales Panoramaglasdach sorgen zudem für zusätzlichen Komfort je nach Wetterlage.
Fazit: Der Focus ST wird mehr zum Alleskönner und fährt besser als je zuvor. Die 1500 Kilogramm Leergewicht verpuffen in der direkten, wenn auch künstlichen, Lenkung. Mittels Torque Vectoring ist Untersteuern für den Kölner kein großes Thema mehr. Speziell auf Nässe spielt der Focus Fähigkeiten aus, die Fahrer von echten Sportwagen an den Rand der Verzweiflung bringen. Stabilität und Beweglichkeit sind die großen Stärken des Focus. Leider ist dem Kompakten etwas Flair im Innenraum verloren gegangen. Die Bremsen sind schlicht zu lasch. ampnet/Dennis Gauert, cen