Der Wohnungsbau läuft in Bayern seit Jahren auf Hochtouren, aber der Mangel in den Städten ist bislang nicht behoben. Seit Jahren hinkt die Zahl der Neubauten der Zahl des benötigten Wohnraums hinterher. Und: Wer derzeit eine neue Wohnung braucht, hat besonders schlechte Karten. So entspannt und strahlend, wie das Pärchen auf dem Foto rechts wirkt, sieht der Immobilienalltag nicht aus – und schon gar nicht in München. Aber: Die Corona-Krise erschwert nicht nur Suchenden, sondern auch den Vermietern das Geschäft. Nach einer Umfrage des Verbands der bayerischen Wohnungsunternehmen unter 225 seiner Mitgliedsunternehmen mit zusammen knapp 357000 Wohnungen ist die Vermietung sehr stark von den Auswirkungen der Epidemie betroffen. Jedes zweite Unternehmen meldet große Einschränkungen bis hin zur Einstellung des Vermietungsgeschäfts, wie Verbandsdirektor Hans Maier am Mittwoch berichtete.
Demnach gibt es aktuell quasi keine Wohnungs-Vorabnahmen mehr – dabei inspizieren die Vermieter den Zustand einer frei werdenden Wohnung vor der eigentlichen Übergabe. „Auch die Wohnungsbesichtigungen sind sehr stark zurückgegangen“, sagte Maier. Im VdW haben sich überwiegend Genossenschaften und kommunale Wohnungsunternehmen zusammengeschlossen. Die Corona-Folgen beschränken sich jedoch keineswegs nur auf die Vermietung: Absehbar ist, dass auch der Wohnungsbau von der Epidemie nicht verschont wird: Annähernd zwei Drittel der Unternehmen – 64 Prozent – rechnen mit einer Verzögerung von Baumaßnahmen. Material, Genehmigungen und Arbeitskräfte fehlen.
Die Baubranche arbeitet zwar weiter, doch gibt es unter anderem Probleme mit fehlenden Arbeitern, vor allem aus Osteuropa. Bauministerin Kerstin Schreyer (CSU) betonte: „Auch wenn Corona die Schlagzeilen beherrscht: Genug bezahlbarer Wohnraum ist essenziell“, sagte sie in München. „Wir legen deswegen weiter großen Wert darauf, dass der Wohnungsbau in Bayern auf Hochtouren läuft.“ Gleichzeitig wird die Corona-Krise aber aller Voraussicht nach den Zuzug nach München und in andere größere Städte etwas bremsen, da auch dort derzeit nur sehr wenige neue Arbeitsplätze entstehen. Der Bau neuer Wohnungen in Bayern ging ungeachtet des nach wie vor sehr hohen Bedarfs schon vor der Corona-Krise leicht zurück. Im vergangenen Jahr wurden insgesamt 59779 Wohnungen fertiggestellt, das sind gut 1050 weniger als 2018 und entspricht einem Rückgang von 1,7 Prozent, wie das Landesamt für Statistik am vergangenen Mittwoch in Fürth meldete.
In drei der sieben bayerischen Regierungsbezirke gab es noch einen Zuwachs: In Niederbayern, der Oberpfalz und Oberfranken. Der kleinste Regierungsbezirk war 2019 im Verhältnis der aktivste im Wohnungsbau: In Oberfranken wurden 641 neue Wohnungen mehr gebaut als 2018, das entspricht einem Plus von nahezu einem Viertel. Nicht jede neue Wohnung hilft aber gegen den Wohnungsmangel: Landesweit machen nach wie vor Einfamilienhäuser einen beträchtlichen Anteil der Neubauten aus; insgesamt 18 682 waren es 2019. Viele davon entstehen in ländlichen Regionen, wo der Wohnungsmangel weniger stark ausgeprägt ist. 26581 neue Wohnungen wurden in Mehrfamilienhäusern gebaut – der Typ Wohnung also, der in den Städten fehlt. Rund 63 Prozent der befragten Unternehmen rechnen in den nächsten Monaten mit höheren Mietausfällen.