Corona-bedingt wird bei Maloja gerade abwechselnd in zwei Teams gearbeitet. Deshalb ist der eine Geschäftsführer, Peter Räuber, vom Homeoffice aus beim Skype-Interview dabei, der andere, Klaus Haas, hat sich aus der Maloja-Zentrale, einem umgebauten Bauernhof in Bach bei Rimsting, zugeschaltet. Die aktuelle Situation hält auch die Sports- und Streetwear-Marke auf Trab – doch das Team von Maloja ist es gewohnt, sich auf Neues einzulassen.
Das Coronavirus wirbelt Unternehmen ganz schön durcheinander. Wie geht man bei Maloja mit der Krise um?
Klaus Haas: Das ist eine Herausforderung für alle. Aber wir versuchen, die Krise auch als Chance zu sehen. Also haben wir uns zusammengesetzt und überlegt: Was können wir machen? Wie können wir Lösungen finden, die uns als Unternehmen, aber auch allen da draußen helfen? Da kam die Idee auf, eine funktionale Mund-Nasen-Maske zu entwickeln. Wir produzieren seit 16 Jahren Funktionsbekleidung und haben daher jede Menge Knowhow: Bei der Kleidung, die wir etwa für Ausdauersportarten wie Biken oder Langlaufen herstellen, geht es um Atmungsaktivität, Feuchtigkeitstransport, Tragekomfort oder antibakterielle Ausrüstungen – das konnten wir gut auf die Masken übertragen. Dazu galt es, unsere Funktions-Kompetenz mit dem Maloja-typischen Design zu verbinden. Also klar: Corona stellt auch uns vor Schwierigkeiten. Doch wir sind es gewohnt, immer wieder Neuland zu betreten – schließlich zählt der Satz „Eigene Wege gehen“ seit dem ersten Tag zu unseren Firmenwerten.
Ja, ich habe von der Gründungsgeschichte gehört, die dieses Motto sozusagen im Innersten des Unternehmens verankert hat. Dabei geht es um einen legendären Wintertag im Engadin.
Peter Räuber: Genau! Viele der Werte, die zur Unternehmensphilosophie von Maloja gehören und die wir bis heute leben, gehen auf einen traumhaften Tag in den Bergen zurück. Damals war ich mit einer Gruppe von Freunden zum Snowboarden im Engadin. In dem kleinen Örtchen Maloja erlebten wir an einem Pulverschnee-Hang mit einem kleinen Tellerlift, dass es nicht viel braucht, um glücklich zu sein: einfache Mittel, der respektvolle Umgang mit Mensch und Natur, eine gute Zeit mit Freunden zu verbringen und nicht zuletzt die Bereitschaft, immer wieder neue, ganz eigene Wege zu gehen. Nach diesem Tag wurde „Maloja“ im Freundeskreis zum geflügelten Wort für etwas Gutes und Schönes.
Nicht nur das Wort „Maloja“ ist geblieben, sondern auch der Wille, stets Neues zu wagen …
Peter Räuber: Als wir 2004 die Marke gegründet haben, lag es nahe, sie Maloja zu nennen. Und ja, die Idee, die ich für das Label hatte, war damals wirklich neu: Ich selbst bin leidenschaftlicher Mountainbiker und wollte den Lifestyle dieses Sports auf Streetwear übertragen. Das gab es damals nur im Bereich Surfen. Auch unser Konzept, jedes Jahr ein neues, komplett eigenständiges Kollektionsthema zu kreieren, war neu. Anfangs wollte ich eigentlich nur eine Sommerkollektion machen, damit ich im Winter frei habe und Snowboarden kann. Schnell war die Nachfrage aber so groß, dass wir 2007 auch mit einer Winterkollektion gestartet sind.
Warum kommen die Kollektionen so gut an?
Peter Räuber: Weil wir ihnen mit dem jährlich wechselnden Thema einen ‚Rahmen‘ geben, der weit über die übliche Entwicklung einer Kollektion hinaus geht. Diese Themen erarbeiten wir uns – jenseits von oberflächlichen Marketing-Gedanken – mit allem Anstand und dafür tauchen wir jedes Jahr komplett in eine neue Welt ein. Ein Beispiel: Die Kollektion „HiSociety“ ist dem Lebensraum der Bergbauern auf über 1400 Metern gewidmet. Für die Kollektion hat unsere Crew eine Woche Sozialarbeit bei der Bergbauernhilfe in Südtirol geleistet. Denn bei Maloja sollen nicht nur Farben, Materialien und Schnitte stimmig sein – es geht auch um Respekt.
Ihr lebt eure Werte auch um die Produkte herum. Eure Firmenzentrale etwa ist außergewöhnlich: ein umgebauter Bauernhof im Chiemgau…
Klaus Haas: Für uns ist „Bach 1“ der absolut passende Ort: Wir sind umgeben von Wiesen und Wäldern, wir schauen auf die Berge – und wir sehen so auch jeden Tag, dass wir einen Beitrag dazu leisten müssen, diesen Lebensraum zu erhalten. Unser Team besteht aus bodenständigen und sehr kreativen Leuten, die unsere Werte wie Nachhaltigkeit, Authentizität, Natürlichkeit und die Liebe zum Outdoor-Sport leben. Wenn es die Schneedecke hergibt, spuren wir im Obstgarten vor der Haustüre unsere eigene Loipe. Die Mitarbeiter können dann während der Mittagspause auch gerne mal Langlaufen gehen.
Die Mitarbeiter fühlen sich bei euch so wohl, dass es quasi keine Fluktuation gibt. Was ist mit den anderen Menschen, die an der Herstellung der Kleidung beteiligt sind?
Klaus Haas: Auch hier handeln wir nach unseren Werten. Mit unseren Produktionsbetrieben in Europa und China pflegen wir ehrliche und langfristige Beziehungen. Mit Partnern wie bluesign, dem weltweit strengsten textilen Standard für Umwelt-, Arbeits- und Verbraucherschutz, garantieren wir den Kunden, dass sie unsere Produkte mit gutem Gewissen kaufen können. Mit „Wipalla“ unterstützen wir ein Sozialprojekt in Bolivien – zum einen durch die Abnahme von handgestrickten Produkten aus Alpakawolle, zum anderen, indem wir durch ein zinsloses Darlehen die Anschaffung einer Strickmaschine ermöglicht haben. Und nicht zuletzt konnten wir mit dem Aufbau unserer Tochterfirma VioModa in Bulgarien 250 Arbeitsplätze mit modernsten Maschinen und hohen sozialen Standards schaffen.